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Zeljko Vlahovic
Feuerwerk am Klavier


Konzert im Kammersaal der Universität der Künste
am 29. März 2008


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Poetische Virtuositätsraketen

Von Annika Senger

„Feuerwerk am Klavier“ nennt sich das Programm, mit dem der 1973 in Zagreb geborene Pianist Zeljko Vlahovic seit etwa zwei Jahren auf Tournee geht. Besonders einem Komponisten hat sich der Absolvent der Musikhochschulen in Zagreb, Graz und Frankfurt am Main mit intensiver Leidenschaft verschrieben: Franz Liszt. Die Ungarischen Rhapsodien in B-Dur und in Des-Dur bilden einen krönenden Abschluss des Konzertes in der Berliner Universität der Künste, das andächtig mit dem „Blumenleben, Op. 19“ der kroatischen Komponistin Dora Comitissa de Pejasevich beginnt. Verträumt, romantisch, mit einem Hauch von Melancholie zeichnen die Melodien poetische Klangbilder von Veilchen, Rosen, Maiglöckchen, Lilien und Chrysanthemen. Vlahovic setzt das Werk seiner „Landsmännin“ stimmungsvoll um und nutzt den ebenfalls aus ihrer Feder stammenden „Valse de Concert, Op. 21“ als fröhlich verspielte Überleitung zu Liszt. Schon in diesem ausgelassenen Walzer, den Vlahovic neu in sein Programm aufgenommen hat, zündet er die ersten Raketen seines Feuerwerks an Virtuosität – die Vorboten von dem, was die Zuhörer bei Liszts Nocturne „Les Cloches de Génève“ und noch mehr bei „Consolation III“ erwartet. Das Nachtstück startet ruhig und verhalten, schließlich überrascht Vlahovic mit einem sich steigernden Stimmungswechsel, der in „Consolation III“ kulminiert. Die Auswahl der Stücke, so könnte man annehmen, hat der Pianist nicht von ungefähr getroffen: Zwar stammen sie aus unterschiedlichen Zyklen, doch sie verschmelzen zu einer Einheit aus Stimmungsbildern, die auf einen Höhepunkt zusteuern: In beiden Programmhälften ist dieser bei Liszt angesiedelt. Vlahovic hat die Musik so stark verinnerlicht, dass er sie nicht nur reproduziert, sondern ihr einen ganz persönlichen Stempel aufdrückt. Es scheint, als erzähle er am Klavier selbst erlebte Geschichten.

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Zeljko Vlahovic

Nach der Pause stehen fünf Stücke von Frédéric Chopin auf dem Programm: Hier jongliert Vlahovic akzentuiert mit einem Wechselspiel an musikalisch ausgedrückten Emotionen. Das „Nocturne in cis-Moll“, ein posthumes Werk, macht erneut einen Streifzug durch die Welt der Melancholie, während die „Polonaise in A-Dur, Op. 40“ majestätisch triumphierend den Saal erfüllt. Drei Walzer schlagen eine Brücke zu Liszts Ungarischen Rhapsodien. Temperament und Leidenschaft paaren sich hier mit technischer Präzision auf Spitzenniveau. Das Publikum ist so ergriffen, dass es Vlahovic am liebsten gar nicht gehen lassen möchte. Er brilliert also mit zwei Zugaben, dem „Staccato“ von Francis Poulenc und dem „Tanz der Baronin“ des zeitgenössischen kroatischen Komponisten Frano Parac. Es handelt sich um eine äußerst aggressive, dem Wahnsinn verfallene Baronin, wie Vlahovic vorher erklärt. Furios dissonant lässt er seine Finger mit der Baronin tanzen – und macht damit die zweite Zugabe zum heimlichen Höhepunkt des Konzertes.


FAZIT

Ein Ausnahmetalent – zu recht als „Poet unter den Pianisten“ gefeiert.




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Zeljko Vlahovic
Klavier




Dora Comitissa de Pejasevich
Blumenleben, Op. 19:
- Veilchen
- Rose
- Maiglöckchen
- Lilien
- Chrysanthemen

Dora Comitissa de Pejasevich
Valse de Concert, Op. 21

Franz Liszt
Les Cloches de Génève, Nocturne
Consolation III

Frédéric Chopin
Nocturne cis-moll, Oeuvre posthume
Polonaise A-Dur, Op. 40 Nr. 1
Walzer f-moll, Op. 69 Nr.1
Walzer Des-Dur, Op. 64 Nr. 1
Walzer e-moll, Oeuvre posthume

Franz Liszt
III. Rhapsodie Hongroise, B-Dur
VI. Rhapsodie Hongroise, Des-Dur



Weitere Informationen

Universität der Künste
http://www.udk-berlin.de/

Zeljko Vlahovic
www.zeljkovlahovic.de/



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