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Historische Stadthalle am Johannisberg Wuppertal, Großer Saal
1. Februar 2006

wise guys

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Stadthalle Wuppertal

Familienparty mit Sicherheitsnetz

Von Stefan Schmöe


Sie haben den a-capella-Gesang perfektioniert, sind traumwandlerisch sicher aufeinander abgestimmt. Sie schreiben witzige Lieder von hintergründigem Humor. Sie verbreiten gute Laune und haben ihr Publikum fest in der Hand – auch, weil sie die Nähe zum Publikum suchen, während der Show wie danach. Sie setzen sich für eine bessere Welt ebenso ein wie für den Verkauf ihrer CDs. Die Wise Guys schwimmen auf der Erfolgswelle, wie die restlos ausverkaufte Große Saal der Wuppertaler Stadthalle zeigte.

Nachdem zwei Konzerte in Köln krankheitsbedingt abgesagt werden musste, bildete der Auftritt in Wuppertal den Auftakt zu einer großen Tournee quer durch Deutschland mit Abstechern in die Schweiz und nach Österreich. Auf dem Programm stehen vorwiegend Lieder der vorigen und der demnächst erscheinenden CD, darunter der bereits als Single erschiene Song „Weltmeister“. Die Wise Guys bleiben ihrem Stil darin treu. Ohne jegliches Instrument (Bass und Percussion imitieren sie vokal) bestreiten sie deutlich über zwei Stunden auf der Bühne. Sie witzeln über einander, sie spotten ein wenig über die Stadt, in der sie gerade auftreten. Irgendwann darf das Publikum auch mal mitsingen. Das alles ist ausgesprochen souverän (ein wenig schlampig sind die Wise Guys dagegen, was die Textverständlichkeit betrifft).

Trotzdem bleibt eine leise Enttäuschung. Wozu eigentlich benötigt man eine a-capella-Gruppe, die zwar annähernd perfekt eine „richtige“ Band imitiert, aber deren klangliche Qualitäten naturgemäß nicht erreichen kann? Der riesige Erfolg – inzwischen singen die fünf sympathischen Kölner gerne auch open air vor 10000 Zuhörern – führt dazu, dass die Intimität, die der a-capella-Gesang benötigt, weitgehend verloren geht. Die ironische Brechung, die an den besten Stellen des Programms durch das Karikieren von Instrumentalmusik gerade den Reiz ausmacht, fehlt in weiten Teilen des Abends. Statt dessen wird das Publikum in Partylaune versetzt und zum Mitklatschen animiert wie einst in Dieter Thomas Hecks Hitparade. Die Wise Guys pflegen ein Image als nette Boy Group – und der kommerzielle Erfolg gibt ihnen recht.

Überhaupt bleibt an vielen Stellen offen, was ironisch gemeint ist und was nicht. Da nur ein Wise Guy leidlich bühnentauglich tanzen kann, ist die Show als solche, nimmt man professionelle Bands zum Vergleich, bescheiden. Mann kann die spartanische Choreographie der Gruppe natürlich parodistisch auffassen, darf sie aber auch für ernst nehmen: Da ist sozusagen Netz und doppelter Boden für unterschiedlichste Interpretation eingebaut. Und die Lieder sind zwar amüsant, aber auch hier sind die Boshaftigkeiten auf familientaugliches Niveau abgemildert. So gibt es beispielsweise kräftige Pauschalkritik am Fernsehprogramm (so etwas kommt immer gut an), aber im nachfolgenden Song wird diese Medienkritik dann ausgerechnet am Quizsender 9live festgemacht, der nun auch nicht im Entferntesten intellektuelles Profil für sich beanspruchen würde. Das ist Kritik, die garantiert niemandem weh tut und den Konsens mit dem Publikum absolut sicher garantiert. Nur ganz selten – viel zu selten - werden die Wise Guys einmal richtig schön frech (dann geht prompt ein Raunen durchs Publikum). Etwas mehr Anarchie dürften die fünf ruhig verbreiten.


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Da capo al Fine

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