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Gustav Mahler: Sinfonie Nr. 6 a-Moll 

San Francisco Symphony und Michael Tilson Thomas    


29. Mai 2011  

Philharmonie Essen
Alfried Krupp Saal
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Philharmonie Essen (Homepage)
Mit bestürzender Ausdrucksintensität

Von Ursula Decker-Bönniger


2010 feierten wir den 150. Geburtstag Gustav Mahlers. Ein Jahr später folgt sein 100. Todestag. Und einer der besonderen Highlights dieses Jubiläumsjahres war die Aufführung der eher selten zu hörenden 6. Sinfonie des für die Einspielung dieser Sinfonie 2003 ausgezeichneten San Francisco Symphony unter der Leitung ihres musikalischen Direktors Michael Tilson Thomas. Die Wiederaufführung der Tragischen fand in der Essener Philharmonie statt - eben dort, wo Gustav Mahler selbst am 27. Mai 1906 im Rahmen des 42. Tonkünstler-Festes des "Allgemeinen Deutschen Musikvereins" die Uraufführung seines grandiosen sinfonischen Werkes leitete.

"Wir weinten damals beide. So tief fühlten wir diese Musik und was sie vorahnend verriet", erinnert sich Alma Mahler an die Erstbegegnung mit der Komposition, die wie viele andere Werke in Maiernigg, Mahlers bevorzugter Ferienidylle und Kompositionsort in Kärnten am Wörther See entstand. Reinschrift und Instrumentation der in den Sommern 1903 und 1904 entworfenen Komposition vollendete Mahler 1905 in Wien.
Im Unterschied zur Uraufführung  führen Michael Tilson Thomas und das San Francisco Symphony die Sinfonie in der Satzreihenfolge auf, wie es der Komponist im Autograf und in der von ihm in Druck gegebenen Partitur niedergelegt hat: Das Scherzo folgt an zweiter, das Andante an dritter Stelle. So entsteht ein dramaturgischer Verlauf, der - im Kontrast zum Andante - die düstere Wirkung des Finalsatzes und auch verschiedenste programmatische Deutungen in den Vordergrund rückt.

Für Csampai ist es Mahlers realistischste Sinfonie. Sie lasse seiner "imaginären Weltflucht" wenig Raum, spiegele vielmehr die "brutale Lebenswirklichkeit, der sich Mahler ausgeliefert sah" deutlicher als die anderen. Einige deuten das düstere, von verschiedensten marschähnlichen Ostinati durchzogene Klangbild  sogar als Symbol zunehmender gesellschaftlicher Militarisierung, sehen den Beginn des ersten Satzes als Vorahnung des 1. Weltkriegs oder den Finalsatz und hier vor allem den kontrastiv einsetzenden dumpfen Klang der Hammerschläge als Prophetie persönlicher Schicksalsschläge: Wenige Jahre nach der Komposition folgten das Ende seiner Tätigkeit als Wiener Hofoperndirektor, die Diagnose eines schweren Herzleidens und der Tod seiner Tochter.

Mahlers Sechste ist - bei aller programmatischen Deutung - mehr als die Anderen, der symphonischen Formtradition verhaftet. Hinzu kommt seine, an diesem Abend besonders differenziert gestaltete Orchestrierungskunst.
Zu einem riesigen Orchesterapparat gesellen sich Glockenspiel, aus weiter Entfernung erklingende Herdenglocken, tiefe Glocken, zwei Harfen, Celesta, Rute und der Hammer. Und die San Francisco Symphony führten das komplexe, polyphone Liniengeflecht mit Transparenz, Präzision und geradezu bestürzender Ausdrucksintensität vor Augen - egal ob symphonischer Kammerstil oder monumentales Orchesterklanggebäude.
Bei nicht zu schnellen Tempi und der wunderbaren Akustik der Essener Philharmonie blieb so genügend Raum, die immer spannungsreich aufgebaute Klangcollage aus Drängen, Zerren, Verschmelzen und Auffächern solistisch zu gestalten und auszukosten. Das besondere I-Tüpfelchen des Abends fügten die fantastischen, unglaublich homogen und präzisen Holz- und Blechbläser hinzu.


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San Francisco Symphony 

Michael Tilson Thomas   
Dirigent

Gustav Mahler:
Sinfonie Nr. 6 a-Moll "Tragische"

Allegro energico. Heftig, aber markig

Scherzo: Wuchtig

Andante moderato

Finale:Allegro moderato - Allegro energico
 

Michael Tilson Thomas / Foto Sven Lorenz
Foto: Sven Lorenz


Weitere Informationen

San Francisco Symphony 
http://www.sfsymphony.org/

Michael Tilson Thomas 
http://www.michaeltilsonthomas.com/
 

Philharmonie Essen
www.philharmonie-essen.de


  








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