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| Mit bestürzender Ausdrucksintensität 2010
feierten wir den 150. Geburtstag Gustav Mahlers. Ein Jahr später
folgt sein 100. Todestag. Und einer der besonderen Highlights dieses
Jubiläumsjahres war die Aufführung der eher selten zu
hörenden 6. Sinfonie des
für die Einspielung dieser Sinfonie 2003 ausgezeichneten San
Francisco Symphony unter der Leitung ihres musikalischen Direktors
Michael Tilson Thomas. Die Wiederaufführung der Tragischen fand in der Essener
Philharmonie statt - eben dort, wo Gustav Mahler selbst am 27. Mai 1906
im Rahmen des 42. Tonkünstler-Festes des "Allgemeinen Deutschen
Musikvereins" die Uraufführung seines grandiosen sinfonischen
Werkes leitete.
"Wir weinten damals beide. So tief fühlten wir diese Musik und was sie vorahnend verriet", erinnert sich Alma Mahler an die Erstbegegnung mit der Komposition, die wie viele andere Werke in Maiernigg, Mahlers bevorzugter Ferienidylle und Kompositionsort in Kärnten am Wörther See entstand. Reinschrift und Instrumentation der in den Sommern 1903 und 1904 entworfenen Komposition vollendete Mahler 1905 in Wien. Im Unterschied zur Uraufführung führen Michael Tilson Thomas und das San Francisco Symphony die Sinfonie in der Satzreihenfolge auf, wie es der Komponist im Autograf und in der von ihm in Druck gegebenen Partitur niedergelegt hat: Das Scherzo folgt an zweiter, das Andante an dritter Stelle. So entsteht ein dramaturgischer Verlauf, der - im Kontrast zum Andante - die düstere Wirkung des Finalsatzes und auch verschiedenste programmatische Deutungen in den Vordergrund rückt. Für Csampai ist es Mahlers realistischste Sinfonie. Sie lasse seiner "imaginären Weltflucht" wenig Raum, spiegele vielmehr die "brutale Lebenswirklichkeit, der sich Mahler ausgeliefert sah" deutlicher als die anderen. Einige deuten das düstere, von verschiedensten marschähnlichen Ostinati durchzogene Klangbild sogar als Symbol zunehmender gesellschaftlicher Militarisierung, sehen den Beginn des ersten Satzes als Vorahnung des 1. Weltkriegs oder den Finalsatz und hier vor allem den kontrastiv einsetzenden dumpfen Klang der Hammerschläge als Prophetie persönlicher Schicksalsschläge: Wenige Jahre nach der Komposition folgten das Ende seiner Tätigkeit als Wiener Hofoperndirektor, die Diagnose eines schweren Herzleidens und der Tod seiner Tochter. Mahlers Sechste ist - bei aller programmatischen Deutung - mehr als die Anderen, der symphonischen Formtradition verhaftet. Hinzu kommt seine, an diesem Abend besonders differenziert gestaltete Orchestrierungskunst. Zu einem riesigen Orchesterapparat gesellen sich Glockenspiel, aus weiter Entfernung erklingende Herdenglocken, tiefe Glocken, zwei Harfen, Celesta, Rute und der Hammer. Und die San Francisco Symphony führten das komplexe, polyphone Liniengeflecht mit Transparenz, Präzision und geradezu bestürzender Ausdrucksintensität vor Augen - egal ob symphonischer Kammerstil oder monumentales Orchesterklanggebäude. Bei nicht zu schnellen Tempi und der wunderbaren Akustik der Essener Philharmonie blieb so genügend Raum, die immer spannungsreich aufgebaute Klangcollage aus Drängen, Zerren, Verschmelzen und Auffächern solistisch zu gestalten und auszukosten. Das besondere I-Tüpfelchen des Abends fügten die fantastischen, unglaublich homogen und präzisen Holz- und Blechbläser hinzu. Ihre Meinung Schreiben Sie uns einen Leserbrief (Veröffentlichung vorbehalten) |
San Francisco Symphony Michael Tilson Thomas Dirigent Gustav Mahler: Sinfonie Nr. 6 a-Moll "Tragische" Allegro energico. Heftig, aber markig Scherzo: Wuchtig Andante moderato Finale:Allegro moderato - Allegro energico
San Francisco
Symphony Philharmonie
Essen
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