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Klavier-Festival Ruhr
Mozart-Zyklus: Klavierkonzerte-Extra (2)


19. Juli 2006

Essen, Zeche Zollverein
Schacht XII, Halle 12
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Philharmonie Essen (Homepage)
Klangsucher mit magischer Kugel

Von Markus Bruderreck - Fotos von Klaus Rudolph

John Cage hat es vorgemacht: Ein Klavier kann ganz andere Klangfarben hervorbringen, wenn außer den Tasten auch das Innenleben des Instrumentes bearbeitet wird. Thomas Larcher lässt zu Beginn seines Klavierkonzertes "Böse Zellen" eine große Metallkugel auf den Saiten rollen. Ein spitzer, gleitender "Slide"-Klang, den die Streicher sogleich aufgreifen und fortspinnen.

Vergrößerung in neuem Fenster Thomas Larcher

Das eigene Ich zu erkunden und dabei neue Wege zu beschreiten ist das Ziel des 1963 in Tirol geborenen Thomas Larcher, der nicht nur als Komponist wirkt, sondern auch als Solist, Pädagoge und Leiter des Musikfestivals in Davos. Bei der Uraufführung des Auftragswerkes für das Klavier-Festival Ruhr auf Zeche Zollverein in Essen standen ihm die Musiker des Münchener Kammerorchesters unter Dennis Russell Davies kompetent zur Seite.

Vergrößerung in neuem Fenster

Thomas Larcher

Der Titel "Böse Zellen" bezieht sich zum einen auf eine Arbeit der österreichischen Filmemacherin Barbara Albert (es bleibt allerdings im Dunkeln, welcher Art die Beziehungen sind, die hier zwischen Film und Musik aufgebaut wurden). Zum anderen verweist er aber auch auf eine alte kompositorische Technik: Musik entwickelt sich aus einer motivischen Keimzelle und bestimmt das gesamte folgende Stück. So weit, so unspektakulär, wäre da aber nicht Thomas Larchers Freude an ungewöhnlichen Klängen. Fast durchgängig sind die Klaviersaiten im Flügel gedämpft; das erinnert an ein Cymbalon, aber auch an die Werke des Esoterikers George Crumb. Die Musik sucht nach glitzernden Klangfeldern, entfaltet sich auch stark motorisch in pulsierenden, komplexen Rhythmen à la György Ligeti, die zu einem großen Höhepunkt geführt werden, bevor das Stück recht unvermittelt verebbt. Larchers Klangfantasie ist stark: Auch Steeldrums weiß er in das Werk mit einzubeziehen. Kurios wirkt es auch, wenn er Bänder ("Stripes") improvisatorisch durch die Klaviersaiten zieht. Da horcht man auf. Überhaupt nimmt der Komponist seine Hörer akustisch an die Hand. Da bleibt nichts unverständlich, da wirkt vieles dennoch originell: Ein Werk, das die Scheuklappen der Avantgarde abgelegt hat und beim Publikum hörbar gut ankam.

Vergrößerung in neuem Fenster Münchener Kammerorchester

Im D-Dur-Konzert von Joseph Haydn sowie im Konzert Nr. 22 von Wolfgang Amadeus Mozart bewies sich Thomas Larcher zuvor als dirigierender Solist (eine Manie, die heute immer mehr um sich greift, nicht nur beim Klavier). In den Kadenzen des Haydn-Konzerts öffnete er zudem Fenster in die musikalische Gegenwart. Überraschend aber, wie banal, brachial, ungeschickt eingepasst und überflüssig diese Einlassungen hier wirkten. Das Spielerische Haydns greift Larcher nicht auf, antwortet ihm nicht auf gleicher Augenhöhe. Das muss man nicht mögen, schon gar nicht, wenn man ein Fan von Haydns Musik ist. Mozarts Konzert, das nicht ganz so oft auf den Programmen zu finden ist, blieb von solcher Experimentierlust glücklicher Weise verschont. Das Stück kann mit vielen Überraschungen aufwarten. Die größte ist vielleicht der langsame Teil im Schlussrondo. Der Vermutung, es handele sich hier um eine Arie von Carl Ditters von Dittersdorf, sollte man einmal nachgehen, schließlich fungierte das Werk als ein Intermezzo zu dessen Oratorium "Esther". Das Münchener Kammerorchester begleitete, wie auch bei Haydn, hier nicht immer ganz zufrieden stellend. Das jedoch war wohl den tropischen Temperaturen in der Halle XII geschuldet. Da klingt es in den Streichern gerne einmal schiefer als gewohnt. Überraschend dennoch, wie geschickt sich die Münchener Musiker auf die prekäre, trockene Akustik eingestellt haben.




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Münchener Kammerorchester

Dennis Russell Davies
Dirigent

Thomas Larcher
Klavier und Dirigent




Joseph Haydn
Konzert für Klavier und Orchester
D-Dur Hob. XVIII:11

Wolfgang Amadeus Mozart
Konzert Nr. 22 für Klavier
und Orchester Es-Dur KV 482

Thomas Larcher
"Böse Zellen"
Konzert für Klavier und Kammerorchester
Uraufführung der Auftragskomposition
des Klavier-Festivals Ruhr



Weitere Informationen
erhalten Sie von der

Philharmonie Essen
(Homepage)



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