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Cityring Konzerte
01.09.2017 - 03.09.2017

Nessun dorma

Sommernacht der Oper mit Musik von
Carl Maria von Weber, Antonin Dvorák, Giuseppe Verdi, Otto Nicolai,
Camille Saint-Saëns, Richard Wagner, Vincenzo Bellini und Giacomo Puccini

Aufführungsdauer: ca. 2h 50' (eine Pause)

Aufführung am Freitag, 1. September 2017, 20.00 Uhr
Friedensplatz Dortmund

 



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Arien der Nacht auf dem Friedensplatz

Von Thomas Molke / Fotos: © Stefan Schütze (Cityring Konzerte)

Dirk Rutenhofer, der Initiator der Cityring Konzerte  hat Wort gehalten. Aufgrund des großen Erfolgs im letzten Jahr gibt es erneut an einem ganzen Wochenende zum Ende der Sommerpause der Theater in NRW in insgesamt drei Konzerten ein abwechslungsreiches Programm für Opernliebhaber, Clubgänger und Musicalfreunde. Zu verdanken ist dies zum einen zahlungskräftigen Sponsoren, die sich von dem am 28. Mai 2014 entstandenen Plan, den Friedensplatz neben dem Rathaus mit "Platzkonzerten" zu beleben, überzeugen ließen, diese Veranstaltungen mit nicht unbeträchtlichen Summen zu unterstützen. Zum anderen ist dies aber auch der Verdienst der Dortmunder Philharmoniker, die unter der Leitung ihres GMD Gabriel Feltz beabsichtigen, als "Orchester der Stadt" diese Veranstaltungen als festen Bestandteil ihres jährlichen Konzertprogramms zu pflegen, und dabei bekommen sie natürlich auch noch Unterstützung vom Opernchor und Solisten des Theaters Dortmund. Zwar waren die Temperaturen in diesem Jahr nicht so sommerlich warm wie im letzten Jahr, aber das hielt das Publikum dennoch nicht davon ab, zahlreich zu dieser Auftaktveranstaltung zu erscheinen. Und Rutenhofer gab an, dass man auf alles vorbereitet sei und auch für alle Besucher notfalls Regencapes besorgt habe. Die wurden allerdings nicht benötigt, denn es blieb bei relativ kühlen 15 Grad trocken.

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Wolfsschluchtszene aus Webers Der Freischütz: von links: Thomas Paul als Max, Karl-Heinz Lehner als Caspar und Gabriel Feltz am Pult der Dortmunder Philharmoniker, hinten rechts: Opernchor

Nach einer Begrüßung durch Rutenhofer und den Dortmunder Oberbürgermeister Ullrich Sierau führt Generalmusikdirektor Gabriel Feltz mit seiner gewohnt leidenschaftlichen Art durch den Abend, der mit dem diesjährigen Titel Nessun dorma die Sommernacht als Opernnacht mit Stücken feiert, die um das Thema Nacht kreisen. Der erste Teil bis zur Pause wird dabei von Carl Maria von Webers Der Freischütz eingerahmt. Bei der Ouvertüre muss man sich noch ein wenig an das durch Mikrofone verstärkte Orchester gewöhnen. Da knackt es an der einen oder anderen Stelle bei der Übertragung. Gerade die leiseren Stellen werden auch von störenden Geräuschen auf und um den Platz beeinträchtigt. Aber das hindert Feltz nicht daran, mit vollem Pathos in die romantischen Tiefen der Wolfsschlucht einzutauchen. Wenn dann am Ende des ersten Teil des Abends die Wolfsschluchtszene erklingt, ist die Nacht auf dem Platz bereits hereingebrochen, und die Szene wird mit leichtem Gruselfaktor umgesetzt. Hannes Brock steht als Samiel im Publikum und wird von einem roten Scheinwerfer dämonisch angestrahlt, während Karl-Heinz Lehner als Caspar verzweifelt versucht, seinen Hals zu retten und Thomas Paul als unbedarften Max dem Teufel ans Messer zu liefern. Beeindruckend gelingt die musikalische Umsetzung des Gießens der Kugeln. Lehner überzeugt als Caspar mit dunklem Bass, und Paul stattet den Max mit strahlendem Tenor aus.

