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3. Sinfoniekonzert

4., 5. November 2008
rezensierte Konzertveranstaltung 5. November 2008

Großes Haus der Städtischen Bühnen Münster
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Ein Sinfoniekonzert im November

Von Ursula Decker-Bönniger

Der Beginn dieses novembrigen Sinfoniekonzerts war ein in den 1920er Jahren entstandenes programmatisches Werk, die "Musziek voor ‚Elektra'" des in Deutschland eher unbekannten niederländischen Komponisten Alphons Diepenbrock. Die viersätzige Orchestersuite lässt zwar Handlungselemente der Tragödie des Sophokles durchscheinen - z.B. wenn im ersten Satz die einen Fluch darstellende, absteigende, chromatische Figur von Trompeten und Posaunen erklingt oder wenn im zweiten Satz in einer Art solistischem Intermezzo Harfe und Flöte aufspielen. Insgesamt jedoch fehlt den überwiegend homophon komponierten Instrumentalblöcken die notwendige, dem tragischen Geschehen innewohnende dramatische Verknüpfung, Entwicklung und Spannung.

Wie schillernd wirkte dagegen die Musiksprache Gustav Mahlers, dessen - im Sinfoniekonzert noch immer selten zu hörender -, früher Zyklus "Lieder eines fahrenden Gesellen" als Herzstück des Abends folgte. Die Modernität und Faszination des Ausdrucks der zwischen Dur und Moll schwankenden Liedmelodien, der an Trommelrhythmen, Fanfarensignale und Naturlaute erinnernden stilisierten Klangfiguren sah Eggebrecht in der Schönheit voller Traurigkeit, im "Ton des Spotts, dem das Weinen verschwistert ist", im "Suchen nach Auswegen, das zu keinem Ende kommt".

Mahler vollendete die eigene Textfassung der zugrundeliegenden Verse aus "Des Knaben Wunderhorn" schon 1884 und widmete sie seiner unerfüllten Liebesbeziehung in Kassel, der Sängerin Johanna Richter. Anschließend folgten erste Fassungen für Klavier und Gesang, die wahrscheinlich zwischen April 1891 und Frühjahr 1893 instrumentiert wurden. Die Uraufführung der Orchesterfassung war erst im März 1896 in Berlin!

Wie in anderen romantischen Liederzyklen wird auch hier die Suche nach Glück und Liebeserfüllung des Wanderers dargestellt, seine angesichts des Scheiterns nahende Todessehnsucht sowie trostspendende, hoffnungsfrohe Gedanken, die sich als Täuschung erweisen.

Solistin des Abends war die österreichische Mezzosopranistin Hermine Haselböck. Ihr eher hell timbrierter Stimmklang überstrahlte das Orchester weich strömend oder dramatisch explosiv wie im dritten Lied. Neben dynamisch differenzierten Ausdrucksnuancen beeindruckte die Sängerin durch ihre auch gestisch, mimisch überzeugende Bühnenpräsenz.

Das Sinfonieorchester unter Leitung seines Generalmusikdirektors Fabrizio Ventura präsentierte ein kammermusikalisch durchsichtiges, dramatisch inszeniertes Klangbild, wenn auch das erste Lied in einem langsamen Grundtempo begann und die Temposchwankungen von langen Fermati unterbrochen wurden, sodass anstelle des Ausdrucks innerer Zerrissenheit und Unruhe ein Gestus der Trauer überwog.

Abschließend erklang die 4.Sinfonie von Johannes Brahms - sein letztes sinfonisches Werk, mit dessen Komposition Brahms etwa zur gleichen Zeit begann, wie Mahler mit der Komposition seiner "Lieder eines fahrenden Gesellen". 1885 unter seiner Leitung von der herzoglichen Hofkapelle in Meiningen uraufgeführt, gilt die Sinfonie als Höhepunkt und Ende der klassisch-sinfonischen Entwicklung seit Haydn und Mozart. Ganz dem Prinzip der entwickelnden Variation folgend, wo aus den kleinsten Motiven ganze Satzzusammenhänge gebildet werden, inszenierte Ventura den ersten Satz wie einen Klangstrom, der immer wieder zum Stillstand zu kommen scheint. Krönender Abschluss war der Spannungsaufbau der Pssacaglia des letzten Satzes.




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Hermine Haselböck
Mezzosopran

Sinfonieorchester Münster

Fabrizio Ventura
Dirigent



Alphons Diepenbrock
Musziek voor "Elektra"
Sinfonische Suite
nach einer Schauspielmusik
zur Tragödie des Sophokles

Gustav Mahler
Lieder eines fahrenden Gesellen
Vier Lieder nach eigenen
Gedichten sowie Versen aus
"Des Knaben Wunderhorn"
für Singstimme und Orchester

Johannes Brahms
Sinfonie Nr.4 e-Moll op.98



Weitere Informationen

Sinfonieorchester Münster
www.sinfonieorchester-muenster.de






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