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Poetische Virtuositätsraketen
Von Annika Senger Feuerwerk am Klavier nennt sich das Programm, mit dem der 1973 in Zagreb geborene Pianist Zeljko Vlahovic seit etwa zwei Jahren auf Tournee geht. Besonders einem Komponisten hat sich der Absolvent der Musikhochschulen in Zagreb, Graz und Frankfurt am Main mit intensiver Leidenschaft verschrieben: Franz Liszt. Die Ungarischen Rhapsodien in B-Dur und in Des-Dur bilden einen krönenden Abschluss des Konzertes in der Berliner Universität der Künste, das andächtig mit dem Blumenleben, Op. 19 der kroatischen Komponistin Dora Comitissa de Pejasevich beginnt. Verträumt, romantisch, mit einem Hauch von Melancholie zeichnen die Melodien poetische Klangbilder von Veilchen, Rosen, Maiglöckchen, Lilien und Chrysanthemen. Vlahovic setzt das Werk seiner Landsmännin stimmungsvoll um und nutzt den ebenfalls aus ihrer Feder stammenden Valse de Concert, Op. 21 als fröhlich verspielte Überleitung zu Liszt. Schon in diesem ausgelassenen Walzer, den Vlahovic neu in sein Programm aufgenommen hat, zündet er die ersten Raketen seines Feuerwerks an Virtuosität die Vorboten von dem, was die Zuhörer bei Liszts Nocturne Les Cloches de Génève und noch mehr bei Consolation III erwartet. Das Nachtstück startet ruhig und verhalten, schließlich überrascht Vlahovic mit einem sich steigernden Stimmungswechsel, der in Consolation III kulminiert. Die Auswahl der Stücke, so könnte man annehmen, hat der Pianist nicht von ungefähr getroffen: Zwar stammen sie aus unterschiedlichen Zyklen, doch sie verschmelzen zu einer Einheit aus Stimmungsbildern, die auf einen Höhepunkt zusteuern: In beiden Programmhälften ist dieser bei Liszt angesiedelt. Vlahovic hat die Musik so stark verinnerlicht, dass er sie nicht nur reproduziert, sondern ihr einen ganz persönlichen Stempel aufdrückt. Es scheint, als erzähle er am Klavier selbst erlebte Geschichten.
Zeljko Vlahovic Nach der Pause stehen fünf Stücke von Frédéric Chopin auf dem Programm: Hier jongliert Vlahovic akzentuiert mit einem Wechselspiel an musikalisch ausgedrückten Emotionen. Das Nocturne in cis-Moll, ein posthumes Werk, macht erneut einen Streifzug durch die Welt der Melancholie, während die Polonaise in A-Dur, Op. 40 majestätisch triumphierend den Saal erfüllt. Drei Walzer schlagen eine Brücke zu Liszts Ungarischen Rhapsodien. Temperament und Leidenschaft paaren sich hier mit technischer Präzision auf Spitzenniveau. Das Publikum ist so ergriffen, dass es Vlahovic am liebsten gar nicht gehen lassen möchte. Er brilliert also mit zwei Zugaben, dem Staccato von Francis Poulenc und dem Tanz der Baronin des zeitgenössischen kroatischen Komponisten Frano Parac. Es handelt sich um eine äußerst aggressive, dem Wahnsinn verfallene Baronin, wie Vlahovic vorher erklärt. Furios dissonant lässt er seine Finger mit der Baronin tanzen und macht damit die zweite Zugabe zum heimlichen Höhepunkt des Konzertes.
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Zeljko Vlahovic Klavier Dora Comitissa de Pejasevich Blumenleben, Op. 19: - Veilchen - Rose - Maiglöckchen - Lilien - Chrysanthemen Dora Comitissa de Pejasevich Valse de Concert, Op. 21 Franz Liszt Les Cloches de Génève, Nocturne Consolation III Frédéric Chopin Nocturne cis-moll, Oeuvre posthume Polonaise A-Dur, Op. 40 Nr. 1 Walzer f-moll, Op. 69 Nr.1 Walzer Des-Dur, Op. 64 Nr. 1 Walzer e-moll, Oeuvre posthume Franz Liszt III. Rhapsodie Hongroise, B-Dur VI. Rhapsodie Hongroise, Des-Dur
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