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Sonderkonzert
Pittsburgh Symphony Orchestra


31. Januar 2008
Historische Stadthalle Wuppertal, Großer Saal
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Historische Stadthalle Wuppertal
Marek Janowski in seiner "alten Heimat"
Ein phänomenales Gastkonzert mit Brahms

Von Gerhard Menzel

Der 1939 in Warschau geborene Marek Janowski verlebte seine Jugend in Wuppertal, wo er nun auch erstmals in der Historischen Stadthalle dirigierte.

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Marek Janowski
Foto: Pittsburgh Symphony Orchestra

Nach der Schulzeit verließ Marek Janowski Wuppertal, um nach Korrepetitoren- und Kapellmeistertätigkeiten in Aachen, Köln, Düsseldorf und Hamburg als Generalmusikdirektor zunächst nach Freiburg i. Br. und anschließend nach Dortmund zu wechseln. Er gastierte sowohl an der Metropolitan Opera New York und der Wiener Staatsoper, als auch in Chicago, Paris, München, Hamburg und Berlin. In den neunziger Jahren hat sich Marek Janowski allerdings aus dem Opernbetrieb zurückgezogen und sich auf den Konzertbereich konzentriert. Er leitete das Kölner Gürzenich-Orchester, die Dresdner Philharmonie, das Orchestre Philharmonique de Radio France und das Orchestre Philharmonique de Monte Carlo. Seit 2002 prägte Marek Janowski als Künstlerischer Leiter das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin und übernahm 2005 zusätzlich die Leitung des Orchestre de la Suisse Romande in Genf. Außerdem ist Marek Janowski Endowed Guest Conductor des Pittsburgh Symphony Orchestra.

Auch durch seine mehr als 50 zumeist mit internationalen Preisen ausgezeichneten Schallplatten konnte Marek Janowski Maßstäbe setzen und ein großes Publikum erreichen. Neben kompletten sinfonischen Zyklen und mehreren Operngesamtaufnahmen ist seine Gesamteinspielung von Richard Wagners Tetralogie "Der Ring des Nibelungen" mit der Staatskapelle Dresden (1980-83) immer noch eine der Interessantesten.

Vergrößerung in neuem Fenster Pittsburgh Symphony Orchestra

Das 1895 in Pittsburgh, dem "amerikanische Ruhrgebiet", gegründete Orchester ist eines der ältesten und traditionsreichsten Orchester der USA, zu deren Musikdirektoren in neuerer Zeit auch Lorin Maazel und Mariss Jansons gehörten.

Dass nun das Pittsburgh Symphony Orchestra auf seiner "Ambassador Tour to Europe", die anlässlich des 250-jährigen Jubiläums der Stadt Pittsburgh stattfand, auch in Wuppertal Station machte, ist wohl nicht nur der regionalen Wirtschaftsentwicklungsagentur von Pittsburgh, The Allegheny Conference on Community Development zu verdanken, die das Konzert in Wuppertal zum Anlass nahm, wichtige Kontakte zur Wirtschaft und Regierung zu knüpfen sowie zum Austausch über zukünftige Kooperationen und Investitionsprojekte anzuregen, sondern auch dem in Wuppertal aufgewachsenen Marek Janowski.

Dieses Konzert war aber nicht nur aus biographischen Gründen ein ganz besonderes, sondern auch von seiner außergewöhnlichen und überragenden musikalischen Qualität her.

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Julia Fischer
Copyright: Kasskara

Für den ganz großen Glanz im ersten Teil des Konzertes sorgte die 1983 in München geboren Julia Fischer, die mit ihrer herrlich tönende Violine - in ein riesiges, edel changierendes "Orchesterkleid" des Pittsburgh Symphony Orchestra gehüllt - das Violinkonzert von Johannes Brahms zu einem wahren Klangerlebnis werden ließ.

Der Gewinn des internationalen Yehudi-Menuhin-Wettbewerbs 1995 beschleunigte die Kariere von Julia Fischer so schnell und stetig, dass sie heute schon eine führende Position in ihrem Fach einnimmt und sich inzwischen aussuchen kann, mit welchen Dirigenten und Orchestern dieser Welt sie musizieren möchte. Da sie ihr Können anscheinend auch pädagogisch gut zu vermitteln weiß, erhielt sie im Oktober 2006 eine Professur an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt/Main, was auf einen guten Nachwuchs hoffen lässt..