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Ileana Mateescu: "Mon cœur s'ouvre à ta voix", Arie der Dalila aus Samson et Dalila

Der Teil zwischen den beiden Freischütz-Szenen gehört überwiegend den Damen des Opernensembles. Emily Newton interpretiert das "Lied an den Mond" aus Antonin Dvoráks Rusalka und begeistert mit warmem Sopran. Ashley Thouret präsentiert im Anschluss die berühmte Arie der Gilda aus Verdis Rigoletto. Mit glasklaren Höhen und mädchenhafter Ausstrahlung betont sie die Naivität der jungen Frau, die auf das Werben des untreuen Herzog hereinfällt, und lässt erahnen, dass sie an dieser Liebe zerbrechen wird. Während sie noch von ihrem Geliebten träumt, nahen bereits die Gefährten des Herzogs, um das Mädchen zu entführen, was von den Herren des Opernchors mit unterschwelliger Bedrohlichkeit umgesetzt wird. Ein weiterer Höhepunkt vor der Pause ist die berühmte Arie der Dalila "Mon cœur s'ouvre à ta voix", die von Ileana Mateescu mit warm-timbriertem Mezzo verführerisch umgesetzt wird. Da lässt es sich gut nachvollziehen, dass sich Samson von diesem zarten Gesang Dalilas einlullen lässt. Das Sirren der Geigen, die als Vorboten für Samsons Untergang fungieren, wird von Feltz mit den Dortmunder Philharmonikern präzise herausgearbeitet, auch wenn durch die Mikrofonverstärkung ein bisschen von der Bedrohlichkeit verloren geht, die man bei diesem Stück in einem Konzertsaal oder Opernhaus erlebt. Auf die Einwürfe Samsons wird bei der Präsentation dieser Arie verzichtet.

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Eleonore Marguerre mit "Casta diva" aus Bellinis Norma

Nach der Pause geht es dann mit Richard Wagners Tannhäuser weiter. Zunächst spielen die Dortmunder Philharmoniker bei der Ouvertüre fulminant auf, bevor Sangmin Lee die berühmte Arie des Wolfram "O du mein holder Abendstern" interpretiert. Lee punktet mit dunklem Bariton und sauberer Diktion. Äußerst glaubhaft gestaltet Lee, der in seinem Repertoire in Dortmund sonst eher auf die Bösewichter spezialisiert ist, die Leiden des Minnesängers, wenn er dessen unerfüllte Liebe zu Elisabeth besingt. Natürlich darf auch Publikumsliebling Eleonore Marguerre an diesem Abend nicht fehlen. Eindringlich interpretiert sie die berühmte Arie "Casta diva" aus Vincenzo Bellinis Norma und begeistert mit strahlenden Höhen und sauberen Koloraturen. Die folgende Cabaletta wird von den Trompeten eingeleitet, die zu diesem Zweck auf dem Balkon des Rathauses positioniert sind und damit einen Rundumklang erzeugen. In diesem Fall funktioniert das Zusammenspiel sehr gut, aber bei dem Beginn des ersten Aktes aus Puccinis Turandot gibt es leichte Abstimmungsschwierigkeiten bei den Tempi zwischen den Musikern auf dem Balkon, dem Orchester auf der Bühne und dem Opernchor, und so findet man in diesem Stück nicht wirklich zusammen.

