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"Oper fördern"
Von Bernd Stopka Das Engagement herausragender Künstler, die Unterstützung des künstlerischen Nachwuchses und die Unterstützung des Kinder- und Jugendprogramms der Staatsoper Hannover hat die Stiftung Staatsoper Hannover zu ihren wichtigsten Zielen erklärt. Mit einem Festkonzert wurde am 10. September 2005 die Geburtsstunde gefeiert. Die Schirmherrschaft hat Thomas Quasthoff übernommen, der beim Festakt aber nicht anwesend sein konnte. Eine halbe Stunde vor Beginn des Konzertes wurde im unteren Foyer des Opernhauses eine gläserne Stiftertafel enthüllt, die neben der Gesellschaft der Freunde des Opernhauses e. V. als Stifterin auch die privaten und institutionellen Zustifter nennt mit reichlich Platz für weitere Mäzene.
Enthüllung der Stiftertafel.Hubert H. Lange, Vorsitzender des Vorstands der Gesellschaft der Freunde des Opernhauses, Dr. h.c. Manfred Bodin, Vorsitzender der Stiftungsrates, Albrecht Puhlmann, Intendant, Lutz Stratmann, Niedersächsischer Minister für Wissenschaft und Kultur. Foto von Christian Behrens
In den Grußworten und Reden dominierten die Dankesworte für die Initiatoren und Mäzene. Intendant Albrecht Puhlmann erläuterte die Entstehung der Stiftung durch die Zusammenführung der Stiftungsideen der Gesellschaft der Freunde des Opernhauses e. V. und einer Initiative, die im sogenannten Hannoverschen Opernstreit entstanden ist. Im Jahr 2003 spalteten sich die Lager wegen der hier ungewohnt eigenwilligen, zum Teil recht provokativen Inszenierungen unter der neuen Intendanz. In der Stiftung vereinen sich einige streitbare Geister wieder. Der Niedersächsische Minister für Wissenschaft und Kultur Lutz Stratmann verwies auf die überforderten öffentlichen Kassen und die Notwendigkeit privater Engagements, wenn die vielfältige deutsche Kulturlandschaft auf ihrem Qualitätsniveau erhalten bleiben soll. Die Förderung des künstlerischen Nachwuchses, sowie die Kinder- und Jugendarbeit - auch über den normalen Spielplan hinaus lag dem Minister dabei besonders am Herzen. Dr. h.c. Manfred Bodin sprach für den Gründungsvorstand der Stiftung. Er betonte neben der künstlerischen Bedeutung der Oper auch ihre Bedeutung für das gesellschaftliche und ökonomische Leben der Stadt. Die Förderung der Oper ist eine Herausforderung und ein Angebot Höhepunkte der Operngeschichte zu ermöglichen. Als Bürgerstiftung bietet sie jedem Freund der Oper die Möglichkeit sich durch Zustiftungen finanziell zu engagieren. Und diese Möglichkeit gab es auch gleich am Abend an einem eigens eingerichteten Spendentisch. Schon mit dem Kauf der Eintrittskarten zu Preisen von 50, 75 oder 100 Euro, deren Erlös gänzlich der Stiftung zufließt, hatte sich das Publikum in die Gruppe der Mäzene eingereiht und war natürlich besonders gespannt auf das erste musikalische Ereignis, das die Stiftung präsentierte. Dass das Festkonzert eine Wagner-Gala werden sollte, ist besonders vor dem Hintergrund erfreulich, das Albrecht Puhlmann in den ersten Jahren seiner Intendanz Wagner ganz bewusst vom Spielplan verbannt hatte und diesen Bann erst in der letzten Saison mit der musikalisch hinreißenden, szenisch höchst umstrittenen Tristan-Produktion gebrochen hatte. Nun also konzertant der erste Akt der Walküre und zwei Ausschnitte aus der Götterdämmerung.
Louis Gentile und Christiane Ivenim ersten Akt Walküre. Foto von Christian Behrens
Ganz besonders begeisterte Christiane Iven durch ihre eindringliche, lebendige Gestaltung der Sieglinde. Ihr farbenreicher, inniger Sopran leuchtet in herrlichen Farben und besonders im Piano beeindruckt eine mädchenhaft reine Klarheit. Man darf auf ihrer erste szenische Sieglinde gespannt sein, ja, man darf sich darauf freuen. Für Louis Gentile ergab sich hier die Möglichkeit seinen heldisch-rauen Tenor in der Partie des Siegmund auszuprobieren, die noch nicht zu seinem Repertoire gehört. Attila Jun gestaltete mit durchdringendem, nebelhornartigem Bass einen gewaltig bösen Hunding. Generalmusikdirektor Shao-Chia Lü ließ mit dem überwiegend glänzend disponierten Staatsorchester die Leidenschaften toben und nahm sich genauso genussvoll der lyrisch-zarten Passagen an. Zuweilen hatte man den Eindruck, er lese die Partitur der Walküre ein wenig durch die Tristan-Brille was ihr außerordentlich gut bekam. Auch Siegfrieds Rheinfahrt und der Schluss der Götterdämmerung ließen keinen symphonischen Wunsch offen. Da war Wagner in seiner klanglichen Vielfalt zu hören. Mit Gabriele Schnaut hatte man für Brünnhildes Schlussgesang einen Star mit Weltruhm engagiert. Mit intensiver Mimik und Gestik gestaltete Sie ihren Auftritt und weckte schöne Erinnerungen an Ihre großen Bühnenauftritte in dieser Partie.
Shao-Chia Lü, Attila Jun, Louis Gentile, Christiane Iven und Gabriele Schnaut vor dem Niedersächsischen StaatsorchesterFoto von Thilo Nass
Es ist ja durchaus gewagt, die Geburt dieser Stiftung mit dem Weltuntergang der Götterdämmerung zu feiern. Aber das soll kein schlechtes Omen sein. Die Musik beschreitet hier ganz eindeutig neue Wege. Vielleicht ist - angesichts leerer öffentlicher Kassen - der Weg des Mäzenatentums der richtige, oder gar einzige Weg, die vielfältige Opernwelt am Leben zu erhalten - solange das Geld die Kunst ermöglicht, sie aber nicht bestimmt. Einen netten Ausklang bildete der anschließende Empfang, der sich besonders reizvoll auf dem Balkon des Opernhauses in der lauen Sommernacht bei exquisiten Leckereien genießen ließ. Oben blitzen die Sterne und an fast allen Revers blitzte das Muschelemblem der eingangs verteilten Anstecknadel. Ihre Meinung Schreiben Sie uns einen Leserbrief (Veröffentlichung vorbehalten) |
Christiane Iven, Sopran (Sieglinde) Gabriele Schnaut, Sopran (Brünnhilde) Louis Gentile, Tenor (Siegmund) Attila Jun, Bass (Hunding) Niedersächsisches Staatsorchester Hannover Musikalische Leitung GMD Shao-Chia Lü Die Walküre 1. Aufzug Siegfrieds Rheinfahrt Götterdämmerung Schlussgesang der Brünnhilde
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