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La Strada

Ein grausames Märchen

Choreographisches Theater von Pavel Mikuláštik
nach Motiven von Federico Fellini
Musik von Trevor Coleman und Johann Sebastian Bach

Premiere am 14. September 1997
im Opernhaus der Stadt Bonn

Von Ruth Schmüdderich



BONN: La Strada Etwas Neues ist mit dem Intendantenwechsel an die Bonner Oper gekommen: das Choreographische Theater.

Mit dem Stück "La Strada: Ein grausames Märchen" stellte sich die Truppe vor. Als Anregung dazu nahm Pavel Mikuláštik den Fellini-Film "La Strada" von 1954.

Inhaltlich hält sich das Stück eng an den Film:
Das Mädchen Gelsomina wird von der Mutter an den groben Zampanò verkauft, der als Akteur im Zirkus auftritt. Mit ihm reist sie dann als seine Assistentin, immer wieder gedemütigt und mißhandelt, durch die Lande.

BONN: La Strada Liebe kann Gelsomina bei ihrem rohen Herren nicht finden, aber eines Tages trifft sie auf "Il Matto", der als glitzernder Engel auf dem Seil tanzt. Bei "Il Matto", der sie sogar vor zudringlichen Seeleuten beschützt, findet sie Zuwendung. Doch dann kommt es zwischen Zampanò und "Il Matto" zum Streit, bei dem Zampanò den Seiltänzer erschlägt.

Am Ende wird die Filmvorlage leicht abgewandelt: Zampanò läßt Gelsomina nicht nur einfach zurück, sondern sie verliert noch über das ganze Geschehen ihren Verstand und stirbt an ihrem Elend. Als Zampanò von ihrem Tod hört, zeigt er endlich Gefühle und weint.

Die Handlung wird als Traum oder Rückblende von Mikuláštik dargestellt, da er Gelsomina anfänglich die Szene im Nachthemd beobachten läßt.

BONN: La Strada Nicht alle Einzelheiten der im Progammheft abgedruckten Handlung lassen sich nachvollziehen. Gerade am Ende ist die Läuterung Zampanòs nicht einfach zu erkennen. Allerdings passiert oftmals so viel auf der Bühne, daß sicherlich ein mehrmaliges Sehen notwendig wäre, um alle Details zu erfassen. Doch die wichtigen Strukturen in der sehr fließenden Handlung lassen sich erkennen.

Keine große Ablenkung von der Handlung bietet das Bühnenbild, das sehr praktikabel gestaltet ist: Es deutet fragmentarisch eine Zirkusmanege an. Doch Lichteffekte beleben die Flächen.

Die Kostüme der Agierenden sind im Kontrast zum Bühenbild sehr verschiedenartig und bunt. Häufiges Wechseln der Kleidung treibt das verwirrend rasante Geschehen auf der Bühne noch an (und bescheren den Gaderobieren hinter den Kulissen sicherlich einen anstrengenden Abend!)

Viele Möglichkeiten, die die Bühne bietet, wurden für die Choreographie genutzt. Einmal krabbeln Leute aus einem Koffer, der auf dem Boden steht, ein Effekt, bei dem natürlich die Unterbühne genutzt wird. Ein andermal fliegt der weißgekleidete Seiltänzer an einem unsichtbaren Seil über die Bühne, wobei er von Schwarzlicht angestrahlt wird. Nach der Pause wird sogar die Drehbühne in Aktion gesetzt.

BONN: La Strada Die Musik ist rhythmisch sehr markant, und da sie für das Stück geschrieben ist, stehen Musik und Tanz häufig in enger Verbindung. Oft sind einzelne Bewegungen und Töne genau aufeinander abgestimmt. Die enge Verbindung wird noch durch die Tatsache unterstrichen, daß die Band ins Bühnenbild integriert ist.

Einige besonders witzige Einfälle der Choreographie bleiben im Gedächnis. So zum Beispiel der Rollschuhlaufer, der über die Bühne rollt indem er einen Winddrachen vor sich hält und anpustet.

Zu dem allgemein positiven Eindruck, den das gut dargebotene Stück hinterließ, trugen besonders die hochmotivierten Tänzer bei. Rafaële Giovanola ist ideal in der Rolle der kindlich-naiven Gelsomina, sie erinnert an Giulietta Masina, die diese Rolle im Film gespielt hat. Sie überzeugt neben der guten tänzerischen auch durch ihre schauspielerischen Leistung.

In der Rolle des Zampanò sieht man Jiri Sova, der ihn eher pervers als roh und gewalttätig darstellt. Sova erstaunt durch sein akrobatisches und tänzerisches Können, sowie durch sein Spiel auf der Trompete.

Marcelo de Melo fällt duch sein besonderes Gefühl für Rhythmus auf, so absolvierte er die Chorerographie mit besonderer Intensität und dazu noch mit einem strahlenden Lächeln.

Mit Bravo-Rufen und langem Applaus, der in Standing-Ovations mündete nahm das Publikum die Premiere begeistert auf. Ein gelungener Abend mit viele einfallsreichen und unterhaltsamen Ideen wurde so gefeiert.


FAZIT:

Ein verheißungsvoller Einstand!

Logo: Choreographisches Theater Bonn

Bühne
Birgit Eder

Kostüme
Sabine Schnetz

Licht
Jürgen Zoch

Dramaturgie
Rainald Endraß


Solisten

Gelsomina
Rafaële Giovanola

Zampano
Jiri Sova

Die Zottel
Sirpa Arvola
Petr Stopka
Marcelo de Melo

Il Matto
Karel Vanek

Die Musiker
Roman Beilharz
Trevor Coleman
Felix Petry





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