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Lutz-Werner Hesse
Variationen ohne Thema für großes Orchester op. 45 (UA)


22./23. Januar 2006

Sinfonieorchester Wuppertal
Historische Stadthalle Großer Saal
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Sinfonieorchester Wuppertal
Vergnügliche Variationen


Von Frank Becker 


Lutz-Werner Hesse (*1955) zählt heute bereits zur jungen Elite zeitgenössischer deutscher Komponisten.  Der Jürg Baur- Schüler, Professor an der Hochschule für Musik Köln (Standort Wuppertal), Gründer und Vorsitzender der "Bergischen Gesellschaft für Neue Musik" (BeGNM) sowie Vorsitzender der Konzertgesellschaft Wuppertal  ist kein Komponist "für die Schublade". Seine Werke sind aktuell, populär und bei Orchestern, Dirigenten und Publikum äußerst beliebt, wie die Aufführungszahlen belegen.

Hesses jüngstes Werk, zugleich raffinierte Reminiszenz an musikhistorisch bedeutende Momente und originäres Schaffen  im Kontext der zeitgenössischen musikalischen Progression, riß in und besonders nach den 45 Minuten seiner doppelten Uraufführung am 22. und 23. Januar 2006 den jeweils ausverkauften Saal in der Historischen Stadthalle Wuppertal zu Ovationen hin.
Stellen sie sich eine sehr große Sanduhr vor, deren oberes Glas mit Musik gefüllt ist, Musik in acht unterschiedlich farbigen Schichten. Das Behältnis beginnt sich durch die Taille der Uhr in das untere Glas zu leeren, Schicht für Schicht, Farbe um Farbe, Klang um Klang, Satz um Satz. Nocturne, Gesang, Scherzo, Choral, Perpetuum, Rezitativ, Fuge und Sarabande fließen durch diese Taille, die das Ohr des Hörers ist. Die Unterschiedlichkeit der ohne Pausen ineinanderfließenden Sätze macht aus dem Ablauf ein immer wieder neues Hörvergnügen, zumal die Musik äußerst unterhaltsam ist, vom sanften Nocturne zu Beginn bis zum furiosen Crescendo in Rezitativ und Sarabande. Nach dem "Durchlauf" der Sätze entsteht eine kleine Pause zum quasi Ausschwingen lassen der Schlaginstrumente. Und nun folgt (das obere Glas ist geleert) das Thema, das natürlich stets im Hintergrund gestanden hat, noch einmal bildlich beschrieben: die Sanduhr wird umgedreht und aus den jetzt ineinander verlaufenen Schichten erscheint  aus Antoine Boessets Air "Frescos ayres del prado", zierliche Renaissance-Musik des 17. Jahrhunderts - leicht, wolkig, angenehm. Es sollte nicht wundern, wenn dieses op. 45 neben seinem "Vita di San Francesco" op. 18 und dem Hornkonzert op. 32 zu einem von Hesses meist aufgeführten Werken wird.

Vergrößerung Lutz-Werner Hesse
(Foto: Bettina Oswald /
Sinfonieorchester Wuppertal)


Hesse über sein op. 45: "Die Bezeichnung "Variationen ohne Thema" scheint paradox, gehört es doch zum Wesen der Gattung "Variation", dass ein am Anfang exponiertes Thema (meist das eines anderen Komponisten) im Verlaufe eines Werkes beständig verändert und verfremdet wird, bis es kaum noch, oder nur noch einzelne seiner Elemente erkennbar sind.
In diesem Werk wird der umgekehrte Weg beschritten. Es gibt ein Thema, doch erscheint dieses am Ende der Komposition gewissermaßen als Ergebnis eines Entwicklungsprozesses. Das Thema für diese Komposition stammt von Anthoine Boesset (1587 – 1643), einem der wichtigsten Komponisten der "Air de Cour", der Musik am französischen Königshof. König Ludwig XIII (1617-1643) schätzte Boesset ganz besonders und zeichnete ihn mit höchsten Ehren aus. Das Klima am Königshof war in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts von einer elegischen, hochemotionalen Atmosphäre geprägt, die sich auch in der Vorliebe des Königs für eine Musik zeigte, die vor allem Texte um die Themen unglückliche Liebe oder unglückliches Schicksal vertonte. Zwischen 1617 und 1642 veröffentlichte Boesset neun Bücher mit vier- und fünfstimmigen "Airs de Cour". Er vertonte die Texte der bedeutendsten Dichter seiner Zeit, übrigens nicht nur die französischer, und greift die oben genannten Themen immer wieder auf. Daher sind seine "Airs" auch häufig voll von melancholischem Ausdruck. Boesset zeigt sich in ihnen als ein früher Meister der Melodie. "

Lutz-Werner Hesse war mehrfach Preisträger von Kompositionswettbewerben, so z.B. beim "Forum junger deutscher Komponisten". Im Jahr 2001 erhielt er den Preis der "Enno und Christa Springmann-Stiftung". Seine Werke erschienen auf CDs des Labels "col legno".

Ein Tip für Hesse-Freunde: Am 9.5. (in Solingen) und am 10.5. (in Remscheid) wird Lutz-Werner Hesses Symphonie Nr. 4 "Abhanden gekommen", derzeit noch ohne Opus-Zahl, von den
Bergischen Symphonikern unter Romely Pfund uraufgeführt.


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Sinfonieorchester Wuppertal

Toshiyuki Kamioka
Leitung



Lutz-Werner Hesse
Variationen ohne Thema für großes
Orchester  op. 45
(Uraufführung)


Kompositionsauftrag des
Sinfonieorchester Wuppertal



Weitere Informationen
erhalten Sie vom

Sinfonieorchester Wuppertal

und unter

www.lutz-werner-hesse.de



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