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'Bel Canto' und 'Belcanto'
Von Gerhard Menzel Auf ihrer Deutschlandtournee, die sie außer in die Metropolen Hamburg (Laeiszhalle), Stuttgart (Liederhalle), Berlin (Philharmonie), München (Philharmonie) und Frankfurt/M. (Alte Oper) führte, war Elina Garanca auch in der Düsseldorfer Tonhalle zu Gast. Wie schon im März vor zwei Jahren (siehe: OMM-Bericht) gelang es ihr erneut, das Publikum unmittelbar zu berühren und zu begeistern. Ihr Programm stand dieses Mal ganz im Zeichen des Belcanto', der Elina Garanca seit den Studienjahren beständig begleitet, da ihre damalige Lehrerin sofort erkannte, dass in ihr eine Stimme heranreift, die für die Musik des Belcanto' wie geschaffen ist: geschmeidig, flexibel, ausdrucksstark und mit einem einzigartig schönen und edlen Timbre, eben prädestiniert für 'Bel Canto'. Belcanto' ist aber nicht nur ein Sammelbegriff, der Opernkomposition aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Italien bezeichnet und deren wichtigste Vertreter Gioacchino Rossini, Vincenzo Bellini und Gaetano Donizetti waren, sondern vor allem für einen Gesangstil, der durch ganz spezifische Techniken geprägt ist. Hervorstechende Elemente des Belcanto sind vor allem das Legato, das Messa di voce, also das An- und Abschwellen der Lautstärke ohne Änderung der Tonhöhe und Intonation, die Appoggiaturen und Portamenti sowie die virtuose Ausschmückung durch Koloraturen und Fiorituren. Dies alles beherrscht Elina Garanca bis ins kleinste Detail und lässt diese große Kunst, die für die meisten eine kaum zu bewältigende Anstrengung und Konzentration bedeutet, spielerisch leicht und ganz natürlich erscheinen. Durch ihre inzwischen noch mehr an Klangfülle und Durchschlagskraft gewonnenen Stimme, die physische Präsenz und faszinierende Ausstrahlung ist sie zur Zeit die' überragende Interpretin ihres Faches.
Elina Garanca und Karel Mark Chichon
Ob in der "Hosenrolle" des leidenschaftlichen Romeo in Bellinis Version von Shakespeares "Romeo und Julia", als seelisch gezeichnete Elisabetta in Donizettis "Maria Stuarda", oder als verführerische Carmen in Bizets weltberühmter Oper, auch ohne Szene und Kostüm vermittelte sie den Charakter und die Emotionen der entsprechenden Figuren eindringlich und mit größter Intensität. Das gelang ihr dabei nicht nur musikalisch und darstellerisch äußerst plastisch, sondern auch sprachlich und deklamatorisch ist Elina Garanca immer präsent und überzeugend. Ob französisch, italienisch oder spanisch, es scheinen alles ihre Muttersprachen zu sein, in denen sie sich mühelos bewegt und parliert. Dass Elina Garanca eine ganz große Affinität gerade zu Spanien hat, bewies das abwechslungsreiche und mitreißende Programm mit auffallend vielen Werken hier zumeist unbekannter spanischer Komponisten wie Francisco Asenjo Barbieri und Ruperto Chapí. Von der temperamentvollen Sprache, der feurigen Musik, den mitreißenden Rhythmen und ihrer ausdrucksstarken Stimme vollends begeistert, wurde Elina Garanca vom Publikum zu Recht ausgiebig gefeiert. Auf ihrer Tournee vor zwei Jahren war es Heiko Mathias Förster, der mit den exzellent aufspielenden Münchner Symphonikern nicht nur ein ihr ebenbürtiger Partner war, sondern mit einem orchestralen Feuerwerk das Publikum zu wahren Begeisterungsstürmen hinriss. Da hatte es ihr Gatte Karel Mark Chichon dieses Mal schon erheblich schwerer, mit der Neuen Philharmonie Westfalen ein ähnlich hohes Niveau zu erreichen. Sicherlich gab es viele schöne und klangvoll präsentierte Momente (wie den herrlichen Violoncellobeginn der Ouvertüre zu Rossinis "Guillaume Tell"), aber in der das Programm eröffnenden Ouvertüre zum "Barbiere di Siviglia" und in der einen oder anderen exponierten Passage waren technische und konzentrationsmäßige Unpässlichkeiten nur schwer zu überhören. Allerdings war eine gründliche Probenarbeit und das Bemühen um eine adäquate Umsetzung durchaus zu spüren gewesen, was dem letztendlich guten Gesamteindruck des Konzertes sehr zu Gute kam.
Elina Garanca nach dem Konzert: Das ausgedehnte "Carmen"-Finale des Konzerts - endend mit dem furiosen Chanson bohème' aus dem 2. Akt - löste erwartungsgemäß riesigen Jubel aus. Als attraktive Zugaben durfte sich das Publikum dann noch an Ruperto Chapis "Al pensar en el dueno" aus "Las hijas del Zebedeo" und dem weltberühmten Dauerbrenner "Granada" von Agustín Lara ergötzen. Es war ein regelrechtes "Fest der schön(st)en Stimme".
Besser und eindrucksvoller kann vokale Musik nicht präsentiert werden. Bel Canto' und Belcanto' vereint in einer Persönlichkeit mit atemberaubender Ausstrahlung. Elina Garanca trifft den Kern der Musik und damit auch Herz und Seele des Publikums. Im Juni 2009 wird Elina Garanca als Charlotte in Massenets "Werther" im Festspielhaus Baden-Baden zu erleben sein. Das OMM berichtet darüber. Ihre Meinung Schreiben Sie uns einen Leserbrief (Veröffentlichung vorbehalten) |
Elina Garanca Mezzosopran Neue Philharmonie Westfalen Karel Mark Chichon Dirigent Rossini Overture to Il Barbiere di Siviglia Donizetti Allafflitto è dolce il pianto from Roberto Devereux Donizetti Ah! quando allara scorgemi Ah dal ciel discenda from Maria Stuarda Rossini Overture to Guglielmo Tell Donizetti Que faire Sol adoré de la patrie from Dom Sébastien, Roi de Portugal Bellini Se Romeo tuccise un figlio from I Capuleti e i Montecchi Chapí Prelude to La Revoltosa Barbieri Canción de Paloma from El Barberillo de Lavapies Chapí Romanza de Socorro from El barquillero Giménez Intermezzo from La boda de Luis Alonso Bizet from the Opera Carmen i Prélude (Act I) ii Habanera (Act I) iii. Entracte (Act IV) v. Séguedille (Act I) vi. Entracte (Act II) vii. Chanson bohème (Act II)
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