Zur OMM-Homepage Zur OMM-Homepage Veranstaltungen & Kritiken
Konzerte
Zur Homepage Zur Konzert-Startseite E-mail Impressum



Lorin Maazel und das
New York Philharmonic


07. und 09. September 2005

Philharmonie Essen
Alfried Krupp Saal
Homepage

Philharmonie Essen (Homepage)
Welcome America!
Eine „Reminiszenz Saalbau“ "Aus der neuen Welt"

Von Gerhard Menzel - Fotos von Michael Kneffel

Mit einem Paukenschlag startete die Philharmonie Essen in ihre zweite Spielzeit: Das New York Philharmonic unter seinem Chef Lorin Maazel setzte die Konzertreihe der berühmten „big five“ – der fünf großen amerikanischen Orchester – am 7. und 9. September 2005 fort.

Das waren gewaltige, schöne, unvergessliche Tage, die Essen noch nicht erlebt hat. Essen war … das künstlerische Zentrum vom Rheinland und Westfalen und rückte damit in die Reihe der ersten Musikstädte auf.“

So schrieb vor gut 100 Jahren (1904) die Presse über das Eröffnungsfest des neu erbauten Städtischen Saalbaus. Ähnlich kann man auch heute über die beiden Konzerte in der umgebauten, 2004 neu eröffneten Philharmonie Essen urteilen, die das New York Philharmonic mit Lorin Maazel (seit September 2002 Music Director des NYP) im Rahmen ihrer zweiwöchigen Europa-Tournee präsentierte. Diese wird im Andenken an die erste Europa-Tournee des Orchesters 1930 unter Arturo Toscanini als "75th Anniversary Tour" in die Annalen des Orchesters eingehen.

Bedeutsam für Essen war auch, dass sich das Orchester immerhin sechs Tage in Essen einquartiert hatte und somit einen wesentlich intensiveren Eindruck von Stadt und Region mit nach Hause nehmen konnte, als es normalerweise üblich ist. Von Essen aus reisten sie dann auch zu ihrem Gastspiel beim Kooperationspartner, dem Beethovenfest Bonn. Diese Tatsache ist zum einen Michael Kaufmann, dem Intendanten der Philharmonie Essen zu verdanken, zum anderen dem Sponsoring der National-Bank AG, der ThyssenKrupp Nirosta und der Sparkasse Essen.

Vergrößerung in neuem Fenster Lorin Maazel und das New York Philharmonic

Das New York Philharmonic wurde 1842 gegründet und ist damit nicht nur das mit Abstand älteste Orchester Amerikas, sondern gehört damit auch zu den ältesten und zudem besten Orchestern der Welt. Geprägt wurden es dabei maßgeblich durch Dirigenten wie Gustav Mahler (1909-11), Arturo Toscanini (1928-36), Leonard Bernstein (der 1958 Musikdirektor wurde und 1969 den Titel eines Ehrendirigenten auf Lebenszeit erhielt), Pierre Boulez (1971-77), Zubin Metha (1978-91) und Kurt Masur (1991-2002). Weitere bedeutende Dirigenten waren auch Otto Klemperer, Richard Strauss, Willem Mengelberg, Wilhelm Furtwängler, Igor Strawinsky, Aaron Copland, Bruno Walter, Dimitri Mitropoulos, George Szell, Klaus Tennstedt und Erich Leinsdorf.

Von Anfang an gehörten zeitgenössische Musik und Uraufführungen zum Schwerpunkt dieses Orchesters. Auch die Sinfonie „Aus der neuen Welt“ brachte das New York Philharmonic 1893 in der Carnegie Hall zur Urauführung. Dieses Werk bildete dann auch das zentrale Werk dieser Tournee, dessen Programme ansonsten für jede Stadt anders zusammengestellt waren.

Das erste Konzert stand jedoch ganz im Zeichen von Richard Strauss. Unter dem Titel „Reminiszenz Saalbau“ gedachte man an diesem Abend dem Musiker, der im Oktober 1904 bei der feierlichen Einweihung des historischen Essener Saalbaus, der heute die Philharmonie beherbergt, seine „Sinfonica domestica“ dirigierte, die Strauss kurz zuvor (Ende März 1904) in New York zur Uraufführung gebracht hatte. Da Richard Strauss auch sonst im Essener Musikleben (vor allem auch im benachbarten Aalto Theater) omnipräsent ist, war die Freude von Intendant Michael Kaufmann über dieses reine Strauss-Programm durchaus nachzuvollziehen.

