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Madama Butterfly


Oper in drei Akten
Text nach David Belasco
von Luigi Illica und Giuseppe Giacosa
Musik von Giacomo Puccini

(in italienischer Sprache)

Premiere am Theater Aachen
am 2. Mai 1998

rezensierte Aufführung: 2. Vorstellung am 7.Mai 1998

Von Heike Schumacher / Fotos von Ludwig Koerfer




Der musikalische Triumph der Xiu Wei Sun

Unter der Regie von Elmar Ottenthal präsentierte das Theater Aachen die Ergebnisse der Zusammenarbeit mit dem Augsburger Theater. Der in Augsburg beheimatete Bühnen- und Kostümbildner Wolfgang Buchner schuf das Dekor:

Ein Bühnenraum, umschlossen von drei riesigen Wänden. Zwei Portale- ein amerikanisch anmutendes auf der linken Seite und ein japanisches, mit verschiebbaren Wänden auf der rechten Seite. Von oben ebenfalls Wände nur nach hinten öffnet sich ein verschiedenfarbig ausgeleuchtetes Quadrat, unten begrenzt durch die Konturen schroffer Felsen.

Foto: Aachen/Madame Butterfly Foto 1:
Opernchor, Robert Woroniecki (Pinkerton), Sun Xiu Wei (Cio-Cio-San) und im Hintergrund Andreas Jost (Goro)

Von allen Seiten ist die Butterfly bereits eingeschlossen. Und wenn ihr Schicksal besiegelt ist, senkt sich auch noch der Theaterhimmel, bestehend aus langen, gerafften Stoffbahnen. Auch der Boden tut sich unter ihr auf, verloren im Raum ist die junge Butterfly. Alles im nüchternen Weiß, unterbrochen nur durch Lichtprojektionen passend zur Psychologie der Butterfly.

Vor dieser abstrakten Strenge heben sich die original-japanischen Kostüme um so deutlicher ab. Zusammen mit der Personenführung Ottenthals, der eine trippelnde, ewig lächelnde Dienerschar, puppenhaftes, ritualisiertes Gehabe, und eckige Bewegungen bei allen japanischen Personen zeigt, erscheint ein befremdendes, exotisches Marionettentheater.

Foto: Aachen/Madame Butterfly Foto 2:
Sun Xiu Wei (Cio-Cio-San) und Robert Woroniecki (Pinkerton)

Man ertappt sich dabei, dies alles als ebenso fremdländisch zu sehen und beklommen mit Nichtverstehen zu reagieren. Somit nimmt der Zuschauer zu Beginn mit Pinkerton und Sharpless den Part der nichtverstehenden Europäer ein.

Diese beiden sind sich im ersten Akt sehr einig, sie schütteln die Köpfe über die japanischen Gebräuche und halten zuammen, wenn es darum geht, diese über den Tisch zu ziehen.

Foto: Aachen/Madame Butterfly Foto 3:
Gisella Pasino (Suzuki), Sun Xiu Wei (Cio-Cio-San), Claudio Otelli (Sharpless) und Maria Kettunen (Kate Pinkerton)

Auch im zweiten Akt, in dem der Konsul Sharpless eigentlich die mitfühlende, mahnende Seele ist, wird dieser zynische Grundakzent beibehalten. Dadurch ist von Anfang an Butterfly von allen Seiten verraten und verkauft. Auch der Heiratskandidat, der edle Yamadori ist bei Ottenthal ein despotischer Greis, der Butterfly erschauern läßt.

Man versteht, daß Butterfly gerne zusammen mit ihrer amerikanischen Ehe alles hinter sich gelassen hätte, wenn sie nur ernst genommen worden wäre.

Und so ist der Selbstmord der Butterfly am Schluß nicht nur eine Tat aus enttäuschter Liebe und verlorener Ehre, sondern die Befreiungstat für ihr Kind. Es soll frei nach Amerika gehen können und Teil der neuen Welt werden, ohne den Beigeschmack zu haben, nur Kind einer Liaison mit exotichem Reiz gewesen zu sein. Dadurch bekommt die Butterfly-Figur in dieser Inszenierung ihre tragische Größe.

