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10. Philharmonisches Konzert
liebes_rausch


Werke von Rodion Schtschedrin, Wolfgang Amadeus Mozart, Ottorino Respighi und Maurice Ravel

Aufführungsdauer: ca. 2h 30' (eine Pause)

Aufführung am 5. Juli 2016, 20.00 Uhr
Großer Saal im Konzerthaus Dortmund

 

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Konzertante Ballettmusik voller Leidenschaft

Von Thomas Molke

Für das letzte Philharmonische Konzert der Spielzeit hat Generalmusikdirektor Gabriel Feltz unter dem Titel liebes_rausch ein Programm zusammengestellt, welches das Publikum einen Rausch der Sinne erleben lässt. Dabei verknüpft Feltz absolute Gassenhauer des Konzertrepertoires mit völlig Unbekanntem auf der einen Seite und Bekanntem im neuen Gewand auf der anderen Seite. Dabei sind beide Teile des Abends nahezu parallel aufgebaut. Zunächst gibt es jeweils eine Ballett-Suite, der dann ein bekanntes Werk folgt.

Den Anfang macht die Carmen Suite, die der russische Komponist Rodion Schtschedrin 1967 während seiner Zeit als Professor am Moskauer Konservatorium komponierte. Auslöser für diese Komposition war Schtschedrins Gattin Maja Plissezkaja, die als Ballerina den Wunsch hegte, die verführerische Figur der Carmen auf der Bühne zu verkörpern. Nachdem sie sich zuerst an Schostakowitsch und Chatschaturjan wegen einer Vertonung gewandt hatte und beide Komponisten abgelehnt hatten, erfüllte schließlich Schtschedrin seiner Gattin ihren Traum und löste mit seiner recht freien Bearbeitung von Bizets Vorlage am Moskauer Bolschoi-Theater einen regelrechten Skandal aus, dem aber dennoch bis 1990 350 Aufführungen mit Plizzezkaja als Carmen folgten. Auch dem Dortmunder Ballettpublikum dürfte dieses Werk gar nicht so unbekannt sein, da Peter Breuer in seiner Carmen-Suite 2004 und Cayetano Soto in seinem Handlungsballett Carmen 2009 diese Musik bereits verwendeten. Schtschedrin bearbeitet in seiner Komposition verschiedene Themen aus Bizets Oper für Streicher und Schlagzeug, wobei die Palette von Vibraphon über Kuhglocken bis hin zu Pauken reicht, und ordnet sie in nicht chronologischer Reihenfolge an. Dabei bleibt die Vorlage zu jeder Zeit erkennbar, auch wenn das gesamte Konstrukt ganz anders als bei Bizet klingt.

Die berühmte Habanera der Carmen bildet dabei eine Klammer um das ganze Stück. Schon in der Introduktion klingt sie mit einigen Tönen an, bevor sie dann bei Carmens Auftritt im 5. Satz ausgeschmückt wird. Auch im Finale nach dem Mord an Carmen ist das Motiv beim Largo zu hören. In der Mitte erlebt man Carmen zwischen Don Jose und dem Torero Escamillo. Beeindruckend gelingt Escamillos Auftritt im 9. Satz. Hier gibt das Schlagzeug nur den Rhythmus vor, wobei auf die Melodieführung verzichtet wird. Auch wenn Feltz das Publikum in der Einführung vor dem Konzert auffordert, doch selbst die berühmte Melodie des Toreros mitzupfeifen, nimmt das Publikum von diesem Vorschlag Abstand und wartet dann doch lieber ab, bis die Streicher selbst die Melodie aufnehmen. Den Streichern gelingt es unter der Leitung von Feltz, die dramatischen Momente der Musik differenziert herauszuarbeiten, während die Schlagzeuger zwischen verschiedenen Instrumenten ständig wechseln müssen und dabei große Flexibilität beweisen. Besonders im Ohr bleibt das Allegro im finalen Satz, das Carmens Tod einleitet.

Nach dieser beeindruckenden Ballettmusik folgt Mozarts wohl bekanntestes Klavierkonzert C-Dur KV 467, von dem sich vor allem der 2. Satz, das Andante (alle breve), im Repertoire jedes namhaften Pianisten befinden dürfte. In Dortmund hat man für dieses Konzert die junge Pianisten Danae Dörken eingeladen. Mit großem Pathos hebt es sie bei Feltz' Dirigat beinahe vom Sitz. Anschließend lässt sie ihre Finger mit scheinbar spielerischer Leichtigkeit über die Tasten schweben. Den zweiten Satz interpretiert Dörken dann mit einer Melancholie in einer Schönheit, die nachvollziehbar macht, warum gerade dieser Satz aus den Klassik-Charts kaum wegzudenken ist. Nach einem bewegenden Allegro vivace assai verabschiedet sich Dörken vom Publikum mit einem Klavierstück von Johannes Brahms.

