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Lady Macbeth von Mzensk

Oper in vier Akten (neun Bildern)
Originalfassung von 1932
Musik von Dmitri Schostakowitsch
Text von Alexander G. Preiss und vom Komponisten
Nach einer Erzählung von Nikolai S. Leskow
Deutsch von Jörg Morgener und Siegfried Schoenbohm


Premiere an der Oper der Bundesstadt Bonn
am 8. Februar 1998


Von Meike Nordmeyer / Fotos von Thilo Beu





Modernes Musiktheater in Bestform -
Hilsdorf inszeniert Schostakowitsch in Bonn

Man stelle sich vor, es wird eine der bedeutendsten Opern des 20. Jahrhunderts gezeigt und alle an der Aufführung Beteiligten sind hochmotiviert - das gab es in Bonn zu erleben. Es beginnt schon beim ausgezeichnet intonierenden Chor, der überdies große Spielfreude zeigt. Das Solistenteam erwies sich als absolut verläßlich, es meisterte die anspruchsvollen Partien wie selbstverständlich und zeigte ausnahmslos konzentriertes, jederzeit überzeugendes Spiel. Das Orchester unter der Leitung von Wolfgang Ott vollbringt exzellente Leistung, an keiner Stelle wurde auch nur das Geringste verschenkt. Die zahlreichen Soli erklingen konzertreif.

Aufgebaut auf dieser Spannung wurde eine für Hilsdorfs Verhältnisse recht brave Inszenierung, die aber überaus streng und dicht gearbeitet ist. Hier zählen Blicke, die sich treffen und kreuzen, die schmeicheln und drohen, und entscheidend sind die strengen Figurenkonstellationen im Raum. Im Mittelpunkt der Inszenierung steht zunächst immer das Bett, eingezwängt von einer dunkelblutrot gefärbten Bretterwand, bis sich schließlich das weiße Brautkleid der Lady vor dem roten Holz furchterregend strahlend weiß abhebt.

Zur Beerdigung des alten Boris entwirft Hilsdorf ein in rot schwelgendes Tableau von Figuren in absurder Zeichnung, diese Spezialität des Regisseurs gibt die besondere Würze des Abends. Auch die satirischen Momente der Opern werden von der Regie mit glücklicher Hand voll ausgenutzt. Große Bilder werden immer wieder aufgestellt und dann lebendig weitergeführt. Die anrückende Polizei und die aufgebrachte Volksmenge wird beispielsweise so präsentiert, wenn die Bretterwand den Blick frei gibt. Schlicht und gnadenlos, die Bühne bis auf die Brandmauern freigelegt, wird das letzte Bild durchgeführt.

Besondere Spannung erhalten die Geschehnisse auf der Bühne vor allem durch das intensive Spiel von Jayne Casselman. Die Lady, die sie darstellt, ist von Anfang an ein wenig verrückt aber auch gehetzt von den sie umgebenden und über sie gebietenden Männern. Sie ist auch wahrlich nicht die einzige geschundene Frau, aber sie versucht sich zu wehren in dieser brutalen Männerwelt. Ihre Versuche sind stark und schwach zugleich. Manchmal verhält sie sich sogar sehr gerissen aber oft ist es auch nur eine verzweifelte Suche nach dem Glück, von der sie getrieben wird und bei der sie sich immer weiter in tiefste Schuld verstrickt. Großartig und höchst bewegend gestaltet Casselman die traurige Arie der Lady im ersten Akt: "Das Fohlen läuft zur Stute". Den ganzen Abend zeigt sie ausgezeichnete musikalische Leistung, sie ist fast ununterbrochen auf der Bühne und beweist dort absolute Präsenz. Dicht und überaus spannend wird die Geschichte der Oper erzählt, man sitzt wie gebannt - so fesselnd kann modernes Musiktheater sein.

Das Bonner Publikum zeigte sich übrigens sehr verwirrt über die zum Teil drastische Sprache der Oper und über die Inszenierung, die diesen Charakter des Werkes so eindringlich und konsequent entfaltet. Der Sog der Musik und der Bilder hatte aber die meisten Anwesenden alsbald völlig gepackt, und beim Applaus klatschten sich einige beeindruckte nach einer Weile doch noch warm.


FAZIT:

Eine ausgezeichnete Aufführung in jeder Hinsicht wurde in Bonn erarbeitet. Wer die verpaßt ist selber schuld!








BONN: Lady Macbeth von Mzensk

Boris straft Sergei vor den Augen Katerinas
Alfons Eberz, Jayne Casselman, Franz-Josef Kapellmann



BONN: Lady Macbeth von Mzensk

Katerina und Sergei auf ihrem Hochzeitsfest
Jayne Casselman und Alfons Eberz



BONN: Lady Macbeth von Mzensk

Sonjetka verhöhnt Katerina
Susann Végh und Jayne Casselman



Logo: Oper Bonn








Musikalische Leitung
Wolfgang Ott

Inszenierung
Dietrich Hilsdorf

Bühne
Johannes Leiacker

Kostüme
Johannes Leiacker
Gabriela Oehmchen

Licht
Jürgen Zoch

Choreinstudierung
Sybille Wagner

Dramaturgie
Marie Luise Maintz


Solisten

Boris Timofejewitsch Ismailow
Franz-Josef Kapellmann

Sinowi Borissowitsch Ismailow
Axel Mendrok

Katerina Ismailowa
Jayne Casselman

Sergei
Alfons Eberz

Aksinja
Leandra Overmann

Der Schäbige
Eberhard F. Lorenz

Verwalter
Volker Philippi

Hausknecht
Kamen Todorov

Erster Vorarbeiter
Hans Müller

Zweiter Vorarbeiter
Gernot Klein

Dritter Vorarbeiter
Hans-Georg Buchweitz

Mühlenarbeiter
Algis Lunskis

Kutscher
Emil Raykov

Pope
Hans-Georg Moser

Polizeichef
Pieris Zarmas

Polizist
Kamen Todorov

Lehrer
Georg Zingerle

Betrunkener Gast
Hans Müller

Sergeant
Hartmut Nasdala

Wächter
Guido Scheer

Sonjetka
Susann Végh

Alter Zwangsarbeiter
Michael Eder

Zwangsarbeiterin
Ilse Hirschner



Chor und Extrachor der
Oper der Bundesstadt Bonn
Statisterie der Oper
der Bundesstadt Bonn
Orchester der
Beethovenhalle Bonn




Weitere Aufführungen

Februar '98: 12., 28.,
März 98: 4., 24., 27.,
April 98: 1., 3., 16.,
Mai 98: 14., 30.,
Juni 98: 4.,

Aktuelle Spielplanansage
unter der Tel.Nr.:
0228 / 82 08 125





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