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BOSY Symphonie 4
Das Mahler Projekt - Letzte Lieder

Musik von Richard Strauss und Gustav Mahler

Aufführungsdauer: ca. 2h 25' (eine Pause)

Donnerstag, 08.03.2018, 20.00 Uhr
Großer Saal, Anneliese Brost Musikforum Ruhr



Bochumer Symphoniker
(Homepage)

Alterswerke des Abschieds

Von Thomas Molke

Zu Gustav Mahler haben die Bochumer Symphoniker eine ganz besondere Affinität. So haben sie nicht nur ihre neue Spielstätte, das Anneliese Brost Musikforum Ruhr, in der letzten Spielzeit mit Mahlers 1. Symphonie, Titan, eingeweiht, sondern begeben sich in einem mehrjährigen Mahler Projekt mit neuen Ansätzen auf die Reise durch den musikalischen Kosmos eines Komponisten, dessen Werk eigentlich erst in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts durch Leonard Bernstein eine Neubewertung erfahren und seitdem einen wachsenden Stellenwert im Konzertrepertoire eingenommen hat. Für das 4. Symphoniekonzert hat Generalmusikdirektor Steven Sloane nun Mahlers letzte vollendete Symphonie ausgewählt, die zwar als Symphonie Nr. 9 bezeichnet wird, eigentlich jedoch bereits seine 10. Symphonie darstellt. Das 1911 ein Jahr zuvor uraufgeführte Lied von der Erde wird zwar nicht Symphonie genannt, würde in der Struktur diesen Titel jedoch durchaus verdienen. Verbunden wird dieses an sich schon abendfüllende Monumentalwerk mit den vier letzten Liedern von Richard Strauss, die an diesem Abend genauso wie Mahlers 9. für eine CD-Aufnahme aufgezeichnet werden.

Wie der Name bereits verrät, komponierte Strauss diese Lieder am Ende seiner Karriere, auch wenn der Titel in mehrfacher Hinsicht nicht ganz korrekt ist. Zum einen komponierte Strauss im Anschluss noch das Lied "Malven" auf einen Text der schweizerischen Schriftstellerin und Frauenrechtlerin Betty Wehrli-Knobel. Zum anderen konzipierte Strauss die vier Lieder weder in der Reihenfolge, in der sie heute in der Regel vorgetragen werden, noch unter dem Titel, unter dem sie Ernst Roth, der Leiter des Notenverlags Boosey & Hawkes, erst nach Strauss' Tod zusammenfasste. Dennoch verbindet alle vier Stücke eine tiefe Melancholie, die Strauss' Resignation nach dem Krieg spürbar macht. Zu Grunde liegen drei Texte von Hermann Hesse und ein Gedicht von Joseph Eichendorff, wobei Strauss jedes Lied einem anderen Vertrauten widmete. In Bochum hat man die renommierte Sopranistin Marlis Petersen verpflichten können, diese vier anspruchsvollen Lieder zu interpretieren.

Petersen begeistert bei den Liedern mit einer klaren Diktion, so dass der Text auch in den Höhen sehr gut verständlich bleibt. Dabei schwingt sie sich ohne Probleme von einer weichen, samtigen Mittellage in exorbitante Höhen empor und bleibt dabei in der Stimmführung absolut klar. Fraglich ist nur, ob die leisen Töne zu Beginn überall im Saal ankommen. Das Publikum hinter dem Orchester auf der Empore mag da eventuell das Nachsehen haben. Das erste Lied, "Frühling", schrieb Strauss aus Freundschaft zu seinem Biographen Willi Schuh und seiner Gattin. Mit großem Gespür für die Details arbeitet Sloane mit den Bochumer Symphonikern die üppige Klangfarbe des Werkes heraus und verschmilzt mit Petersens bewegender Interpretation zu einem wunderbaren Gesamtbild. Es folgt der "September", den Strauss für die Sopranistin Maria Jeritza komponierte, die in den Uraufführungen die Titelrollen in Ariadne auf Naxos und Die Frau ohne Schatten interpretierte. Petersen begeistert hier mit sich aufbäumenden Höhen im Mittelteil, bis das Lied relativ leise und ruhig endet. Auch in den beiden weiteren Liedern überzeugt sie mit großer Souveränität und eindringlicher Gestaltung. Es mag verwundern, dass Hermann Hesse selbst von der Vertonung seiner Texte nicht begeistert gewesen sein soll.