Nach der Pause gibt es eine Ballett-Suite von Ottorino Respighi, der in Deutschland vor allem durch seine sinfonische Dichtung Pini di Roma bekannt ist. Feltz selbst hat das Ballett vor vier Jahren in Stuttgart mit rund 600 Mitwirkenden zur deutschen Erstaufführung gebracht. Die Geschichte handelt von Belkis, der Königin von Saba, die eine lange Reise unternimmt, um den biblischen König Salomon aufzusuchen und ihn zu heiraten. Respighi wollte diese Erzählung ursprünglich in zwei Suiten zusammenstellen, verstarb aber 1936, so dass er die zweite Suite nicht mehr vollenden konnte. Die erste Suite besteht aus vier Sätzen, die eine große Orchesterbesetzung erfordern. So sitzen die Bläser nicht nur auf der Bühne, sondern auch im zweiten Rang hinter dem Publikum. "Der Traum des Salomon" erinnert dabei in seiner musikalischen Opulenz und Fülle an die Untermalung von zahlreichen Sandalenfilmen der 60er Jahre. Da sieht man monumentale Kulissen vor dem geistigen Auge vorüberziehen, während Feltz mit dem Orchester in vollem Klang schwelgt. Feltz dirigiert diesen Teil auch ohne Pult. Beim "Tanz der Morgenröte" zeigt sich Respighi als Kenner orientalischer Klänge und lässt die Holzbläser in einem komplizierten 9/8-Takt von der Anreise der schönen Königin verkünden. Der "Tanz der Krieger" klingt dann wieder wie opulente Filmmusik der 60er Jahre, bevor ein orgiastischer Tanz das Stück zu einem fulminanten Ende bringt, das dann bereits auf den folgenden Bolero hinweist.

Hierbei gelingt den Dortmunder Philharmonikern und Feltz sogar noch eine Steigerung. Der Trommler leistet Unglaubliches, wenn er den trommelnden Rhythmus gewissermaßen aus dem Nichts ganz langsam anschwellen lässt, während einzelne Bläser des Orchesters das musikalische Thema aufgreifen. Die Philharmoniker treiben das Publikum dabei in einen Rausch der Sinne, der im Verlauf des Stückes immer heftiger wird, bis er schließlich nahezu disharmonisch explodiert. So werden Feltz und das Orchester am Ende mit frenetischem Applaus gefeiert.

FAZIT

Gabriel Feltz und die Dortmunder Philharmoniker entlassen das Publikum mit einem regelrechten Knall in die Sommerpause und machen jetzt schon Lust auf die neue Saison.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Gabriel Feltz

Dortmunder Philharmoniker

Danae Dörken, Klavier

Min Lee, Gesang

 

Werke

Rodion Schtschedrin
Carmen Suite
I. Introduktion: Andante assai
II. Tanz: Allegro
III. Erstes Intermezzo: Allegro moderato -
Andante moderato
IV: Wachablösung: Moderato (1 - 4 attacca)
V. Carmens Auftritt und Habanera:
Allegro moderato - Sostenuto
VI. Szene: Allegro moderato - Tempo
precedente _ Andante assai ( 5 - 6 attacca)
VII. Zweites Intermezzo: Larghetto
VIII. Bolero: Allegro vivo
IX. Torero: Moderato con stoltezza
(7 - 9 attacca)
X. Adagio: Andante moderato - Adagio -
Animato ma non troppo
XI. Prophezeiung: Andantino - Andante assai
XII. Finale: Allegro - Tempo precedente
Largo

Wolfgang Amadeus Mozart
Klavierkonzert C-Dur KV 467
I. Allegro
II. Andante (alle breve)
III. Allegro vivace assai

Ottorino Respighi
Belkis, Regina di Saba, Suite Nr. 1
I. Der Traum des Salomon
II. Tanz der Morgenröte
III. Tanz der Krieger
IV. Orgiastischer Tanz

Maurice Ravel
Bolero


Weitere Informationen
erhalten Sie vom
Theater Dortmund
(Homepage)



Da capo al Fine

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