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Mozart-Loops 1
„Requiem – vom Gedenken – dark songs“


24. März 2006

Philharmonie Essen
Alfried Krupp Saal
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Philharmonie Essen (Homepage)
Schleifen, die Gestern und Heute verbinden

Von Markus Bruderreck - Fotos von Klaus Rudolph

„Stück-Applaus-Pause-Stück-Applaus“ – das ist die Dramaturgie, der im Normalfall ein klassisches Konzert folgt. Im schlechtesten Fall sind die Werke beziehungslos zusammengestoppelt; im besten steckt eine kluge Programmidee dahinter. Dann aber gibt es noch Künstler, die wahre Konzert-Konzepte entwickeln, neue Horizonte eröffnen. Ein solcher Künstler ist der österreichische Dirigent Christian Muthspiel. Für die Philharmonie Essen hat er sich einen vierteiligen Konzertzyklus ausgedacht, der noch bis ins Jahr 2007 reicht: „Mozart Loops“.

Vergrößerung in neuem Fenster Christian Muthspiel

Zeitgenössische Klassik, gemischt mit Mozart, Jazz und Pop: Das klingt zunächst nach einem recht willkürlichen Crossover. Nicht selten gehen solche Ideen dann auch künstlerisch und ästhetisch in die Hose, salopp formuliert. In „Requiem – vom Gedenken – dark songs“, wie der Abend im Alfried Krupp Saal etwas umständlich formuliert ist, greifen allerdings alle Teile höchst beziehungsreich und intelligent ineinander. Christian Muthspiel hat dazu seinen Bruder Wolfgang mitgebracht, der seinerseits ein begnadeter Jazz-Gitarrist ist und der das Projekt auch weiterhin begleiten wird.

Immer wieder tauchen in dem en suite gespielten Konzertabend variabel abgebrochene Endlosschleifen der Anfangstakte des Requiems von Mozart auf, die „Mozart-Loops“. Im Hintergrund sind sie als Schatten, als Erinnerung an den Komponisten und das große Requiem-Vorbild präsent. Einen weiteren Teil machen zeitgenössische Trauermusiken und Requiemvertonungen aus. Mit den ihm eigenen, traumhaften Klang und wieder beneidenswert präzise spielt das Münchener Kammerorchester die „Musique funèbre“, in der Witold Lutoslawski zu wahrhaft aufregenden klanglichen Lösungen für Streicher gefunden hat. Wolfgang Muthspiel nimmt die letzten Töne dieses Werkes für seine Improvisation auf und schließt den Jazz-Standard „Lament“ von Jay Jay Johnson an.

Vergrößerung in neuem Fenster

Das Münchener Kammerorchester
unter der Leitung von Christian Muthspiel

Muriel Cantoreggi brilliert dann an der Violine in Karl Amadeus Hartmanns „Concerto funèbre“. Jazz-Anklänge im „Allegro di molto“ führen das Werk gedanklich auf die Jazz-Anteile von „Mozart-Loops 1“ zurück. Toru Takemitsus „Requiem für Streichorchester“ wirkt etwas konventionell: Solide neue Musik, die wenig bleibende Eindrücke hinterlässt. Für den „Cantus in Memory of Benjamin Britten“ von Arvo Pärt zieht Dirigent Christian Muthspiel dann schwarze Handschuhe an und nimmt eine Glocke zur Hand. Einfache, tonale Klänge hat dieser „Cantus“ zu bieten; wie rhythmisch fein diese strukturiert sind, nimmt man allerdings erst im Laufe des Werkes wahr. In einer großen musikalischen Abwärtsbewegung durch die Register führt Pärts Stück zurück zum Anfang.

Vergrößerung in neuem Fenster Wolfgang Muthspiel

Wolfgang Muthspiel leistet die improvisatorische Beiträge an seinen beiden Jazz-Gitarren und nimmt sich dazu qualitativ hervorragende Popsongs vor, die ebenfalls Tod und Leiden zum Thema haben. „Sometimes it Snows in April“ von Prince etwa, oder „They Dance Alone“ von Sting, ein Titel, der ganz am Ende des neunzigminütigen Abends steht. Faszinierend die technischen Möglichkeiten der Live-Elektronik: Hier wird nicht nur „gesampelt“, sondern auch „geloopt“, das heißt Begleitfloskeln aufgenommen und in Endlosschleife gesetzt. Was wieder aufs Beste mit den echten Mozart-Schleifen, den Requiem-Loops, korrespondiert.

Das dichte, spannende Konzept von Christian Muthspiel ging nicht nur auf, es wurde auch musikalisch erstklassisch umgesetzt. Im gut gefüllten Parkett war das Publikum bunt gemischt, darunter auch viele junge Leute. Der Beifall war groß für „Mozart-Loops“, ein Abend, der sich als anspruchsvoll und intelligent erwies, aber insgesamt auch etwas schwergängig daher kam. Requiem, Tod, Sterben: Das sind Themen, die vielleicht für den Auftakt einen solchen Zyklus nicht ganz passend erscheinen mögen, obwohl sie freilich zur Fastenzeit passen. Akustisch erwies sich wiederum, dass der Alfried Krupp Saal für Streicher offenbar nicht so tragfähig ist wie man es sich wünschen könnte. Auf die nächsten Teile, die vergleichbar konzipiert sind, darf man gespannt sein.

„Mozart Loops 2“ folgt am 23. Juni 2006.




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Muriel Cantoreggi
Violine

Wolfgang Muthspiel
Jazz-Gitarre

Münchener Kammerorchester

Christian Muthspiel
Musikalische Leitung




Witold Lutoslawski
Musique funèbre
für Streichorchester

Jay Jay Johnson
Lament

Karl Amadeus Hartmann
Concerto funèbre
für Solovioline und Streichorchester

Prince
Sometimes it snows in April

Toru Takemitsu
Requiem
für Streichorchester

Billie Holiday
Strange Fruit

Arvo Pärt
Cantus in Menmory
of Benjamin Britten für
Streichorchester und eine Glocke

Sting
They Dance Alone



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(Homepage)



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