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So mitreißend kann Musik sein
Von Gerhard Menzel Nach dem triumphalen Gastspiel der Münchner Philharmoniker im letzten Jahr mir Anton Bruckners Sinfonie Nr. 5 B-Dur (dem Programm, mit dem Christian Thielemann im Oktober 2004 seinen Einstand als Chefdirigent der Münchner Philharmoniker gab; siehe unsere Rezension), beehrte dieses neue Traumgespann auch jetzt wieder das Dortmunder Konzerthaus. An zwei aufeinander folgenden Tagen präsentierten sie zwei Programme mit großen Namen und äußerst beliebten Werken des Konzertrepertoires, die man gemeinhin in- und auswendig zu kennen glaubt. Dass selbst diese auch anders und wieder etwas neu klingen können, bewies Christian Thielemann auf beeindruckende Weise.
Münchner Philharmoniker
Den Anfang machte Felix Mendelssohn Bartholdys Sinfonie Nr. 3 a-Moll, op. 56 ("Schottische Sinfonie"). Schon hier war der große gestalterische Atem Christian Thielemanns deutlich zu spüren. Mit meist recht sparsamen Gesten (und wie gewöhnlich ohne Partitureinsicht) vermittelte er seinem Orchester alles noch Notwendige, um das in den Proben Erarbeitete zu einer musikalisch ausdrucksstarken Interpretation zu formen. Obwohl Thielemann erst seit Oktober 2004 Chef der Münchner Philharmoniker ist, harmonieren sie miteinander, als musizierten sie schon seit vielen Jahren zusammen. Der satte Klang der Streicher, das große Potential der Blechbläser und vor allem die atemberaubend musizierenden Holzbläser (mit traumhafter Solo-Klarinette) ließen keine Wünsche offen. Vorbildliche Einsätze, im Tempo sehr variabel gestaltete Übergänge und eine differenzierte Dynamik, die bis ins Pianissimo hinein nichts am tragfähigen Klang des Orchesters änderte, bildeten das sichere Fundament für ein interpretatorisch fesselndes Hörerlebnis (schon der Einsatz des Themas im ersten Satz - "Allegro un poco agitato" im "sempre pp" - ließ einem die Ohren auf konzentrierten Empfang schalten). Wie bei Mendelssohn Bartholdy richtet sich Christian Thielemann auch bei Franz Schuberts Sinfonie Nr. 9 C-Dur, D 944 ("Die Große") genau an den vom Komponisten vorgegebenen Notentext, um ihn dann mit aller Sorgfalt und der persönlich entwickelten Gestaltungskraft zu interpretieren. Dazu gehört auch, das er die Wiederholungen (speziell die Exposition) spielen lässt - im Gegensatz zu manch anderem Kollegen, wie es beim Konzert im Rahmen des Beethoven-Zyklus' mit Christoph Spering zu erleben war (OMM-Kritik). Erst so lässt sich Schuberts groß angelegte Form und der von Schumann schwärmerisch beschriebene Eindruck von den "himmlischen Längen" wirklich nachvollziehen. Schuberts C-Dur-Sinfonie ist in jeder Beziehung eine "Große", was Christian Thielemann und die Münchner Philharmoniker eindrucksvoll unter Beweis stellten.
Christian Thielemann
Während Christian Thielemann im zweiten Konzert bei Claude Debussys kompositorisch dicht gearbeiteten und atmosphärisch überschwänglichen "Prélude à L'après-midi d'un faune" und der dreisätzigen "Meeres-Sinfonie" ("La mer") sehr auf die diffizile Ausarbeitung der feinen und farbigen Instrumentierung bedacht war, kehrte er mit seinen Musikern bei der Sinfonie Nr. 4 e-Moll, op. 98 von Johannes Brahms wieder zurück in "seine Welt". Temperamentvoll, alle Nuancen an Dynamik, Tempo und Artikulation ausschöpfend, wurde diese Brahms-Sinfonie zu einem mitreißenden, anrührenden und überwältigenden Höhepunkt des zweitägigen Gastspiels in Dortmund. Christian Thielemann und die Münchner Philharmoniker wurden mit tosendem Beifall und Standing Ovations aus Dortmund verabschiedet. Ihre Meinung Schreiben Sie uns einen Leserbrief (Veröffentlichung vorbehalten) |
Münchner Philharmoniker Christian Thielemann Sa 21.01.2006 Felix Mendelssohn: Sinfonie Nr. 3 a-moll, op. 56 ("Schottische Sinfonie") Franz Schubert: Sinfonie Nr. 9 C-Dur, D 944 ("Die Große") So 22.01.2006 Claude Debussy: "Prélude à L'après-midi d'un faune" Claude Debussy: "La mer" Johannes Brahms: Sinfonie Nr. 4 e-moll, op. 98
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