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Finale mit der Schlussfuge "Tutto nel mondo è burla" aus Verdis Falstaff: von links: Emily Newton, Ashley Thouret, Ileana Mateescu, Eleonore Marguerre, Karl-Heinz Lehner und Gabriel Feltz am Pult der Dortmunder Philharmoniker

Mit weiteren Auszügen aus Puccini-Opern hat Thomas Paul als neues Ensemble-Mitglied der Dortmunder Oper einen fulminanten Einstand. Bei der berühmten Arie des Cavaradossi "E lucevan le stelle" aus Tosca, in der sich der Maler kurz vor seiner Hinrichtung an sein kurzes Liebesglück mit der Sängerin Tosca erinnert, begeistert Paul mit tenoralem Glanz und gestaltet die Höhen sauber und ohne Forcierung. Beim "Nessun dorma" aus Turandot gelingt ihm sogar noch eine Steigerung. Wenn er am Ende "vinceró" schmettert, ist das Publikum nicht mehr zu halten und applaudiert jubelnd in den Orchesterschluss hinein. Anschließend gibt es für Paul dann auch noch stehende Ovationen vom Publikum. Dabei hätte Feltz diese berühmte Arie beinahe übersprungen und kündigte bereits das Finale des Abends an, bis er dann vom Orchester und Paul darauf hingewiesen wurde, dass erst noch die Arie des Kalaf kommen müsse. Aber diesen kleinen Fauxpax sieht man Feltz an diesem Abend gerne nach. Wie im vergangenen Jahr gibt es zum Abschluss die Schlussfuge "Tutto nel mondo è burla" aus Verdis Falstaff, bei der noch einmal alle Solisten auftreten. Feltz will diesen Abschluss des Konzertes zur Tradition für die kommenden Jahre machen.

Als Zugaben folgen dann noch das Blumenduett aus Léo Delibes' Lakmé, das von Marguerre und Mateescu eindringlich und mit wunderbar harmonierenden Stimmen interpretiert wird, und das berühmte Brindisi aus Verdis La traviata. In diesem Jahr gibt es allerdings keine Knicklichter für die Zuschauer. Stattdessen schwingt das Publikum mit zahlreichen Handylichtern begeistert mit.

FAZIT

Auch wenn der Abend weit von einer lauen Sommernacht entfernt ist, heizt Gabriel Feltz mit den Dortmunder Philharmonikern, dem großartigen Opernensemble und dem Chor dem Publikum gehörig ein, so dass man große Lust auf weitere Begegnungen im Opern- und Konzerthaus bekommt.

Programm des Konzertes

Carl Maria von Weber: Ouvertüre zu Der Freischütz

Antonin Dvorák: "Lied an den Mond" aus Rusalka (Emily Newton)

Giuseppe Verdi: "Gualtier Maldé - Caro nome..." aus Rigoletto (Ashley Thouret)

Otto Nicolai: Mondchor aus Die lustigen Weiber von Windsor (Opernchor)

Camille Saint-Saëns: "Mon cœur s'ouvre à ta voix aus Samson et Dalila (Ileana Mateescu)

Carl Maria von Weber: Wolfsschluchtszene aus Der Freischütz (Thomas Paul, Karl-Heinz Lehner, Hannes Brock, Opernchor)

Richard Wagner: Ouvertüre zu Tannhäuser

Richard Wagner: "O du mein holder Abendstern" aus  Tannhäuser (Sangmin Lee)

Vincenzo Bellini: "Casta diva" aus Norma (Eleonore Marguerre, Opernchor)

Giacomo Puccini: "E lucevan le stelle" aus Tosca (Thomas Paul)

Giacomo Puccini: Anfang 1. Akt aus Turandot (Ashley Thouret, Sangmin Lee, Thomas Paul, Karl-Heinz Lehner, Opernchor)

Giacomo Puccini: "Nessun dorma" aus Turandot (Thomas Paul, Opernchor)

Giuseppe Verdi: Schlusschor "Tutto nel mondo è burla" aus Falstaff (Karl-Heinz Lehner, Eleonore Marguerre, Emily Newton, Ashley Thouret, Ileana Mateescu, Sangmin Lee, Thomas Paul, Opernchor)


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Gabriel Feltz

Choreinstudierung
Manuel Pujol

Dortmunder Philharmoniker

Opernchor des Theaters Dortmund

 

Solisten

Eleonore Marguerre
Emily Newton
Ashley Thouret
Ileana Mateescu
Thomas Paul
Karl-Heinz Lehner
Sangmin Lee
Hannes Brock


Weitere Informationen
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