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"Hammond meets Orchestra"
Das Barbara Dennerlein-Trio und
die Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz


01.06.2005

Philharmonie Essen
Alfried Krupp Saal
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Philharmonie Essen (Homepage)
Barbara Dennerlein - Eine Umtriebige mit dem Gespür für das Wesentliche

Von Gerhard Menzel - Fotos von Michael Kneffel

Ständig auf Konzertreisen, begeistert Barbara Dennerlein überall auf der Welt das Publikum mit ihrer Hammond B3 und einem breit gefächerten Repertoire, das vom Blues über Latin und Funk, inzwischen sogar bis zur großen Sinfonik reicht. Dank ihrer großen Musikalität, ihrer brillanten Technik und ihres einzigartigen Pedalspiels, das nicht nur den obligaten (Kontra-) Bass im Trio ersetzt, erweist sie sich auch immer wieder als eine ausgezeichnete Organistin an den großen Kirchen- und Konzertorgeln mit ihren reichhaltigen Registerfarben und Klangkopplungen.

Vergrößerung in neuem Fenster Barbara Dennerlein

Barbara Dennerlein verlässt sich nie auf geschriebene Beiträge in Programmheften, Sie spricht ihr Publikum immer direkt und mit sympathischen Worten an, was sofort die Distanz nimmt und unmittelbar zu einem gemeinschaftlichen Konzerterlebnis einlädt.

Bei ihren Kompositionen legt sie immer Wert auf anspruchsvolle Unterhaltung. Auch bei ihren beliebten ungeraden Taktarten klingt es nicht nach "Kopfmusik". Alles "soll leicht klingen" und "der Zuhörer soll sich wohlfühlen". Dieses gelingt ihr mit ihrer Hammond B3, die gleichzeitig Keyboard und Bass ist, spür- und hörbar mühelos. Mit ihrem kongenialen Partner Daniel Messina, der sie seit 1995 als Schlagzeuger begleitet, kann sie bereits 10jähriges Jubiläum feiern. Seit 1999 ist auch Peter Lehel als Saxophonist mit dabei.

Barbara Dennerleins sinfonisch konzipierten Stücke sind immer als "großes Ganzes" angelegt, wobei dem Orchester nicht nur eine Begleitfunktion für virtuose Soli oder als rein kolorierender Klangteppich zukommt. Vielmehr entwickeln sich aus Orchesterpassagen immer wieder konzertierende Abschnitte heraus, in denen die Hammondorgel solistisch hervortritt und sich - nach Art der klassischen Kadenzen - frei und losgelöst vom sinfonischen Kontext ganz dem "musikalischen Augenblick" hingeben kann.
Letztendlich beruht die Qualität der Stücke auch auf den ausgezeichneten Arrangements von Peter Lehel. Mit viel Einfühlungsvermögen und Geschick hat er Barbara Dennerleins Stücke für großes Orchester eingerichtet und damit das außergewöhnliche Projekt "Hammond meets Orchestra" - übrigens eine Initiative von Rainer Neumann, dem Intendanten der Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz - zu musikalischem Leben verholfen.

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Bernd Ruf

Barbara Dennerleins Intention, "miteinander zu swingen und zu grooven" gelang dem Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz im Großen und Ganzen recht gut, vor allem Dank des engagierten Dirigats des Allround-Musikers Bernd Ruf, einem profilierten Grenzgänger zwischen den musikalischen Stilen (diese Brücken baute er gut eine Woche später auch dieses Jahr wieder bei den "Bridges to Classics" während der Händel-Festspielen in Halle).

