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Zwei neue Sterne am Musikhimmel
Von Christoph Wurzel Jedenfalls in Europa sind diese beiden Namen in der Musikwelt noch weitgehend unbekannt: die Pianistin Anna Polonsky, geboren in Russland und der aus Istanbul stammende Cellist Efe Baltacigil, die sich jetzt auf einer ersten größeren Tournee in Europa vorstellen. In den USA, wo beide in jungen Jahren immigrierten, sind sie allerdings keine unbeschriebenen Blätter mehr. Dort haben sie ihre Visitenkarten bei zahlreichen renommierten Adressen bereits abgegeben. Jüngst hat sie die Carnegie Hall zu Rising Stars erkoren. Wie hell diese neuen Sterne leuchten, konnte man nun in Baden-Baden anlässlich einer Kammermusikmatinee erleben.
Anna Polonsky und Efe Baltacigil beim Künstlergespräch in Baden-Baden Foto: Christoph Wurzel
Das Duo hatte ein interessantes Programm zusammengestellt, das beiden Instrumenten Raum zur eigenen Profilierung ließ, ohne die kammermusikalische Partnerschaft zu vernachlässigen. In den Variationen über das Papageno-Lied führten die Künstler durch die ganze Bandbreite der Beethovenschen Variationskunst, angefangen bei der erfrischend heiteren Vorstellung des Themas bis hin zu den wehmütig eingefärbten Molltrübungen. Besonders die Pianistin ließ in dieser Komposition, die doch mehr vom Klavier her gedacht zu sein scheint, durch eine fein nuancierte Anschlagskunst aufhorchen. Der Cellist rückte besonders in der Komposition seines türkischen Landsmannes Hasan Ucarsu in den Mittelpunkt, indem er am Schluss dieser vom Kolorit der traditionellen Sufimusik beeinflussten Variationen die Melodie der verwendeten Volksweise leise mitsang. Als zentrale Werke standen Schostakowitschs Cellosonate aus dem Jahre 1934 und Brahms 2. Sonate für Violoncello und Klavier aus dem Jahre 1886 auf dem Programm des Konzerts zwei von spätromantischen Gefühlsregungen und spieltechnischen Raffinessen zugleich durchzogenen Werken. Hier war das ausgeprägt einfühlsame Zusammenspiel beider Künstler am deutlichsten zu spüren und es zeigte sich der intensive Ausdruckswille, den beide Künstler ihrem Instrument aufprägten. In der Sonate von Schostakowitsch ließ die Stimmung besonders des 3. Satzes schon viel von Einsamkeit und Schmerz in seinen viel späteren Werken erahnen. Im Largo führte der körperreiche, glutvolle Celloton Baltacigils in emotional tiefe Sphären des musikalischen Ausdrucks. Und auch in der Brahmssonate war der 2. Satz von eindringlichem Ernst getragen, stellenweise wie eine Reminiszenz an das Deutsche Requiem und ein Anklang an den melancholischen Spätstil des Komponisten. In beiden Werken wurden die Künstler auch den spieltechnischen Anforderungen souverän gerecht. Besonders gelang Anna Polonsky in der Brahmssonate ein durchsichtiger und schlanker Klaviersatz. Efe Baltacigil konnte vor allem im 2. Satz der Schostakowitsch-Sonate mit delikaten klanglichen Wirkungen beeindrucken.
Man braucht gar nicht viel Phantasie zu haben um zu prophezeien, dass die Namen dieser beiden jungen Künstler auch in Europa bald zu den wohlbekannten gehören werden. Ihre Meinung Schreiben Sie uns einen Leserbrief (Veröffentlichung vorbehalten) |
Efe Baltacigil Violoncello Anna Polonsky Klavier Ludwig van Beethoven Zwölf Variationen über Ein Mädchen oder Weibchen F-Dur Op. 66 Dimitri Schostakowitsch Sonate für Violoncello und Klavier d-Moll Op. 40 Hasan Ucarsu Türkü Johannes Brahms Sonate für Violoncello und Klavier Nr. 2 F-Dur Op. 99
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