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6. Heinersdorff-Konzert

28. März 2006

Philharmonie Essen
Alfried Krupp Saal
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Konzert Theater Kontor Heinersdorff GmbH (Homepage)

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Philharmonie Essen (Homepage)
Bunt, grell und sehr amerikanisch

Von Markus Bruderreck - Fotos von Klaus Rudolph

Dieses Konzert hätte wahrlich mehr Publikum verdient gehabt: Nur wenige Zuhörer hatten sich in den Alfried Krupp Saal der Philharmonie verirrt, als jetzt das Pacific Symphony Orchestra unter der Leitung des engagierten und sympathischen Carl St. Clair dort Station machte. Was war der Grund für solchen Leerstand? Zunächst einmal der Konzertveranstalter Heinersdorff, der sich nach Düsseldorf zurückzieht, seinen Abonnenten gekündigt hat und dessen Konzerte in der Philharmonie besonders in der zweiten Saison schlecht besucht waren. Dazu ein fremdes Orchester, sogar mit zeitgenössischer Musik: Kann sich das lohnen? Viele der sowieso schon irritierten Abonnenten sind da wohl lieber zu Hause geblieben.

Vergrößerung in neuem Fenster Carl St. Clair

Wer das Pacific Symphony Orchestra noch nicht kennt, sollte sich den Namen merken. Das Orchester aus dem sonnigen Kalifornien hat außer einem knackigen, sehr amerikanischen Sound auch eine hervorragende Spielkultur zu bieten, Präzision, hartes, brillantes Blech und viel Sendungsbewusstsein. Gleich zu Beginn beweisen das die Musiker mit einem zeitgenössischen chinesischen Werk, den "Zwei Gedichten aus Tang" von Zhou Long. Als Solisten spielen hier Min Xiao-Fen an der Pipa, einem lautenähnlichen Instrument, und Xu Ke an der Erhu, dem einzigen, zweisaitigen Streichinstrument aus China. Nachdem diese beiden international angesehenen Virtuosen zunächst eine kleine Kostprobe ihrer solistischen Künste gaben, bildeten sie in Zhou Longs farbenreichen Stück mit solistischen Streichern gleichsam eine "Ost-West-Beziehung". Im ersten Teil kommt es zu intensivem Wechsel zwischen Solo-Spiel und großen Ausbrüchen des Orchesters. Die Instrumente imitieren sich gegenseitig: Keine neue Idee, aber eine mit klanglich reizvollem Ergebnis. Im zweiten Teil zeigt sich die Musik inspiriert von dem "Lied der acht aufsässigen beschwipsten Poeten" des Du Fu aus dem achten Jahrhundert. Dementsprechend bunt geht es in der Musik zu, lebendig und burlesk, mit Anklängen an Musiken, die wie Trinklieder erscheinen. Allerhand Glissando-Effekte lassen die torkelnden Poeten sehr real erscheinen. Das alles hat Zhou Long mit einer guten Portion Humor gewürzt: Attraktive zeitgenössische Musik, die jedes Publikum akzeptieren kann.

Vergrößerung in neuem Fenster

Pascal Rogé

Ebenso farbenfroh ging es dann in Maurice Ravels Klavierkonzert G-Dur zu. Der Solist Pascal Rogé ist ein Spezialist für das französische Repertoire. Ravel spielt er zuweilen sehr rhapsodisch und ziseliert, sehr fein, empfindsam und zurückgenommen. Im ersten Satz wirkte der Wechsel zwischen Orchester und solistischen Passagen zuweilen etwas heftig. In den schnellen Ecksätzen drückte Dirigent Carl St. Clair vielleicht etwas zu sehr auf das Tempo, gab sehr viel Schärfe und Trockenheit im Blech. Gerade dann wirkte Rogé leider zuweilen auch etwas zu unprägnant. Aber wen wundert's, bei dieser Geschwindigkeit! Wunderschön gelungen: Der wie eine Wolke dahinschwebende zweite Satz. Die Zeit blieb stehen, und im Publikum war kein Husten und kein Rascheln zu hören.

Von den Stühlen riss die Zuhörer nach der Pause dann aber George Gershwins Oper "Pory and Bess", die in einer Konzertversion auf dem Programm stand. Die Paul Smith Singers, Cynthia Haymon-Coleman (Bess) und Kevin Deas (Porgy) zündeten ein lebensfrohes Feuerwerk, das sich hören lassen konnte. Cynthia Haymons Interpretation von "Summertime" war wahrlich zum dahin schmelzen. Die erfahrene Bess-Sängerin entfaltete eine Vielfalt an Nuancen, ein wunderschönes Piano und einen Stimmumfang, der phänomenal ist: Eine große Stimme. Kevin Deas tritt im nahezu ideal wiedergegebenen Liebesduett "Bess, You is my Woman now" dazu - ein dunkles, starkes Organ, das mit seinem Swing ebenso begeisterte wie die Paul Smith Singers, die sich in bunte Tücher drapiert vorne am Podium tummelten und die Handlung mit theatralischen Einlagen kurzweilig begleiten. Als sich das gesamte Ensemble zu "I'm on my Way" mit dem klangstarken Orchester zum Finale vereinigte, lag ihnen der spärlich gefüllte Saal zu Füßen. Die Zugaben kamen bereitwillig: Gospel war dabei, aber auch eine selten zu hörende Ouvertüre von Leonard Bernstein. "Slava!" ist ein durchgeknalltes Stück Musik (das Original hat noch zusätzlich Tonband-Einspielungen zu bieten, die hier weggelassen sind). Das Pacific Symphony spielt das kurze Werk grell und überdreht. Selbst Bernstein ist es seinerzeit moderater angegangen.




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(Veröffentlichung vorbehalten)
Pacific Symphony Orchestra

Pascal Rogé, Klavier

Cynthia Haymon-Coleman, Sopran
Kevin Deas, Bass

Paul Smith Singers

Musikalische Leitung
Ltg. Carl St.Clair




Zhou Long (*1953)
Zwei Gedichte aus "Tang"

Maurice Ravel
Klavierkonzert G-Dur

George Gershwin
Porgy and Bess
(Konzertversion, Querschnitt)



Weitere Informationen
erhalten Sie von der

Philharmonie Essen
(Homepage)



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