Neben den Kompositionen von Barbara Dennerlein standen noch die Ballet-Suite "Estanica" op. 8 von Alberto Ginastera und Three Dance Episodes aus Leonard Bernsteins Musical "On the Town" auf dem Programm. Diese Auswahl passte hervorragend in dieses Konzertprogramm, da diese Kompositionen ebenfalls sowohl rhythmisch sehr interessant und abwechslungsreich gestaltet sind, als auch ruhigen und "sinnlichen" Stimmungen Raum einräumen. Rhythmische Präzision und klanglich differenziertes Spiel waren allerdings wenig zu hören (im Gegensatz zur Rundfunkübertragung eines Konzertes mit einem ähnlichen Programm vom Dezember 2003). Die Holzbläser-Einleitung zu "Change the Pace" war dagegen vom Feinsten. Für den weniger guten orchestralen Eindruck dürfte aber vor allem die miserable technische Verstärkung des Orchesters verantwortlich sein.

Frage: Wie zerstört man die hervorragende Akustik der Essener Philharmonie? Antwort: Indem man viel Technik einsetzt!

Vielleicht etwas überspitzt, aber in diesem Fall zutreffend. Natürlich bedarf es beim Zusammenspiel eines großen Sinfonieorchesters mit einer Hammond-Orgel gewisser technisch-akustischer Einrichtung und Regulierung, aber dass auch die reinen Orchesterwerke mittels unzähliger Mikrophone und Lautsprecher übertragen und verstärkt wurden, war eine regelrechte Zumutung. Abgesehen davon, dass immer ein - wenn auch leises - Hintergrundgeräusch durch den Raum schwirrte, wurde der Orchesterklang "flachggebügelt", eindimensional und wie in einer Stadthalle mit schlechter Akustik breiig und verwaschen. Da klingt jede Heim-Stereoanlage (von einigermaßen guter Qualität) "naturgetreuer", lebendiger und plastischer!
Also: wenn schon reine Orchesterstücke in das Programm aufgenommen werden, was sich die Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz durchaus leisten kann, dann bitte ohne den Klang verfälschende technische "Akustikschredder"!

Die Bemerkung von Barbara Dennerlein zum Abschluß des Abends, dass beim nächsten Konzert doch alle ihre Freunde und Bekannte mitbringen mögen, spielte auf die Tatsache an, dass der Alfred Krupp Saal bei weitem nicht gefüllt war.
Ein Rat für alle, die keine unüberwindbare Abneigung gegen die Hammond B3 und großes sinfonisches Orchester haben: nichts wie hin und sich verzaubern lassen!

Natürlich kam Barbara Dennerlein nicht ohne Zugabe davon, was ihr als Vollblutmusikerin natürlich große Freude bereitete. Ihre Begeisterung am kreativen Musizieren wird dabei geprägt von Hingabe, Herzblut, Energie und grenzenloser Leidenschaft, was ihr Publikum unwillkürlich mitreißt und begeistert.

Dass die umtriebige Münchnerin dabei nie das Wesentliche des Lebens aus den Augen verliert, dokumentierte sie musikalisch in ihrem Stück "Pendel der Zeit". Gerade das "Leben im Moment", das Kinder in ihrem alles um sie herum vergessen lassenden Spiel noch problemlos praktizieren können, geht den meisten Erwachsenen im täglichen, hektischen Alltag völlig verloren. Ihr größtes Anliegen ist es daher, jeden Einzelnen zu motivieren, den augenblicklichen Moment im Hier und Jetzt mit allen Sinnen bewußt wahrzunehmen. Wer sich dabei ganz auf ihre Musik einlässt, dem kann das auch durchaus gelingen.




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Barbara Dennerlein Trio
  Barbara Dennerlein (Hammond-Orgel)
  Peter Lehel (Saxophon)
  Daniel Messina (Schlagzeug)

Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz
Dirigent: Bernd Ruf




Alberto Ginastera
  Ballet-Suite Estanica op. 8


Barbara Dennerlein

  Barbara Dennerlein Trio
  Swing The Blonds

  "Hammond meets Orchestra"
  Longing
  A Summer Day


Leonard Bernstein
  On the Town
  Three Dance Episodes



Barbara Dennerlein

  Barbara Dennerlein Trio
  Long Way Blues

  "Hammond meets Orchestra"
  Pendel der Zeit
  Change of Pace



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