Nach der Pause geht es dann mit Mahlers 9. Symphonie weiter, die gewissermaßen die Brücke zur Neuen Musik geschlagen hat. Viele motivische Elemente fallen hierbei zunächst auseinander, um dabei eine neue Einheit zu formen. Wie in Strauss' Liedern lässt sich eine gewisse Resignation des Komponisten aus diesem Werk heraushören, und auch hier wird der Abschied vom Leben bereits angedeutet. Der erste Satz, Andante comodo, entwickelt sich aus kurzen Intervallgebilden von Harfe und Horn und geht über in ein sich melodisch aufschwingendes Gebilde der Violinen, die aber zu keinem Ziel führen. Immer wieder wird man aus der Struktur herausgerissen. Gewaltige Steigerungen laufen nicht auf einen Höhepunkt zu, sondern zerlegen sich wieder selbst. Sloane arbeitet mit den Bochumer Symphonikern dieses Wechselbad der Gefühle akribisch heraus. Ein bisschen Entspannung bietet der zweite Satz, Im Tempo eines gemächlichen Ländlers. Aber das Scherzo-Schema dieses Satzes ist ebenfalls eine Täuschung. So stimmen Fagott und Bratsche den ausgelassenen Tanz des Ländlers an, werden aber sofort von den Klarinetten übertönt. Tänzerische Freude sieht anders aus, so dass dieser Satz eher an eine Karikatur eines Scherzos erinnert.

Laut wird es dann im dritten Satz, Rondo - Burleske. Hier geben die Trompeten den Ton an, die von den Streichern im gewaltigen Einklang zur Wacht gerufen werden. Die Holzbläser versuchen nun ebenfalls, in einen Marsch-Rhythmus zu verfallen, doch der Versuch wird musikalisch zum Scheitern verurteilt. Nichts wirkt hier mehr heiter, sondern beinahe schon brutal, was die Bochumer Symphoniker schonungslos, dabei aber großartig herausarbeiten. Im vierten Satz, Adagio, kommt es dann zu einer Art Stillstand. Unwiederbringlich scheint im Klagen der Violinen der ehemalige romantisch-symphonische Idealismus, der einer verzweifelten Hoffnungslosigkeit weicht. Am Ende bleibt nur einsam ein langsam ersterbender Doppelschlag übrig. Eine Bratschen-Triole ist das Schlusswort. Sloane benötigt im Anschluss einige Zeit, bis seine Anspannung nachlässt und er den großen Jubel des Publikums mit einem zufriedenen Lächeln entgegennehmen kann.

FAZIT

Mahlers 9. Symphonie ist eine Herausforderung, sowohl für das Orchester als auch für das Publikum. Die Strauss-Lieder hingegen sind ein bisschen gefälliger.



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Ausführende

Marlis Petersen, Sopran

Bochumer Symphoniker

Steven Sloane, Dirigent

 


Werke

Richard Strauss
Vier letzte Lieder
1. Frühling (Text: Hermann Hesse)
2. September (Text: Hermann Hesse)
3. Beim Schlafengehen
(Text: Hermann Hesse)
4. Im Abendrot
(Text: Joseph von Eichendorff)

Gustav Mahler
Symphonie Nr. 9
1. Andante comodo
2. Im Tempo eines gemächlichen Ländlers
3. Rondo - Burleske
4. Adagio.
Sehr langsam und noch zurückhaltend


Weitere Informationen
erhalten Sie von den

Bochumer Symphonikern
(Homepage)



Da capo al Fine

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