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Eine kleine Sternstunde
Von Bernd Stopka / Fotos von Frank Schinski und privat Ein Altus oder Countertenor gehört heute mit Selbstverständlichkeit zu unserem Konzert- und Opernleben. Ein französischer „Haute-contre“ ist dagegen selten zu hören – sicher auch, weil es in diesem Stimmfach ganz einfach sehr viel weniger Sänger gibt. Die Herausforderung, die Tenorstimme in extreme Höhen zu schwingen, ohne dabei in den für einen Countertenor oder Altus typischen Kopfresonanzklang zu fallen, ist enorm. Das Ergebnis, wenn es gelingt, eine Offenbarung. Sébastien Gabillat gelingt es.
Sébastien Gabillat
Der aus dem südfranzösischen Perpignan angereiste Sänger war der Solist im Konzert zum 50jährigen Bestehen der Städtepartnerschaft zwischen Hannover und Perpignan. Zusammen mit dem Kammerorchester Pro Artibus Hannover unter der Leitung von Hans-Christian Euler demonstrierte er im allerbesten Sinne das Motto des Abends: „Die Kunst des französischen Tenors“. Gabillat besitzt ein ausgesprochen schönes Timbre. Mit scheinbarer Leichtigkeit gelingen ihm die Koloraturen des französischen Barock. Vollkommen bruchlos durchläuft die gleichmäßig durchgeformte Stimme die Register. Der Sänger lässt nicht nur Spitzentöne hell erstrahlen, er gibt seinem Tenor auch immer wieder vielfältige Farben und Klangschattierungen, wenn er über Liebesfreud jubelt oder über Liebesleid klagt. Mit der Arie „Ciel que triste combat“ aus Charpentiers „David et Jonathas“ setzte er einen ganz besonderen Glanzpunkt. Höchste Legatokultur verbunden mit angemessen innigem Ausdruck ließ er hinreißend in Bizets „Romance“ aus „Les Pĕcheurs des Perles“ erklingen – Musik zum darin Baden, Musik, die tief unter die Haut geht. Dass er auch ein ausgeprägtes schauspielerisches Talent besitzt, deutete Gabillat durch Mimik und Gestik an – und bewies es dann mit Jacques Offenbach: Die Auftrittsarie des Aristée aus „Orphée aux enfers“ und die Arie „Au mont Ida“ des Pâris aus „La Belle Hélène“ wurden zu Kabinettstückchen allererster Güte. Grandios gesungen und mit feinem, köstlichem Witz dargeboten.
Pro Artibus Hannover Voller Elan, dabei immer sehr feinsinnig, leitete Hans-Christian Euler das Kammerorchester Pro Artibus Hannover, das dem Solisten ein kongenialer Begleiter war und sowohl im harmonischen Zusammenspiel und -klang wie auch mit wunderschönen solistischen Leistungen überzeugte. Die Ouvertüre zu "Caravane du Caire" eröffnete den Abend stilgerecht und zeugte von technischer Sicherheit und Präzision. In der zum Abschluß gespielten - zum übrigen Programm eher kontrastierend wirkenden - Haydn-Sinfonie "La Reine" - zeigten sich zwar gelegentliche Intonationstrübungen und kleinere Ungenauigkeiten, das konnte den beglückenden Gesamteindruck des Abends jedoch nicht trüben. Ihre Meinung Schreiben Sie uns einen Leserbrief (Veröffentlichung vorbehalten) |
Sébastien
Gabillat, Tenor Pro Artibus Hannover Kammerorchester für die schönen Künste Leitung: Hans-Christian Euler Programm: André-Ernest-Modeste Gretry: Overtüre zu Caravane du Caire Jean Philippe Rameau: aus Platée: Arie "Que ce séjour est agréable" Arie "Quittez, nymphes, quittez" aus Pygmalion: Arie "Fatal amour , cruel vinqueur" Arie "Régne, amour" Marc-Antoine Charpentier: Arie "Ciel que triste combat" aus David et Jonathas Georges Bizet: "Romance" aus Les Pécheurs des Perles Jacques Offenbach: Arie: "Moi, je suis Aristée" aus Orphée aux enfers Arie "Au mont Ida" aus La Belle Hélène Joseph Hadn: Sinfonie Nr. 85 "La Reine"
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