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"Welcome Back!"
London Philharmonic Orchestra & Kurt Masur


03. - 05. Januar 2006

Philharmonie Essen
Alfried Krupp Saal
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Philharmonie Essen (Homepage)
Ein Exklusivgastspiel der Extraklasse

Von Gerhard Menzel - Fotos von Michael Kneffel

Wieder einmal ermöglichten umsichtige und bewußt der Gesellschaft verpflichtete Sponsoren - in diesem Fall die National-Bank AG und die Kulturstiftung Essen - ein kulturelles Highlight in der Philharmonie Essen. Zu erleben war das dreitägige, deutsche Exklusivgastspiel des London Philharmonic Orchestra mit seinem Chefdirigenten Kurt Masur. Nach ihrem ersten Besuch in Essen im Oktober 2004 hieß es nun "Welcome Back!" Die drei Konzerte bedeuteten nicht nur europäischen Glanz in der Essener Philharmonie, sondern waren gleichzeitig eine Würdigung des Dirigenten und Menschen Kurt Masur.

Vergrößerung in neuem Fenster Kurt Masur

Kurt Masur ist seit 2000 Chefdirigent des London Philharmonic Orchestra. Zuvor war er 26 Jahre lang Gewandhauskapellmeister in Leipzig und anschließend 11 Jahre Musikdirektor des New York Philharmonic Orchestra, was sowohl kennzeichnend für seinen Charakter, als auch für seine Arbeitsweise ist. Geschichte schrieb er letztendlich durch seine prominente und tragende Rolle beim friedlichen Widerstand gegen das DDR-Regime und die friedliche Wiedervereinigung Deutschlands.

Masur gehörte nie zu der Kategorie der Pultstars, die die Massen hypnotisieren, sondern er ist ein gedankenvoller, umsichtig agierender und immer dem Werk verpflichteter Musiker, der sein Wirken immer als Beitrag für die Zukunft unserer Gesellschaft und die kulturelle Vielfalt der musischen Bildung sieht.

Dem entsprechend verwunderte es nicht, dass „Till Eulenspiegels lustige Streiche“ von Richard Strauss eher moderat als überschäumend gewitzt klangen und die andere symphonische Dichtung (Nr. 3) „Les Préludes“ von Franz Liszt doch sehr distanziert wirkte. War bei diesen Werken schon der exquisite Orchesterklang zu bewundern, geriet man bei dem orchestralen Feuerwerk in der Ouvertüre zur Oper "Ruslan und Ludmilla" von Michail Glinka schon richtig ins Schwärmen.

Immerhin gehört das London Philharmonic Orchestra nicht nur zu den besten Orchestern der Welt (was unter anderem zahlreiche Auszeichnungen für Platteneinspielungen belegen), sondern ist auch in anderer Hinsicht ein ganz besonderes Orchester. Erst 1932 von Sir Thomas Beecham gegründet, gehören zu seinem „normalen“ Konzertbetrieb ausgiebige Tourneen in der ganzen Welt zum Alltag. Seit 41 Jahren ist es zudem das „Resident Symphony Orchestra“ der Glyndebourner Opernfestspiele. Neben der Begleitung von Stummfilmen hat das London Philharmonic Orchestra auch die Soundtracks zu zahlreichen Filmen eingespielt, so zu „Lawrence von Arabien“, „Die Mission“, „Philadelphia“, „Im Namen des Vaters“, „East is East“ und auch zu der Trikogie „Der Herr der Ringe“.Außerdem spielen Bildungsprogramme (Schul- und Familienkonzerte) eine große Rolle, sowie der ganz besondere Einsatz für die Neue Musik. Neben Auftragswerken steht so jedes Jahr ein zeitgenössischer Komponist im Mittelpunkt der Konzertprogramme.

Vergrößerung in neuem Fenster Elisabeth Leonskaja

„Eine solche Musik kann einen wahnsinnig machen!“ war eine Reaktion während der Uraufführung von Sergej Prokofjews Konzert Nr. 2 g-Moll für Klavier und Orchester (op. 16), bei der ein Teil des Publikums flüchtete. Der Großteil der Gebliebenen zischten am Ende Sergej Prokofjew und dieses „Machwerk“ des 22-jährigen Komponisten empört und verständnislos aus. Nachdem die Originalpartitur einem Brand zum Opfer gefallen war, rekontruierte Prokofjew das Konzert 1924, um es in Paris als neue Einnahmequelle zu nutzen. Doch auch dort blieb der Erfolg aus.
Auch heute ist dieses sperrige und vor übersteigerter Virtuosität strotzende Werk nur etwas für Liebhaber. Bei Elisabeth Leonskaja, eine der ganz großen Pianistinnen unserer Zeit, war es allerdings in den besten Händen. Ihre technische Souveränität und gestalterische Ausdruckskraft waren in jeder Beziehung überzeugend.

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Nikolai Lugansky

Einen phantastischen Eindruck hinterließ auch der 1972 in Moskau geborene Nikolai Lugansky beim Konzert Nr. 1 b-Moll für Klavier und Orchester, op. 23 von Pjotr I. Tschaikowski. Mit seinem Sieg beim 10. Internationalen Tschaikowski-Wettbewerb 1994 gelang ihm der Durchbruch zu einer weltweiten, erfolgreichen Karriere. Mit flinken Fingern und kühlem Kopf bewies auch er, dass die von Anton Rubinstein zunächst verurteilte Komposition Tschaikowskis eines der interessantesten und heute bekanntesten Klavierkonzerte ist.