Vergrößerung in neuem Fenster

Lorin Maazel und das New York Philharmonic

Leider Stand die „Sinfonica domestica“ nicht auf dem Programm, was eigentlich nahe lag. Dafür eröffnete ein anderes, sperriges und selten zu hörendes Werk den Abend, die Ton-Dichtung „Don Quixote“ op. 35. So, wie der „Ritter von der traurigen Gestalt“ in seinen abstrusen Abenteuern vom Pech verfolgt wird, hatte auch Carter Brey, Solocellist des NYP mit den Tücken seines Instrumentes zu kämpfen: Eine Saite seines Instruments versagte - mitten im Stück - ihren Dienst, was ihn allerdings nicht aus der Ruhe brachte. Er nahm geschwind einen Instrumentenwechsel mit dem ersten Pult vor und führte den Helden bis an das Ende seines Weges. Während er (das Violoncello) als Verkörperung des Don Quixote mit starkem Arm und sicherer Hand oft mit den überbordenden Orchestermassen zu kämpfen hatte, wirkte die Principal Viola Cynthia Phelps eigentlich viel zu edel und klangschön für den einfältigen Knappen Sancho Pansa. Aus der ungeheuer aufwändigen und diffizilen Instrumentierung ragte auch Concertmaster Glenn Dicterow mit zahlreichen Soli heraus. Der Tradition amerikanischer Orchester folgend gehörte ihm jeweils vor dem Erscheinen des Dirigenten ein Soloauftritt, um die letzte „Kurzstimmung“ des Orchesters vorzunehmen.

Im zweiten Teil des Abends folgten der mitreißende, üppig fließende, brillant und farbenreich instrumentierte „Don Juan“ op. 20 und die von Artur Rodzinski arrangierte Rosenkavalier-Orchestersuite, die die musikalischen Höhepunkte der Strauss' Oper auf originelle Weise zusammenfasst. Hier präsentierten Lorin Maazel und das New York Philharmonic nach eher heldischen bis parodistischen Tönen einen sehr walzerseeligen, wienerischen Tonfall. Für die lautstarke Begeisterung und Standing Ovations  bedankten sich Lorin Maazel und das New York Philharmonic mit einem schmetternd-furiosen Vorspiel zum 3. Aufzug von Wagners Lohengrin.

Vergrößerung in neuem Fenster Lorin Maazel und das New York Philharmonic

Der zweite Konzertabend dieses Weltklasseorchesters stand dann ganz im Zeichen von Antonín Dvorak. Als Eröffnung des Konzertes stand jedoch zunächst das erste Orchesterwerk von Olivier Messiaen auf dem Programm: Les offrandes obiées. In dieser sinfonischen Meditation über „die verlorenen Gaben“ rahmen zwei klangintensive, meditative Abschnitte (die den Jesu Tod am Kreuz bzw. das christliche Abendmahl thematisieren) einen rhythmisch-mechanisch geprägten Mittelteil ein, der die Sünde lautstark und motorisch verklanglicht. Hier steht Messiaens Komposition von 1930 ganz in der Tradition von Arthur Honneggers Pacific 231 (1923) und Alexander Wassiljewitsch Mossolow "Maschinenmusik" Die Eisengießerei (1926-28).

Das Konzert d-Moll für Violine und Orchester op. 47 von Jean Sibelius geriet dann zu einem wahren Triumph für den Geiger Gil Shaham. Technisch makellos und ungeheuer musikalisch und mit viel Herzblut interpretiert, ließ er seine Stradivari in allen erdenklichen Stimmungen und Schattierungen schwelgen. Lorin Maazel und das New York Philharmonic erwiesen sich hierbei als absolut zuverlässige und aufmerksame Begleiter, die den Solisten und die Komposition ins beste Licht setzten. Das begeisterte Publikum beschenkte Gil Shaham mit der Gavotte en Rondeau aus Johann Sebastian Bachs Partita Nr. 3 E-Dur (BWV 1006).

