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„Tabea Zimmermann & Friends I“

17.09.2005
Alte Oper Frankfurt
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Alte Oper Frankfurt
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Purgatorium zwischen Bartok und Brahms

Von Claus Huth / Fotos von Anna Meuer

Neben Helmut Lachenmann stand die Bratschistin Tabea Zimmermann als Interpretin im Mittelpunkt des diesjährigen „Auftakt“ der Alten Oper Frankfurt, und gleich zweimal hatte sie bei dieser Gelegenheit Freunde eingeladen, mit ihr gemeinsam zu musizieren. Die erste Begegnung, von der es hier berichtet wird, führte das Arcanto-Quartett (mit Tabea Zimmermann an der Viola) mit dem Pianisten Lars Vogt zu einer feurigen Aufführung von Brahms f-moll-Klavierquintett zusammen. Von den ersten lyrischen Takten, auf denen das ganze Quintett thematisch beruht, bis zum pfeffrigen Schluss ein vollmundiger Brahms mit fünf sehr individuellen Musikern, die sich wunderbar zu einem Ensemble fügten. Lars Vogt blieb dem schwierigen Klavierpart zwischen zupackend-auftrumpfender Pranke und lyrischer Zartheit nichts schuldig, deckte dabei die vier Streicher nie zu, sondern verstand es, das Klavier im Verhältnis zu den Streichern genau auszubalancieren.

Vergrößerung in neuem Fenster

Lars Vogt (Klavier), Tabea Zimmermann (Viola)
und Jean-Guihen Queyras (Violoncello)

Antje Weithaas und Daniel Sepec an den Violinen, Tabea Zimmermann an der Viola und Jean-Guihen Queyras am Cello bilden seit Mitte 2004 das Arcanto-Quartett. Naturgemäß verfügt die Formation noch nicht über einen unverwechselbaren Streichquartettklang, wie ihn langjährig zusammenspielende Ensembles etablieren können, aber diese vermeintliche „Schwäche“ ist zugleich auch die Stärke des Quartetts. Denn jeder der vier Musiker – allesamt exzellente Solisten – bringt eine sehr persönliche Note ein, das gemeinsame Musizieren wird zum Dialog zwischen den einzelnen Musikern. Vielleicht erklärt sich auch so, dass Lars Vogt überhaupt keine Probleme hatte, den vier Stimmen seine – ebenfalls ausgeprägt individuelle – Fünfte hinzuzufügen: Brahms Klavierquintett an diesem Abend eine wirkliche Sternstunde.

Vergrößerung in neuem Fenster Lars Vogt (Klavier) und das
Arcanto-Quartett: Antje Weithaas (Violine),
Daniel Sepec (Violine), Tabea Zimmermann (Viola)
und Jean-Guihen Queyras (Violoncello)

Am Beginn hatte Béla Bartoks längstes Streichquartett, sein 5. aus dem Jahre 1934 gestanden. Auch hier ein spannender Dialog zwischen den vier Musikern des Arcanto-Quartetts, doch gelegentlich hätte man der Musik Bartoks noch etwas mehr Freiheit, etwas mehr von dem rhapsodischen Gefühl gewünscht, dass Bartok so minutiös in seiner Partitur plant. Vor allem der Kopfsatz schien zu sehr bloß exekutiert, um zu wirken. Herrliche Momente im zweiten Satz, als sich Antje Weithaas' Violine verloren und einsam über dem erstaunlich nach Akkordeon klingenden Fundament ihrer Mitstreiter aussang. Doch erst im Scherzo mit seinen bulgarischen Elementen schienen sich die Musiker ganz warm gespielt zu haben: Hier war von der Lockerheit zu spüren, die das Stück bei aller strukturellen Komplexität doch braucht. Vielleicht war Bartoks Quartett wegen der extraordinären Schwierigkeiten der Ausführung auch kein so geschickt gewählter Einstieg: Man hätte sich die ganze Interpretation jedenfalls auf der Höhe der beiden Schlusssätze gewünscht.

Zwischen Bartok und Brahms aber stand die „Gastgeberin“ des Abends alleine auf der Bühne – ein seltenes Erlebnis leider, ein Solostück für Viola zu hören. György Ligeti hat für Tabea Zimmermann und von ihrem charakteristischen Ton inspiriert in den Jahren 1991-1994 eine sechssätzige Sonate für Viola solo komponiert. Diese spielte Tabea Zimmermann in Frankfurt seit längerem zum ersten Mal wieder: Sie selbst bezeichnet das grausam schwere Stück als ihr „Purgatorium“. Unter dieser Prämisse wird man sagen dürfen: An diesem Abend ging sie aus dem Fegefeuer unversehrt hervor. Souverän folgt sie Ligetis außergewöhnlichen Klangvorstellungen schon im ersten, nur auf der C-Saite zu spielenden Satz, in dem das neben dem reinen Ton entstehende Geräusch eine ebenso wichtige Rolle spielt. Die horrenden technischen Anforderungen wie etwa die schwierigen Doppelgriffe, meisterte Tabea Zimmermann so, als wäre es das Selbstverständlichste auf der Welt. Ligetis Sonate, ein aufregendes Stück, eines, das Interpretin und Instrument gnadenlos ausliefert und permanent an ihre Grenzen bringt: Der Komponist, hätte er diese alles auf eine Karte setzende Aufführung gehört, dürfte mit Tabea Zimmermann zufrieden gewesen sein. So wie es zweifellos am Ende des Abends auch Johannes Brahms gewesen wäre.


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Tabea Zimmermann
(Viola)

Lars Vogt (Klavier)



Arcanto Quartett

Antje Weithaas
(Violine)

Daniel Sepec
(Violine)

Tabea Zimmermann
(Viola)

Jean-Guihen Queyras
(Violoncello)




Béla Bartók
Streichquartett Nr. 5 SZ 102

György Ligeti
Sonate für Viola Solo

Johannes Brahms
Quintett für Klavier, 2 Violinen,
Viola und Violoncello f-moll op.34



Weitere Informationen
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Alte Oper Frankfurt
(Homepage)



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