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9. Sinfoniekonzert
Konzert im Rahmen des WDR-Musikfestes


24.,26.,27. Mai 2009
rezensierte Konzertveranstaltung 26. Mai 2009

Großes Haus der Städtischen Bühnen Münster
Homepage Sinfonieorchester Münster
(Homepage)
Eine Klangbegegnung der besonderen Art

Von Ursula Decker-Bönniger

Es war ein beeindruckendes, klanggewaltiges 9.Sinfoniekonzert der ganz besonderen Art. Im Rahmen des WDR-Musikfestes und live auf WDR 3 mitzuerleben, präsentierte das Sinfonieorchester Münster in Kooperation mit dem Osnabrücker Sinfonieorchester unter der Leitung Fabrizio Venturas zwei Orchesterdramen: Alban Bergs bedeutendes Werk der Moderne, „Drei Orchesterstücke op.6“, gefolgt von Anton Bruckners 9.Sinfonie. Berg beendete sein ursprünglich als Sinfonie geplantes, erstes großes Werk für Orchester am Vorabend des 1.Weltkrieges, im Sommer 1914. Bruckner arbeitete bis zu seinem Tode 1896 an der Komposition des 4.Satzes. Die 9.Sinfonie blieb unvollendet. Knapp 20 Jahre trennen die beiden Werke Bruckners und Bergs voneinander und doch liegen biographisch und ästhetisch Welten zwischen ihnen.

Bergs erster Satz „Präludium“ beginnt - für seine Zeit sehr unkonventionell – mit geräuschähnlichen Schlagzeugklängen, die mittels Pauke als gestimmter Perkussion in Orchesterklangfarben überführt werden, aus denen dann erste melodische Motive hervorkommen. Es folgt ein expressionistisches, freitonales, von Schlagzeug- und Blechbläsern dominiert wirkendes Orchesterdrama, das von fantastischen Klangfarbenwechseln und -mixturen, vieltönigen Akkorden, motivischen Spiegelungen und weiteren kontrapunktischen zur Technik der permanenten Variation gehörenden Kompositionsmitteln gekennzeichnet ist. Zahlreiche Bezüge wie bspw. das zunächst von der Posaune eingeführte, dann vom Schlagzeug wiederholte rhythmische Motiv verbinden die drei Sätze „Präludium, Reigen, Marsch“ miteinander. Als wenn die sich chaotisch auftürmenden Marschfragmente gewaltsam niedergeschlagen werden sollen, erklingen im letzten Satz drei, an Mahlers 6.Sinfonie erinnernde Hammerschläge. Anschließend scheint die Musik zunächst zu zerbröseln, bis - auf dem Crescendo-Höhepunkt der von Hörnern und Xylophon unterstützte Trompetenfanfaren - der Satz wie in einem Crash abbricht. „Danach wird wohl kein authentischer Marsch mehr geschrieben werden können“ schlussfolgerte Dietmar Holland in einem Konzertführer.

Bruckners Klangwelt, in der sich geschlossenen Orchestergruppen gegenüber treten, wirkt dagegen geordnet, nachvollziehbar. Trotz der im Vergleich zu Berg bis auf die Pauke zurückgedrängten Schlagzeug- und Perkussionsklangfarben sind die Blechbläser auch hier - mit 3 Posaunen, 4 Hörnern, 4 Wagnertuben, 3 Trompeten, einer Kontrabasstuba - eine tragende, häufig bestimmende Instrumentengruppe. Ihr - in der trockenen Akustik des Großen Hauses – direkter, unvermittelter Klang wirkte markant, irgendwie gewaltsam aufdringlich. Auch im rhythmisch akzentuiert, stampfend interpretierten Scherzo mit einem fast geräuschhaften Streicherklang scheint sich die expressionistische Klangwelt des 20. Jahrhunderts zu artikulieren.
Zugleich verdeutlichte die Tempogestaltung Fabrizio Venturas, dass gewichtige Monumentalität nicht zwingend mit großer zeitlicher Ausdehnung verbunden sein muss. Seine spannungsvoll gestaltete Interpretation stellte die kontrastierenden Brüche zwischen z.B. strebenden, harmonisch vorwärtsdrängenden, immer komplizierter werdenden, auf dem dissonant geschärften Höhepunkt plötzlich abbrechenden Akkordentwicklungen und lyrischen oder choralähnlichen Passagen in den Vordergrund.
Beeindruckend auch die engagiert und präzise spielenden Musiker des Sinfonieorchesters Münster und Osnabrück. Homogene Klanggruppen – die Blechbläser und Schlagzeuger spielten besonders lobenswert - und ein insgesamt ausgesprochen transparentes, dynamisches Klangbild machten dieses Sinfoniekonzert zu einem wunderbaren Erlebnis.




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Sinfonieorchester Münster
in Kooperation mit dem
Osnabrücker Sinfonieorchester

Fabrizio Ventura
Dirigent



Alban Berg
Drei Orchesterstücke op.6
I. Präludium
II. Reigen
III. Marsch

Anton Bruckner
Sinfonie Nr. 9 d-Moll WAB 109
I. Feierlich. Misterioso
II. Scherzo. Bewegt, lebhaft – Trio. Schnell
III. Adagio. Langsam, feierlich



Weitere Informationen

Sinfonieorchester Münster
www.sinfonieorchester-muenster.de






Da capo al Fine

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