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Mittler zwischen Auge
und Ohr
Von Thomas Molke Im Großen Haus des Musiktheaters hatte man zu diesem Zweck hinter dem auf der Bühne platzierten Orchester eine riesige Leinwand herabgelassen, auf der man diesen stilbildenden Film des 20. Jahrhunderts erleben konnte. Dem musikalischen Leiter Helmut Imig war dabei sehr daran gelegen, dass das Publikum nicht nur dem Klang des Orchesters lauschen, sondern auch die Ereignisse auf der Leinwand verfolgen konnte. So fand er sich vor Beginn nicht einfach damit ab, dass einige Zuschauer in den ersten Reihen direkt hinter ihm saßen, und forderte sie sehr freundlich auf, sich doch etwas weiter außen liegende Plätze zu suchen, um auch in den visuellen Genuss des Abends zu kommen, den er ihnen ansonsten mit seinem Dirigat verwehrt hätte. So verstand er sich, um das Hauptmotiv des Films aufzunehmen, als "Mittler zwischen Auge und Ohr". Metropolis erzählt die Geschichte von einer Stadt in der Zukunft, in der eine reiche Oberschicht als Kopf in einer Metropole des Wohlstands lebt, während unter der Erde zahlreiche Arbeiter mit den Händen an Maschinen dafür schuften, diesen Luxus zu erhalten. Freder, der Sohn des Industriemagnaten Johann Fredersen, wird mit dem Elend der Arbeiter konfrontiert und verliebt sich in Maria, die den Arbeitern unter der Erde predigt, dass ein Mittler kommen müsse, der wieder zu einer besseren Verständigung zwischen den Arbeitern unten und den Reichen oben in der Stadt führen könne. Nach vielen dramatischen Wendungen wird sich herausstellen, dass dieser Mittler zwischen Hirn und Händen Freder, das Herz, sein wird, der den Handschlag zwischen seinem Vater und einem Arbeiter herbeiführt und damit eine neue Epoche einleitet. Der Film ist dabei in drei Abschnitte geteilt. Der erste Abschnitt unter dem Titel "Auftakt" stellt die Zustände in Metropolis zu Beginn dar. Komponist Gottfried Huppertz gelingt es, sehr lautmalerisch das Arbeiten der Maschinen, die ausgelassene Fröhlichkeit in den Gartenanlagen der Reichen und den Alltagstrott der marschierenden Arbeiter in Musik umzusetzen. Dazu hat Fritz Lang grandiose Bilder jenseits computergesteuerter Tricktechnik erzeugt, die besonders in ihren Massenszenen überzeugen, auch wenn die sehr übertriebenen Gesten recht gewöhnungsbedürftig sind. Wie punktgenau Helmut Imig mit der Neuen Philharmonie Westfalen die Tempi und die Musikeinsätze der Handlung auf der Leinwand anpasst, lässt nahezu vergessen, dass es sich um Live-Musik handelt. Natürlich ist man eine akkurate musikalische Untermalung aus der Konserve aus dem Kino oder Fernsehen gewöhnt, der Klang eines Live-Erlebnisses lässt sich aber selbst mit hochwertigsten Surround-Systemen nicht einfangen, so dass die Klangqualität hier um Klassen besser ist. Der zweite Abschnitt nach der Pause ist "Zwischenspiel" betitelt. Hier wird die Musik wesentlich dramatischer und erinnert stellenweise auch an Puccini. Der Erfinder Rotwang hat in Fredersens Auftrag Maria gefangen genommen und gibt einer Menschmaschine Marias Gestalt. Doch um sich an Fredersen zu rächen, da dieser ihm einst seine große Liebe Hel ausgespannt hat, lässt er die falsche Maria die Arbeiter zur Revolution aufhetzen. So stürmen die Arbeiter zu Klängen, die stark an die "Marseillaise" erinnern die Herzmaschine und beginnen, die Stadt zu zerstören. Die Neue Philharmonie zieht mit der musikalischen Umsetzung die Zuschauer so in ihren Bann, dass man über einzelne dramaturgische Schwächen des Films - wie die etwas nervige Hilflosigkeit Marias in manchen Situationen - leicht hinwegsieht. Im letzten Abschnitt mit dem Titel "Furioso" bringt Helmut Imig zum einen die dramatische Rettung der Kinder vor der Überflutung der Stadt mit musikalischem Verve zum Ausdruck, zeichnet zum anderen die ekstatischen Ausbrüche der falschen Maria in wilden Klangfarben. Wenn Rotwang die ohnmächtige Maria gegen Ende des Films auf einen hohen Turm entführt, stellt das Publikum mit Schmunzeln fest, dass sich an dieser Stelle auch noch mit King Kong ein ganz anderer großer Filmklassiker bedient hat. Auch wenn dramaturgisch das Happy End ein wenig erzwungen wird und wohl auch damals schon Lang selbst nicht so ganz zufrieden gestellt hat, stimmt die großartige Musik immer wieder versöhnlich und lässt den Film zu einem großen Ereignis werden. So ist es letztendliche Helmut Imig, der mit der hervorragenden Umsetzung der Neuen Philharmonie Westfalen diese restaurierte Filmfassung für die heutigen doch recht verwöhnten Augen absolut sehenswert macht.
FAZIT Ein großartiges Klangerlebnis, das in dieser Form noch in Schwerte (14.10.2011) und Hamm (16.10.2011) zu erleben sein wird. Weitere Informationen unter www.kultursekretariat.de .
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Produktionsteam
Musikalische Leitung
Neue Philharmonie
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