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Eine Klangbegegnung der besonderen Art
Es war ein beeindruckendes, klanggewaltiges 9.Sinfoniekonzert der ganz besonderen Art. Im Rahmen des WDR-Musikfestes und live auf WDR 3 mitzuerleben, präsentierte das Sinfonieorchester Münster in Kooperation mit dem Osnabrücker Sinfonieorchester unter der Leitung Fabrizio Venturas zwei Orchesterdramen: Alban Bergs bedeutendes Werk der Moderne, Drei Orchesterstücke op.6, gefolgt von Anton Bruckners 9.Sinfonie. Berg beendete sein ursprünglich als Sinfonie geplantes, erstes großes Werk für Orchester am Vorabend des 1.Weltkrieges, im Sommer 1914. Bruckner arbeitete bis zu seinem Tode 1896 an der Komposition des 4.Satzes. Die 9.Sinfonie blieb unvollendet. Knapp 20 Jahre trennen die beiden Werke Bruckners und Bergs voneinander und doch liegen biographisch und ästhetisch Welten zwischen ihnen. Bergs erster Satz Präludium beginnt - für seine Zeit sehr unkonventionell mit geräuschähnlichen Schlagzeugklängen, die mittels Pauke als gestimmter Perkussion in Orchesterklangfarben überführt werden, aus denen dann erste melodische Motive hervorkommen. Es folgt ein expressionistisches, freitonales, von Schlagzeug- und Blechbläsern dominiert wirkendes Orchesterdrama, das von fantastischen Klangfarbenwechseln und -mixturen, vieltönigen Akkorden, motivischen Spiegelungen und weiteren kontrapunktischen zur Technik der permanenten Variation gehörenden Kompositionsmitteln gekennzeichnet ist. Zahlreiche Bezüge wie bspw. das zunächst von der Posaune eingeführte, dann vom Schlagzeug wiederholte rhythmische Motiv verbinden die drei Sätze Präludium, Reigen, Marsch miteinander. Als wenn die sich chaotisch auftürmenden Marschfragmente gewaltsam niedergeschlagen werden sollen, erklingen im letzten Satz drei, an Mahlers 6.Sinfonie erinnernde Hammerschläge. Anschließend scheint die Musik zunächst zu zerbröseln, bis - auf dem Crescendo-Höhepunkt der von Hörnern und Xylophon unterstützte Trompetenfanfaren - der Satz wie in einem Crash abbricht. Danach wird wohl kein authentischer Marsch mehr geschrieben werden können schlussfolgerte Dietmar Holland in einem Konzertführer.
Bruckners Klangwelt, in der sich geschlossenen Orchestergruppen gegenüber treten, wirkt dagegen geordnet, nachvollziehbar. Trotz der im Vergleich zu Berg bis auf die Pauke zurückgedrängten Schlagzeug- und Perkussionsklangfarben sind die Blechbläser auch hier - mit 3 Posaunen, 4 Hörnern, 4 Wagnertuben, 3 Trompeten, einer Kontrabasstuba - eine tragende, häufig bestimmende Instrumentengruppe. Ihr - in der trockenen Akustik des Großen Hauses direkter, unvermittelter Klang wirkte markant, irgendwie gewaltsam aufdringlich. Auch im rhythmisch akzentuiert, stampfend interpretierten Scherzo mit einem fast geräuschhaften Streicherklang scheint sich die expressionistische Klangwelt des 20. Jahrhunderts zu artikulieren. Ihre Meinung Schreiben Sie uns einen Leserbrief (Veröffentlichung vorbehalten) |
Sinfonieorchester Münster in Kooperation mit dem Osnabrücker Sinfonieorchester Fabrizio Ventura Dirigent Alban Berg Drei Orchesterstücke op.6 I. Präludium II. Reigen III. Marsch Anton Bruckner Sinfonie Nr. 9 d-Moll WAB 109 I. Feierlich. Misterioso II. Scherzo. Bewegt, lebhaft Trio. Schnell III. Adagio. Langsam, feierlich
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