Ihr Spiel deckt alle nur erdenklichen musikalischen Facetten ab. Ob energiegeladen und zum Teil explosiv, bis hin zu sehr gefühlvoll gestalteten melodischen Passagen, ihr Ton hat immer eine ungeheure Intensität und Strahlkraft. Allein wie sie die Steigerung von der Kadenz des ersten Satzes zum orchestralen Schlusspunkt führte, war schon herausragend. Auch hierbei erwiesen sich Marek Janowski und das Pittsburgh Symphony Orchestra als aufmerksame und mitgestaltende Partner.

Nach dem schwärmerischen zweiten Satz mit der Umspielung des sehnsuchtsvollen, traumhaft geblasenen Oboenthemas, sorgte das musikalisch und vor Spielfreude nur so sprühende Finale für riesige Begeisterung. Ganz deutlich zu hören war dabei auch, dass es Julia Fischer immer zunächst um die musikalisch emotionale Darstellung der Komposition geht und nicht um möglichst lupenreine Tonproduktion. Dabei ist ihr ganzer Körper bis in die letzte Faser hinein durchströmt vom Geist der Musik, den sie verlustfrei in energiegeladene und nachhaltig wirkende Töne auf ihr herrliches Instrument und auf das Publikum überträgt.

Dem begeisterten Publikum in der Historischen Stadthalle Wuppertal präsentierte Julia Fischer dann noch als Zugabe den 3. Satz aus der g-Moll Sonate von Paul Hindemith. Er ist zwar technisch äußerst anspruchsvoll, aber wenn er so meisterlich gespielt wird, sogar ein musikalisches und klangliches Erlebnis.

Im zweiten Teil des Abends stand die Symphonie Nr. 4 e-Moll von Johannes Brahms auf dem Programm. Sie gehört zwar zum Konzert-Standardrepertoire und ist des öfteren zu hören, aber so nicht. Zu dem warmen, weichen, aber klar konturierten und volltönenden Streicherklang des Pittsburgh Symphony Orchestra (Julia Fischer wirkte hierbei im Kollektiv der Violinen mit!) gesellen sich Blech- und Holzbläser - darunter die berückend schön klingende Solooboe -, die technisch und klanglich so perfekt aufeinander abgestimmt sind, dass sich dieses Orchester nicht hinter den sonst als "großen" Orchestern bezeichneten Klangkörpern verstecken muss. In dieser Form, wie sie sich in Wuppertal präsentierten, gehören sie zur absoluten Weltspitze. Ein Paradebeispiel dafür war - neben den berauschenden Cellokantilenen und kraftvoll tönenden Hörnerpassagen - der 2. Satz, in dem das Pizzikato der Streicher mit den Holzbläsern und Hörnern eine harmonische Einheit bildeten, was einen perfekt aufeinander abgestimmten Klang ergab. Auch solche butterweichen und wohlklingenden Bläsereinsätze und nie nur lauten Akzente, sind selten so überzeugend zu hören.

Marek Janowski hatte hier fabelhafte Orchesterarbeit geleistet und erwies sich zudem als ein Meister der Gestaltung und Differenzierung. Immer das Große und Ganze im Blick, schuf er, sensibel den Phrasen nachspürend und spannungsvoll gestaltend, große Bögen, die einen regelrechten Sog erzeugten. Immer sparsam in den Mitteln, weiß Marek Janowski immer, wann der richtige Zeitpunkt kommt, um die musikalischen Mittel zu bündeln und so die größtmögliche Emotionen zu verklanglichen.

Vom Publikum mit Ovationen und Standing Ovations gefeiert, verabschiedete sich Marek Janowski und das phantastische Pittsburgh Symphony Orchestra mit zwei Zugaben - natürlich von Brahms - aus Wuppertal. Es war ein musikalisches Fest, dass noch lange in Erinnerung bleiben wird.


FAZIT

Brahms vom Feinsten, gespielt von Musikern der absoluten Spitzenklasse!






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Pittsburgh Symphony Orchestra

Julia Fischer
Violine

Marek Janowski
Leitung




Johannes Brahms
Konzert für Violine und Orchester
D-Dur op. 77

Johannes Brahms
Symphonie Nr. 4 e-Moll op. 98



Weitere Informationen

Historische Stadthalle Wuppertal
www.stadthalle.de

Das Pittsburgh Symphony Orchestra
www.pittsburghsymphony.org/

Julia Fischer
www.juliafischer.com










Da capo al Fine

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