Foto: Aachen/Madame Butterfly Foto 4:
Sun Xiu Wei (Cio-Cio-San)

Durch die chinesische Sängerin Xiu Wie Sun wurde dieser Opernabend zu einem einmaligen Erlebnis. Sie sang und spielte aus tiefster Seele, zeigte eine Ausdruckskraft, die alle Beteiligten mühelos überstrahlte. Ihr Sopran ist sowohl weich und biegsam, als auch klar strahlend, mit einem Volumen, das bis in die hintersten Ecken des Theaters klingt. Und selbst im pianissimo fesselt sie auch die letzten Zuhörer. Ein Triumph für die Sängerin, die diese Partie bereits in der letzten Spielzeit mit ähnlichem Erfolg in Bonn sang.

Auch in Aachen gilt wie für Bonn, daß es der Pinkerton-Sänger an ihrer Seite schwer hat, mit dieser Perfektion mitzuhalten. In den oberen Lagen zeigte Robert Woroniecki einige Schwächen, war aber im Spiel und in der Ausdrucksfähigkeit angemessen.

Herausragend zeigte sich Claudio Otelli als Konsul Sharpless, eine elegante und zynische Erscheinung, die stimmlich allen Herausforderungen gewachsen war.

Suzuki, die Dienerin, war mit Gisella Pasino angemessen besetzt und Andreas Joost als schmieriger Heiratsvermittler Goro rundete das Bild ab. Aber erst die Leistung der Xiu-Wie-Sun hob diese Operninszenierung aus dem Mittelmaß heraus.

Was Aachen als bestes zu bieten hat, das zeigte wieder einmal das Orchester. Mit seinem Meister am Pult, Elio Boncompagni, gelang eine Dichte des Klanges, die die konzertanten Teile der Oper zum eigenen Erlebnis werden ließ.
So zum Beispiel der Übergang von zweiten zum dritten Akt, in dem die Wartezeit der Butterfly vom Abend über die Nacht bis zum nächsten Sonnenaufgang musikalisch gestaltet wird.

Im Zusammenspiel mit den Sängern entsteht Exzellentes, sicher geleitet der GMD das Ensemble durch alle Dramatik dieser Puccini-Oper. Auch der Chor ist wie immer bestens präsent und spielfreudig.

Ein Abend, der noch lange im Gedächtnis nachschwingt.


FAZIT:

Empfehlenswert, besonders in der Besetzung mit Xiu-Wie Sun als Butterfly

Logo: Theater Aachen

Musikalische Leitung
Elio Boncompagni

Inszenierung
Elmar Ottenthal

Bühnenbild und Kostüme
Wolfgang Buchner

Choreinstudierung
Norbert Hebel

Dramaturgie
Astrid Sadrieh


Solisten

Cio-Cio-San, genannt Butterfly
Xiu Wei Sun

Suzuki, Cio-Cio-Sans Dienerin
Gisella Pasino

Benjamin Franklin Pinkerton
Robert Woroniecki

Kate Pinkerton, seine spätere Frau
Maria Kettunen

Sharpless, Konsul der USA in Nagasaki
Claudio Otelli

Goro, Nakodo
Andreas Joost

Fürst Yamadori
Willy Schell

Onkel Bonzo
Götz Seiz

Yakusidé
Johannes Piorek

Der kaiserliche Kommissar
Jenö Hodi

Der Standesbeamte
Manfred Reiner

Mutter Cio-Cio-Sans
Lynn Borok-Melton

Die Base
Monika Kettenis

Die Tante
Rebecca Or

Das Kind
Dolores Gásparovic


Opernchor des
Theaters Aachen

Extrachor des
Theaters Aachen

Sinfonie Orchester Aachen





Weitere Aufführungen

Mai '98: 7., 8., 10., 16., 17., 20.,
22., 26., 28., 30., 31.
Juni '98: 3., 5., 6.





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