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7. Sinfoniekonzert


Sonntag, 13. März 2011, 11 Uhr
(Wiederholung: Montag, 14. März 2011, 20 Uhr)

Historische Stadthalle Wuppertal, Großer Saal
Homepage
Sinfonieorchester Wuppertal
(Homepage)

Von Stefan Schmöe

Gerade hat das Wuppertaler Sinfonieorchester im Graben des Opernhauses mit Arabella einen dicken Schinken von Richard Strauss gemeistert – nicht ohne Mühen (unsere Rezension) – da steht der Komponist schon wieder auf dem (Konzert-)Programm, und zwar mit der (frühen) symphonischen Dichtung Macbeth und den (späten) Vier letzten Liedern. Eine durchaus reizvolle und programmatisch sinnvolle Ergänzung zur Opernpremiere (wobei aber doch etliche Plätze im Großen Saal der Wuppertaler Stadthalle leer blieben).

Die Gegenüberstellung der Strauss-Werke ist durchaus aufschlussreich für das Wuppertaler Musikleben, zeigt es doch, je nach Blickwinkel, die Bandbreite wie auch die Problematik. Für die Oper hat man in Hilary Griffiths einen zuverlässigen, etwas unscheinbaren Chefdirigenten gefunden, bei Konzerten steht in der Regel Publikumsliebling Toshiyuki Kamioka am Pult, der sich mit dem Titel "Chefdirigent und künstlerischer Leiter" (des Sinfonieorchesters) schmückt, dabei seit Beginn seiner Doppelbeschäftigung – gleichzeitig ist er GMD in Saarbrücken – die Wuppertaler Oper links liegen lässt. Frappierend sind die Unterschiede im Klang, in der Orchesterbehandlung, auch in der Interpretation. Griffith hatte für die Oper einen kammermusikalisch transparenten Zugang gewählt, der sich an den späten Strauss-Opern wie der klein besetzten Ariadne auf Naxos und auch an Mozart orientiert (und dabei sehr rücksichtsvoll mit den Sängern umgeht). Kamioka dagegen formt in der natürlich ganz anders gearteten (sehr halligen) Akustik der Stadthalle einen Mischklang, in dem die einzelnen Instrumente oft verschmelzen. Die Ruppigkeiten der Macbeth-Komposition von 1886, in den Folgejahren mehrfach umgearbeitet, werden dadurch ein wenig entschärft, zumal Kamioka das Werk im großen Bogen und ohne starke Zäsuren dirigiert, mit großen symphonischen Zugriff, ohne sich dabei im Pathos zu verlieren.

Auf die Sängerin musste auch Kamioka Rücksicht nehmen, denn Marion Ammann, dem Wuppertaler Publikum als Isolde in Erinnerung (seinerzeit unter dem Dirigat von Kamioka – unsere Rezension), hat sich trotz der Ausflüge ins hochdramatische Fach eine warm leuchtend lyrische, bewegliche, aber eben nicht allzu große Stimme bewahrt. Die Vier letzten Lieder singt sie wie nach innen gewandt, sehr zurückgenommen in der Lautstärke und ohne jeden dramatischen Aplomb. Die Gesangspartie geht ganz in Klang auf, die Stimme ist instrumental geführt und verliert nie an Klang. Die Aufschwünge wie etwa im dritten Lied Beim Schlafengehen - „und die Seele unbewacht / will in freien Flügen schweben“ sind von atemberaubender Schönheit. Auf der Strecke bleibt dabei allerdings der Text, dessen Konsonanten Marion Ammann mehr angedeutet als wirklich artikuliert. Kamioka verzichtet bei den Liedern auf die ganz große Geste, nimmt statt dessen die Weltabschiedsmusik am Beginn des vierten Liedes Im Abendrot mit entspannter Gelassenheit.

Was Farbreichtum wie Präzision betrifft, ist das Sinfonieorchester Wuppertal gegenüber der Arabella-Premiere kaum wiederzuerkennen. Sicher hat eine zweieinhalb-stündige Opernpartitur ganz andere Tücken als ein 45-minütiges Konzertprogramm (zudem mit einer gegenüber dem jungen Opernensemble ungleich erfahreneren Sängerin); trotzdem ist der Qualitätsunterschied augen- oder besser ohrenfällig, der sich im direkten Vergleich zu Gunsten von Kamioka einstellt. In diesem Konzert zeigt das Orchester insgesamt ein Niveau, mit dem sich auch überregional reüssieren lässt, wobei ein paar Schönheitsfehler – verwackelte Streicherfiguren in Macbeth, recht brave Holzbläsersoli und vor allem ein rhythmisch arg verwaschener Horn-Beginn im langsamen Satz von Brahms' e-Moll-Symphonie – eben auch dabei sind.

Auch diese vierten Symphonie von Johannes Brahms, die den zweiten Teil des Konzerts bildet, dirigiert Kamioka flüssig und mit weit gespannten musikalischen Linien. Es geht ihm sicher nicht vorrangig darum, die Architektur der Komposition herauszustellen, dazu ist er zu sehr „Bauchmusiker“; aber auch ohne dass er die musikalischen Extreme berührt, entsteht doch eine stringente, vorwärts drängende und dadurch mitreißende Interpretation. Schnauben und Springen, für ein echtes Pianissimo auch der Gang in die Hocke, das gehört bei Kamioka naturgemäß dazu, und auch dafür liebt ihn das Wuppertaler Publikum – weil es authentisch bleibt und weil das Orchester das musikalisch umsetzt.




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Marion Ammann,
Sopran

Sinfonieorchester Wuppertal

Toshiyuki Kamioka,
Leitung


Richard Strauss:
Macbeth
Sinfonische Dichtung op.23

Vier letzte Lieder
für Sopran und Orchester

Johannes Brahms:
Symphonie Nr. 4 e-Moll op. 98



Weitere Informationen
erhalten Sie vom
Sinfonieorchester Wuppertal
(Homepage)



Da capo al Fine

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