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Pianistischer Glanz
Von Christoph Wurzel / Fotos: Marcus Gernbeck Schon seine jüngsten Einspielungen der Partiten Johann Sebastian Bachs und der Goldbergvariationen haben bewiesen, dass sich Murray Perahia auf dem Höhepunkt seiner Kunst befindet. Auch Bachs Klavier- bzw. Cemabalokonzerte hat er eingespielt, mit der Academy of St. Martin in the Fields. Mit diesem Orchester kam er nun auch im Rahmen einer Tournee nach Baden-Baden. Und was sein pianistisches Können betrifft, übertraf natürlich der Live-Eindruck bei weiten den, den die Konserve hinterlässt. Ganz spurlos ist Perahias Freundschaft mit Horowitz nicht geblieben. Auch Perahia zeichnet dieselbe Form einer federnden, leichten Virtuosität aus, die das Spiel von Horowitz so faszinierend machte. Und dass er ganz unhistorisch Bach auf dem modernen Konzertflügel spielt wie vieler seiner Pianistenkollegen, ist eher ein Gewinn im Sinne einer Fülle an Farbigkeit und Dynamik.
Das D-Dur-Konzert von Bach nahm Perahia im 1. Satz ganz von seiner rhythmisch kernigen Seite. Dabei war das Timing der Auf- und Abschwünge in den melodisch-motorischen Wellen so perfekt gelungen, dass es einem allein vom Zuhören schier den Atem verschlagen konnte. Der 2. Satz, das Adagio, klang voll melodischer Sättigung, um im Allegro wieder in eine pulsierende Leichtigkeit zu fallen. Da atmete frische Luft durch Bachs Musik, dass es eine Freude war. Leider war das Orchester nicht ganz auf derselben Höhe dieser feinen Nuancierung. Zwar gelang die Abstimmung zwischen den Streichern und dem Klavier nahezu perfekt, weil Perahia vom Flügel aus die Zeichen gab, aber in der Artikulation blieb die Academy of St. Martin in the Fields doch etwas zu zurückhaltend und zahm. Noch schmerzlicher wurde dies bewusst in der einleitenden Sinfonia concertante, einem lieblichen Notturno, des Bachsohnes Johann Christian, das mehr Müdigkeit verströmte als ihm guttat. Hier spielte das Orchester seiner eigenen Tradition gemäß ohne Dirigenten, was es technisch hervorragend meisterte. Die konzertierenden Gruppen (Concertino aus Streichern, Oboe und Horn) übergaben perfekt einander die Führung. Doch dass sich dieses Orchester nicht unbedingt der Klangrede verpflichtet fühlt, tat der Wirkung dieses an sich klangschön spielenden Ensembles einigen Abbruch.
Auch mit Mozart konnte Perahia am Flügel beeindrucken, seine beredte Artikulation und feine Phrasierung kam dem G-Dur - Konzert sehr zugute. Doch dass die anscheinende Heiterkeit gerade durch Einwürfe aus dem Orchester immer wieder eingetrübt wird, kam letztlich zu wenig hervor. Diese Tiefenschärfe musste auch in der Darbeitung der "Prager"-Sinfonie vermisst werden, bei der Perahia zum Taktstock griff und zwar in rhythmischer Vitalität aber doch mit nur gering konturierter Strukturierung das sinfonische Geschehen leitete. Doch zeigte auch hier die klangliche Qualität, besonders der Holzbläser, unbestreitbare Vorzüge der Academy of St. Martin in the Fields auf.
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Acadamy of St. Martin in the Fields Murray Perahia Klavier und Dirigent Johann Christian Bach Sinfonia concertante (Notturno) Es-Dur C 40 Wolfgang Amadeus Mozart Klavierkonzert Nr. 17 G - Dur KV 453 Johann Sebastian Bach Konzert für Cembalo/Klavier, Streicher und Basso continuo Nr. 3 D-Dur BWV 1054 Wolfgang Amadeus Mozart Sinfonie Nr. 38 D-Dur KV 504 "Prager"
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