Vergrößerung in neuem Fenster Sergey Khachatryan

Auch Pjotr I. Tschaikowskis Konzert D-Dur für Violine und Orchester, op. 35 gehört heute zum Standardrepertoire. Bei der intensiv gestalteten Interpretation von Sergey Khachatryan war nichts von dem zu hören, was Eduard Hanslick diesem Konzert an „Gebrüll“, „Geheule“ und „Gekratze“ nachsagte, das ihn mit seiner „stinkenden Musik“ an ein wüstes Trinkgelage erinnere.
Der 1985 im armenischen Eriwan geboren Sergey Khachatryan gewann im Jahr 2000 als jüngster Preisträger den 1. Preis beim VIII. InternationalenJean-SIbelius-Wettbewerb in Helsinki. 2005 war er wiederum der jüngster Gewinner des 1. Peises beim Concours Reine Elisabeth in Brüssel. Diesem Erfolg verdankt er auch, dass er von der Nippon Music Foundation die klangprächtige „Huggins“-Stradivari von 1708 als Leihgabe erhielt, der er die feinsten und differenziertesten Töne entlockte.

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Kurt Masur und das
London Philharmonic Orchestra

Neben dem 1. Klavierkonzert und dem Violinkonzert von Pjotr I. Tschaikowski stand auch dessen Sinfonie Nr. 4 f-Moll, op. 36 auf dem Programm dieses dreitägigen Gastspiels. Trotz des wuchtig tönenede Anfangsmotiv, der kontrastreichen Sätze, der Dramatik, Schwermütigkeit und dem eigentümlich munteren Scherzo: Pizzicato ostinato, klang die Interpretation von Kurt Masur mit dem blendend aufgelegten London Philharmonic Orchestra mit eher dosiertem Temperament.

Mit wesentlich mehr Herzblut ging Masur an die Suite "Romeo und Julia" von Sergej Prokofjew. Anscheinend eines seiner besonderen Leib- und Magen-Stücke Masurs stellte er selbst eine Auswahl aus der 1. Suite (op. 64 a) und der 2. Suite (op. 64 b) zusammen, die er ungeheuer differenziert, fein ausbalanciert und sehr farbenreich gestaltete. Gerade hierbei kamen die ganz besonderen Qualitäten des London Philharmonic Orchestra ganz besonders zur Geltung.

Als finalen „Rausschmeißer“ hatte sich Kurt Masur für Antonín Dvoráks Sinfonie Nr. 8 G-Dur, op. 88 entschieden. Eine bessere Wahl hätte er für sich und sein Orchester kaum finden können. Es war ein temperamentvoller Ausklang und grandioser Abschluss dieses ganz besonderen Gastspiels in der Philharmonie Essen.

Mit Blumen vom Hausherrn und Standing Ovations wurde Kurt Masur und das London Philharmonic Orchestra aus Essen verabschiedet. „Thank you for the music!“




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"Welcome Back!"
London Philharmonic Orchestra
& Kurt Masur



Freitag 03. Februar 2006

Elisabeth Leonskaja, Klavier
London Philharmonic Orchestra
Kurt Masur, Dirigent

Richard Strauss
Till Eulenspiegels lustige Streiche
Sinfonische Dichtung, op. 28

Sergej Prokofjew
Konzert Nr. 2 g-Moll
für Klavier und Orchester, op. 16

Pjotr I. Tschaikowski
Sinfonie Nr. 4 f-Moll, op. 36


Samstag 04. Februar 2006

Nikolai Lugansky, Klavier
London Philharmonic Orchestra
Kurt Masur, Dirigent

Franz Liszt
Les Préludes
Symphonische Dichtung Nr. 3
nach Lamartine

Pjotr I. Tschaikowski
Konzert Nr. 1 b-Moll
für Klavier und Orchester, op. 23

Sergej Prokofjew
Suite "Romeo und Julia", op. 64
Eine Auswahl aus der 1. Suite, op. 64 a
und der 2. Suite, op. 64 b

Die Montagues und die Capulets
Das Mädchen Julia
Masken
Romeo und Julia (Balkonszene)
Pater Lorenzo
Tybalts Tod
Romeo und Julia vor der Trennung
Romeo am Grabe Julias


Sonntag 05. Februar 2006

Sergey Khachatryan, Violine
London Philharmonic Orchestra
Kurt Masur, Dirigent

Michail Glinka
Ouvertüre zur Oper
"Ruslan und Ludmilla"

Pjotr I. Tschaikowski
Konzert D-Dur
für Violine und Orchester, op. 35

Antonín Dvorák
Sinfonie Nr. 8 G-Dur, op. 88




Weitere Informationen
erhalten Sie von der

Philharmonie Essen
(Homepage)



Kurt Masur
http://www.kurtmasur.com/

London Philharmonic Orchestra
http://www.lpo.co.uk/

Nikolai Lugansky
http://lugansky.homestead.com/



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