Zur OMM-Homepage Zur OMM-Homepage Veranstaltungen & Kritiken
Konzerte
Zur Homepage Zur Konzert-Startseite E-mail Impressum



Hilary Hahn

Vasily Petrenko

The Royal Liverpool
Philharmonic Orchestra


30. Oktober 2008

Tonhalle Düsseldorf
Homepage

Tonhalle Düsseldorf


Homepage

DEAG Classic
www.deag.de/
Tschaikowsky für Diabetiker

Von Gerhard Menzel

Der allseits bekannte Verriss, den Eduard Hanslick nach der Uraufführung von Tschaikowskys Violinkonzert 1881 veröffentlichte, in dem er "die schauerliche Idee" formulierte, "ob es nicht auch Musikstücke geben könnte, die man stinken hört", schien den Dirigenten Vasily Petrenko dazu bewegt zu haben, dem ganzen Tschaikowsky eine musikalische Diät zu verordnen und ihn kalorienreduziert und akustisch neutralisiert in den Sternenhimmel der Düsseldorfer Tonhalle zu jagen. Dieser Eindruck kam nicht nur bei Tschaikowskys Violinkonzert auf, sondern besonders bei dessen 5. Symphonie.

Vasily Petrenko wurde 1976 in Sankt Petersburg geboren, wo er auch studierte und anschließend dort als Chefdirigent an der Staatsakademie wirkte. 2004 übernahm er das Royal Liverpool Philharmonic Orchestra als jüngster und erster russischer Chefdirigent in dessen 165-jährigen Geschichte. Für zwei Konzerte kamen sie mit Hilary Hahn nach Deutschland und präsentierten in der Tonhalle Düsseldorf Tschaikowskys berühmtes Violinenkonzert.


Vergrößerung in neuem Fenster Foto: © Gerhard Menzel

Im Januar 2008 war Hilary Hahn mit diesem Konzert bereits in Essen zu hören. Mit dem Royal Scottish National Orchestra unter der Leitung von Stéphane Denève klang es damals wie ein fein gesponnenes "Elfenkonzert" (siehe: OMM-Bericht). In der Aufführung mit Vasily Petrenko und dem Royal Liverpool Philharmonic Orchestra in Düsseldorf klang es dagegen ungewöhnlich "neutral" und emotionsfrei. Zwar begeisterte Hilary Hahn wieder durch die Virtuosität und Tonschönheit ihres Spiels sowie ihre bemerkenswerte Gestaltungsfähigkeit, aber insgesamt wirkte es hier eher technisch Perfekt, konzentriert, nüchtern und mit verhaltenem Enthusiasmus gespielt. Viel inniger und "mit Herz" musiziert verzauberte sie jedoch abschließend das Publikum mit ihrer Zugabe, der Sarabande aus Bachs Partita Nr. 2 d-Moll.

Wesentlich differenzierter als das Violinkonzert präsentierte Vasily Petrenko und das Royal Liverpool Philharmonic Orchestra Tschaikowskys 5. Symphonie. Das um möglichste Präzision bemühte und engagiertes Orchester wurde von Vasily Petrenko zu absoluter Höchstleistung gefordert (auch wenn das Hornsolo im 2. Satz kein Glanzstück war). Extrem schnelle Tempi ließen das Spiel allerdings weniger schwungvoll als viel mehr gehetzt und die Interpretation mehr oberflächlich und glänzen wollend wirken.

Was Tschaikowskys 5. Symphonie wirklich an klanglichem und emotionalem Ausdruck zu bieten hat, war beim Gastspiel des Orchesters des Mariinsky-Theaters St. Petersburg am Wochenende zuvor im Konzerthaus Dortmund zu erleben (siehe: OMM-Bericht).


FAZIT

Tschaikowsky ohne Kalorien, aber auch ohne Geschmack.




Ihre Meinung
Schreiben Sie uns einen Leserbrief
(Veröffentlichung vorbehalten)
Hilary Hahn
Violine

Vasily Petrenko
Dirigent

The Royal Liverpool
Philharmonic Orchestra


P. I. Tschaikowsky
Konzert für Violine und Orchester
D-Dur op. 35

P. I. Tschaikowsky
Symphonie Nr. 5 e-Moll op. 64



Weitere Informationen

Hilary Hahn
www.hilaryhahn.com/

The Royal Liverpool
Philharmonic Orchestra
www.liverpoolphil.com/

Tonhalle Düsseldorf
www.tonhalle-duesseldorf.de

DEAG Deutsche Entertainment AG
www.deag.de



Da capo al Fine

Zur OMM-Homepage Zur Konzert-Startseite E-Mail Impressum
© 2008 - Online Musik Magazin
http://www.omm.de
E-Mail: konzerte@omm.de

- Fine -