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Nicht
zu übertreffen Von Christoph
Wurzel / Foto: Michael
Gregonowits Wenn Helmuth
Rilling sich der Musik von Johann Sebastian Bach annimmt, dann kann man
davon
ausgehen, das es auf der Grundlage einer langen Erfahrung mit dieser
Musik
geschieht und vor allem aus großer Liebe zu ihr. Vor 56 Jahren
gründete er die
Gächinger Kantorei und vor 45 Jahren das Bach-Collegium Stuttgart,
um mit
diesen Ensembles immer wieder Bachs Musik aufzuführen, ohne aber
dabei die –
meist geistliche - Musik bis hinein in
die Gegenwart zu vernachlässigen, was sich besonders auch an
zahlreichen
Uraufführungen ablesen lässt. Rilling ist ein ganz
herausragender Sachwalter
der Werke Bachs, ohne sich auf ein bloßes Barock-Spezialistentum
verengt zu
haben. So kam er mit seinen Ensembles zum diesjährigen
traditionellen Karfreitags-Konzert
des Festspielhauses mit relativ großer Besetzung in der
doppelchörigen Kantorei
und dem auf modernen Instrumenten spielenden Orchester des
Bach-Collegiums.
Rilling schafft beispielhaft den Spagat
zwischen einer Aufführungspraxis, die dem historischen Gestus der
Musik ebenso
gerecht wird wie den Möglichkeiten der modernen Spiel- und
Gesangstechnik. Nur
eine Viola da Gamba hatte er als Originalklanginstrument dem Orchester
zugefügt
( für die obligate Begleitung in zwei Arien sowie das Continuo),
die Streicher
spielten vibratoarm und im Duktus einer höchst elaborierten
Klangrede.
Helmuth Rilling
dirigiert die Gächinger Kantorei, das Bach-Collegium Stuttgart.
Solisten (von links): Dominik Wortig, Sibylla Rubens, Anke Vondung,
Philipp Kaven, Lothar Odinius und Kostantin Wolff
Nur an einer
Stelle gelang das Gleichgewicht nicht ganz vollkommen. Die modernen
Oboen
drängten die nicht allzu große Stimme von Sibylla Rubens in
der Arie „Ich will
dir mein Herze schenken“ zu sehr in den Hintergrund. Im Übrigen
bereicherten
vor allem auch die modernen Holzblasinstrumente farbenreich das instrumentale Klangbild. Rilling hatte
für die Aufführung auch bei den Instrumenten eine konsequent
doppelchörige
Aufstellung gewählt mit der Continuogruppe in der Mitte. Dies
ermöglichte ein
dymnamisch angespanntes Klanggeschehen und trug erheblich zu einer von
innen
kommenden Dramatik bei. Niemals aber ließ er auf
äußerliche Wirkung zielendes
Pathos aufkommen. Vielmehr wurde der Text bis in kleinste Nuancen
hinein subtil
ausgedeutet. Deutlich war im Chor diese exegetische Feinarbeit zu
hören, etwa
in dem spöttischen Gruß an den „Jüdenkönig“ oder
besonders eindrucksvoll im
höhnischen Unterton („Was gehet uns das an?“), der sich
blitzschnell in
zynische Aggressivität verwandelt („Da siehe du zu!“). Der Chor
„Sind Blitze,
sind Donner in Wolken verschwunden?“ wurde zum absoluten Höhepunkt
der
Gesangskultur der Gächinger Kantorei, in dem rhythmische
Präzision, dynamische
Steigerungsfähigkeit und Ausdrucksstärke sich hochdramatisch
verdichteten. Ein
exzellentes Solistensextett sorgte für eine innige und emotional
wahrhaftig
berührende Auslegung der Evangelien- und Arientexte. Lothar
Odinius war ein
beredter, innerlich eminent beteiligter Evangelist mit klarem, hellen,
schön
timbrierten Tenor. Mit fast heldischem Glanz sang Dominik Wortig die
Tenorarien. Der Altstimme hat Bach in dieser Passion die Arien der
größten
Trauer und Zerknirschung zugedacht. Anke Vondung widmete sich Ihnen mit
beeindruckender Empathie, ihre warme,
samtige Altstimme verströmte sich berührend besonders in der
Arie „Erbarme
dich, mein Gott, um meiner Zähren willen“, begleitet von den
elegischen
Kantilenen der Solovioline. Sibylla Rubens gestaltete die Sopranpartien
klangschön und mit viel Ausdruck. Die Bassarien wurden von
Konstantin Wolff einfühlsam gesungen.
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Johann Sebastian BachMatthäuspassion BWV
244 Sibylla Rubens Anne Vondung Lothar Odinius Dominik Wortig Philipp Kaven Konstantin Wolff Gächinger Kantorei Bach-Collegium Stuttgart Helmuth Rilling
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