|
Veranstaltungen & Kritiken Konzerte |
|
|
|
|
Ein Exklusivgastspiel der Extraklasse
Von Gerhard Menzel - Fotos von Michael Kneffel Wieder einmal ermöglichten umsichtige und bewußt der Gesellschaft verpflichtete Sponsoren - in diesem Fall die National-Bank AG und die Kulturstiftung Essen - ein kulturelles Highlight in der Philharmonie Essen. Zu erleben war das dreitägige, deutsche Exklusivgastspiel des London Philharmonic Orchestra mit seinem Chefdirigenten Kurt Masur. Nach ihrem ersten Besuch in Essen im Oktober 2004 hieß es nun "Welcome Back!" Die drei Konzerte bedeuteten nicht nur europäischen Glanz in der Essener Philharmonie, sondern waren gleichzeitig eine Würdigung des Dirigenten und Menschen Kurt Masur.
Kurt Masur
Kurt Masur ist seit 2000 Chefdirigent des London Philharmonic Orchestra. Zuvor war er 26 Jahre lang Gewandhauskapellmeister in Leipzig und anschließend 11 Jahre Musikdirektor des New York Philharmonic Orchestra, was sowohl kennzeichnend für seinen Charakter, als auch für seine Arbeitsweise ist. Geschichte schrieb er letztendlich durch seine prominente und tragende Rolle beim friedlichen Widerstand gegen das DDR-Regime und die friedliche Wiedervereinigung Deutschlands. Masur gehörte nie zu der Kategorie der Pultstars, die die Massen hypnotisieren, sondern er ist ein gedankenvoller, umsichtig agierender und immer dem Werk verpflichteter Musiker, der sein Wirken immer als Beitrag für die Zukunft unserer Gesellschaft und die kulturelle Vielfalt der musischen Bildung sieht. Dem entsprechend verwunderte es nicht, dass Till Eulenspiegels lustige Streiche von Richard Strauss eher moderat als überschäumend gewitzt klangen und die andere symphonische Dichtung (Nr. 3) Les Préludes von Franz Liszt doch sehr distanziert wirkte. War bei diesen Werken schon der exquisite Orchesterklang zu bewundern, geriet man bei dem orchestralen Feuerwerk in der Ouvertüre zur Oper "Ruslan und Ludmilla" von Michail Glinka schon richtig ins Schwärmen. Immerhin gehört das London Philharmonic Orchestra nicht nur zu den besten Orchestern der Welt (was unter anderem zahlreiche Auszeichnungen für Platteneinspielungen belegen), sondern ist auch in anderer Hinsicht ein ganz besonderes Orchester. Erst 1932 von Sir Thomas Beecham gegründet, gehören zu seinem normalen Konzertbetrieb ausgiebige Tourneen in der ganzen Welt zum Alltag. Seit 41 Jahren ist es zudem das Resident Symphony Orchestra der Glyndebourner Opernfestspiele. Neben der Begleitung von Stummfilmen hat das London Philharmonic Orchestra auch die Soundtracks zu zahlreichen Filmen eingespielt, so zu Lawrence von Arabien, Die Mission, Philadelphia, Im Namen des Vaters, East is East und auch zu der Trikogie Der Herr der Ringe.Außerdem spielen Bildungsprogramme (Schul- und Familienkonzerte) eine große Rolle, sowie der ganz besondere Einsatz für die Neue Musik. Neben Auftragswerken steht so jedes Jahr ein zeitgenössischer Komponist im Mittelpunkt der Konzertprogramme.
Elisabeth Leonskaja
Eine solche Musik kann einen wahnsinnig machen! war eine Reaktion während der Uraufführung von Sergej Prokofjews Konzert Nr. 2 g-Moll für Klavier und Orchester (op. 16), bei der ein Teil des Publikums flüchtete. Der Großteil der Gebliebenen zischten am Ende Sergej Prokofjew und dieses Machwerk des 22-jährigen Komponisten empört und verständnislos aus. Nachdem die Originalpartitur einem Brand zum Opfer gefallen war, rekontruierte Prokofjew das Konzert 1924, um es in Paris als neue Einnahmequelle zu nutzen. Doch auch dort blieb der Erfolg aus.