Vergrößerung in neuem Fenster

Lorin Maazel und das New York Philharmonic

In Dvorak Sinfonie Nr. 9 e-Moll op. 95 Aus der neuen Welt konnte das New York Philharmonic dann noch einmal so richtig seine Stärken ausspielen. Herrliche Soli, delikat und edel klingende Holzbläser, phänomenales Blech, ob weich verschmelzend, oder prägnant schmetternd (bis in die 16tel hinein) und dabei nicht nur laut, sondern mit vollem und markanten Klang. Mit ihrem Drive und ihrer Power könnten sie bestimmt auch einen hervorragenden Big-Band-Sound produzieren.
Selbst der satte Streicherklang (auch in der tiefen Lage der Violinen) klang auch bei dieser Riesenbesetzung (immerhin 18 erste und 16 zweite Violinen, 12 Violas, 12 Violoncelli und 8 Kontrabässe) immer präzise und als ein geschlossener Klangkörper.
Wenn man bedenkt, was für Probleme viele Orchester mit sauberen (speziell Bläser-) Einsätzen und strahlend leuchtenden Blechbläserpassagen haben, konnte einem hier so richtig das Herz aufgehen.

Gespalten war das Publikum ausschließlich über den Beifall zwischen den einzelnen Sätzen des Violinkonzerts und den ersten beiden Sätzen von Dvoraks Sinfonie (durch das applaudieren und zischen riss leider die musikalische Spannung). Dem dritten Sinfoniesatz ließ Lorin Maazel dann allerdings attacca den Finalsatz folgen.

Wie schon im „Strauss-Konzert“ war auch im zweiten Konzert die deutliche Handschrift Lorin Maazels zu hören, die sehr subjektiv ist, vieles anders klingen lässt und dadurch auch interpretatorisch - natürlich - nicht jeden Geschmack trifft. Aber das ist nun einmal die Folge davon, wenn man ein mögliches Mittelmaß verlässt und sich für eine persönlich gefärbte Interpretation entscheidet. Das tut nun einmal Lorin Maazel, der alles auswendig dirigiert und dessen Zeichengebung das Orchester bedingungslos folgt. Wer aber bereit ist, auch einmal etwas noch „ungehörtes“ aufzunehmen, kommt bei Lorin Maazel und dem New York Philharmonic voll auf seine Kosten.

Einstimmer Jubel, Standing Ovations und zwei furiose und im wahrsten Sinne des Wortes von den Stühlen reißende Zugaben (Dvoraks Slavischer Tanz op. 72/1 und Bizets Finale/Farandole aus der L'Arlésienne Suite Nr. 2) beendeten eine ganz große Orchestergala.
Ein überwältigender Abschied für Lorin Maazel und das New York Philharmonic aus Essen. Auf - hoffentlich - baldiges Wiedersehen!




Ihre Meinung
Schreiben Sie uns einen Leserbrief
(Veröffentlichung vorbehalten)
Mittwoch 07. September 2005

New York Philharmonic
Lorin Maazel, Dirigent



Freitag 09. September 2005

Gil Shaham, Violine
New York Philharmonic
Lorin Maazel, Dirigent




Mittwoch 07. September 2005

Richard Strauss
"Don Quixote"
Fantastische Variationen über ein
Thema ritterlichen Charakters, op. 35

Richard Strauss
"Don Juan"
Tondichtung für Orchester, op. 20

Richard Strauss
"Rosenkavalier"-Suite, AV 145



Freitag 09. September 2005

Olivier Messiaen
"Les offrandes oubliées"
Sinfonische Meditation

Jean Sibelius
Konzert d-Moll
für Violine und Orchester, op. 47

Antonín Dvorák
Sinfonie Nr. 9 e-Moll, op. 95
"Aus der Neuen Welt"



Weitere Informationen
erhalten Sie von der

Philharmonie Essen
(Homepage)



Lorin Maazel
http://www.maestromaazel.com/

New York Philharmonic
http://newyorkphilharmonic.org/

New York Philharmonic KidZone
http://www.nyphilkids.org/main.phtml



Da capo al Fine

Zur OMM-Homepage Zur Konzert-Startseite E-Mail Impressum
© 2005 - Online Musik Magazin
http://www.omm.de
E-Mail: konzerte@omm.de

- Fine -