Nikolai Lugansky Einen phantastischen Eindruck hinterließ auch der 1972 in Moskau geborene Nikolai Lugansky beim Konzert Nr. 1 b-Moll für Klavier und Orchester, op. 23 von Pjotr I. Tschaikowski. Mit seinem Sieg beim 10. Internationalen Tschaikowski-Wettbewerb 1994 gelang ihm der Durchbruch zu einer weltweiten, erfolgreichen Karriere. Mit flinken Fingern und kühlem Kopf bewies auch er, dass die von Anton Rubinstein zunächst verurteilte Komposition Tschaikowskis eines der interessantesten und heute bekanntesten Klavierkonzerte ist.
Sergey Khachatryan
Auch Pjotr I. Tschaikowskis Konzert D-Dur für Violine und Orchester, op. 35 gehört heute zum Standardrepertoire. Bei der intensiv gestalteten Interpretation von Sergey Khachatryan war nichts von dem zu hören, was Eduard Hanslick diesem Konzert an Gebrüll, Geheule und Gekratze nachsagte, das ihn mit seiner stinkenden Musik an ein wüstes Trinkgelage erinnere.
Kurt Masur und das Neben dem 1. Klavierkonzert und dem Violinkonzert von Pjotr I. Tschaikowski stand auch dessen Sinfonie Nr. 4 f-Moll, op. 36 auf dem Programm dieses dreitägigen Gastspiels. Trotz des wuchtig tönenede Anfangsmotiv, der kontrastreichen Sätze, der Dramatik, Schwermütigkeit und dem eigentümlich munteren Scherzo: Pizzicato ostinato, klang die Interpretation von Kurt Masur mit dem blendend aufgelegten London Philharmonic Orchestra mit eher dosiertem Temperament. Mit wesentlich mehr Herzblut ging Masur an die Suite "Romeo und Julia" von Sergej Prokofjew. Anscheinend eines seiner besonderen Leib- und Magen-Stücke Masurs stellte er selbst eine Auswahl aus der 1. Suite (op. 64 a) und der 2. Suite (op. 64 b) zusammen, die er ungeheuer differenziert, fein ausbalanciert und sehr farbenreich gestaltete. Gerade hierbei kamen die ganz besonderen Qualitäten des London Philharmonic Orchestra ganz besonders zur Geltung. Als finalen Rausschmeißer hatte sich Kurt Masur für Antonín Dvoráks Sinfonie Nr. 8 G-Dur, op. 88 entschieden. Eine bessere Wahl hätte er für sich und sein Orchester kaum finden können. Es war ein temperamentvoller Ausklang und grandioser Abschluss dieses ganz besonderen Gastspiels in der Philharmonie Essen. Mit Blumen vom Hausherrn und Standing Ovations wurde Kurt Masur und das London Philharmonic Orchestra aus Essen verabschiedet. Thank you for the music! Ihre Meinung Schreiben Sie uns einen Leserbrief (Veröffentlichung vorbehalten) |
"Welcome Back!" London Philharmonic Orchestra & Kurt Masur Freitag 03. Februar 2006 Elisabeth Leonskaja, Klavier London Philharmonic Orchestra Kurt Masur, Dirigent Richard Strauss Till Eulenspiegels lustige Streiche Sinfonische Dichtung, op. 28 Sergej Prokofjew Konzert Nr. 2 g-Moll für Klavier und Orchester, op. 16 Pjotr I. Tschaikowski Sinfonie Nr. 4 f-Moll, op. 36 Samstag 04. Februar 2006 Nikolai Lugansky, Klavier London Philharmonic Orchestra Kurt Masur, Dirigent Franz Liszt Les Préludes Symphonische Dichtung Nr. 3 nach Lamartine Pjotr I. Tschaikowski Konzert Nr. 1 b-Moll für Klavier und Orchester, op. 23 Sergej Prokofjew Suite "Romeo und Julia", op. 64 Eine Auswahl aus der 1. Suite, op. 64 a und der 2. Suite, op. 64 b Die Montagues und die Capulets Das Mädchen Julia Masken Romeo und Julia (Balkonszene) Pater Lorenzo Tybalts Tod Romeo und Julia vor der Trennung Romeo am Grabe Julias Sonntag 05. Februar 2006 Sergey Khachatryan, Violine London Philharmonic Orchestra Kurt Masur, Dirigent Michail Glinka Ouvertüre zur Oper "Ruslan und Ludmilla" Pjotr I. Tschaikowski Konzert D-Dur für Violine und Orchester, op. 35 Antonín Dvorák Sinfonie Nr. 8 G-Dur, op. 88
|
© 2006 - Online Musik Magazin
http://www.omm.de
E-Mail: konzerte@omm.de