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Beethoven-Zyklus I

17.10.2004

Philharmonie Essen
Alfried Krupp Saal
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Philharmonie Essen (Homepage)
Ein furioser Auftakt des Beethoven-Zyklusses

Von Gerhard Menzel

Die Besonderheit des über drei Spielzeiten angelegten Zyklusses, in deren Verlauf alle Sinfonien Ludwig van Beethovens zur Aufführung gelangen werden, ist, dass zum ersten Mal in Deutschland dabei alle Werke auf "Originalinstrumenten" erklingen. Nachdem einige Vorreiter der "Originalklangspezialisten", wie Nikolaus Harnoncourt und Roger Norrington, schon ihre Interpretationen von Beethovens Werken vorgestellt haben, präsentieren nun Christoph Spering und sein Ensemble "Das Neue Orchester" die Ergebnisse ihrer langen intensiven Beschäftigung mit diesen Kompositionen. Christoph Spering ist nicht nur ein fundierter Kenner der Werke Beethovens (für die ja inzwischen wissenschaftlich genauest aufgearbeitetes Aufführungsmaterial existiert), sondern auch der Vorgänger und Zeitgenossen Beethovens, sowie der Entwicklung des Instrumentenbaus dieser Zeit.

Schon das erste Konzert im Rahmen dieses Beethoven-Zyklusses in der neuen Philharmonie in Essen sorgte gleich von Beginn an für gespitzte Ohren und bescherte ein ganz außergewöhnliches Hörerlebnis.

Quasi programmatisch hatte Christoph Spering als Eröffnung des Zyklusses die Ouvertüre zu "Coriolan" c-Moll, op. 62 gewählt. Heinrich Joseph von Collins Trauerspiel erzählt die Geschichte des römischen Feldherrn Coriolan, der in Folge politischer Machtspiele keinen anderen Ausweg mehr sah, als den Freitod zu wählen. Beethoven fand für den Haß und die Verzweiflung Coriolans ausdrucksstarke Musik, die durch die Interpretation durch Christoph Spering und "Das Neue Orchester" zu einem wahren Hörkrimi wurde.

Dabei hat Christoph Spering keinesfalls Beethovens Musik neu erfunden, sondern setzte mit seinem Ensemble einfach seine genaue Partituranalyse - wie das Beachten der Lautstärke- und Phrasierungsanweisungen Beethovens - konsequent in die Praxis um. Auch die Orchesterbesetzung, die ein optimales Verhältnis von Streichern zu Bläsern aufwies, überzeugte durch einen transparenten und überaus farbenreichen Klang. Die ganze Skala der Dynamik vom leisesten Piano bis zum gewaltigen Forte, Sforzati und Fortepiano-Schläge ließen geräuschvoll den "Schönklang" weit hinter sich und machten dadurch aus kulinarischen "Schmachtfetzen" dramatische "Klangerzählungen". Das galt auch für Beethovens Sinfonie Nr. 4 B-Dur, op. 60, die im Allgemeinen zu den weniger "heroischen" Sinfonien gezählt wird und im Gegensatz zu denen wesentlich seltener aufgeführt wird.

Neben den Werken Beethovens hat Christoph Spering in seiner Konzertreihe jeweils einen weiteren Komponisten in dessen "Nachfolge" als Kontrapunkt mit in das jeweilige Programm integriert. In der ersten Saison ist es ein unmittelbarer Zeitgenosse Beethovens: Franz Schubert. Auch der akustische Eindruck seiner Werke wurde durch Christoph Spering und "Das Neue Orchester" zum Teil neu definiert. Franz Schubert erklang hier nicht als der Komponist "der kleinen Form", der Klavierstücke, Kammermusik und Lieder, vielmehr als Tonschöpfer in der direkten Nachfolge Beethovens, auf einem vielversprechenden Weg, dem übermächtigen Vorbild etwas adäquates entgegenzusetzen. Allerdings beendete Schubert nur ganze sieben von insgesamt dreizehn begonnenen Sinfonien, was der Legendenbildung um seine "Unvollendete" zusätzlich Vorschub leistete. Auch wenn sich über die - zumindest anfangs - sehr geschwinde Temponahme des zweiten Satzes streiten lässt, gelang Christoph Spering auch in Schuberts Sinfonie Nr. 8 h-Moll, D. 759 ("Unvollendete") eine ungeheuer spannende und Aufmerksamkeit auf sich ziehende Interpretation.

Außerdem erklang noch die Zwischenaktmusik Nr. 3 aus "Rosamunde, Fürstin von Cypern" D. 797, deren Beginn Christoph Spering und "Das Neue Orchester", zusammen mit der Ballettmusik Nr. 2, dem begeisterten Publikum als Zugaben offerierten.

Der neue Konzertsaal der Essener Philharmonie erwies sich als ein optisch und akustisch angenehmer Raum, der eine wesentlich aufgelockertere Architektur aufweist, als das Konzerthaus in Dortmund, das eher "bunkerhaft" wirkt und eine "gnadenlose", weil völlig durchhörbare Akustik besitzt. Essens Philharmonie besitzt mehr Hall, aber der Klang bleibt - zumindest im hinteren Parkett - klar und im ganzen Spektrum ausgeglichen. Auch die leisesten Pizzikati der Kontrabässe - in der Mitte des Orchesters plaziert - waren gut und verzerrungsfrei zu hören.

Das übrige Ambiente der neuen Philharmonie (Eingangshalle, Foyers, etc.), vor allem aber die Treppenhäuser, verströmen (mit ihrem kalt-weißem Licht) allerdings eher den Charme von Fluchtwegen in Kaufhäusern, sodass eine durchgehende "Wohlfühlatmosphäre" architektonisch nicht gegeben ist. Auch der Zugang vom Parkhaus der Philharmonie zum Konzertsaal, der nicht einmal wettergeschützt ist, zeugt nicht von Komfort und ausgesprochenem Publikumsservice. Da hat das benachbarte Aalto-Theater doch wesentlich mehr zu bieten. Der vorzüglichen Akustik des Konzertsaales und seiner Multifunktionalität tut das allerdings keinen Abbruch.

Auf die nächsten Konzerte des Beethoven-Zyklusses kann man jedenfalls gespannt sein. Hoffentlich wird der Besucherzuspruch dann größer sein, als dies im ersten Konzert der Fall war. Verdient haben es Christoph Spering und sein glänzendes Ensemble "Das Neue Orchester" allemal!



Die nächsten Konzerte Beethoven-Zyklusses
(jeweils um 18 Uhr in der Essener Philharmonie):

  • 6. Februar 2005: Ouvertüre "Die Geschöpfe des Prometheus", Sinfonie Nr. 8 und Schuberts "Große C-Dur-Sinfonie"
  • 29. Mai 2005 : Ouvertüre "Egmont", Sinfonie Nr. 3 "Eroica" und Schuberts 4. Sinfonie ("Tragische")




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Das Neue Orchester
Christoph Spering, Dirigent


Ludwig van Beethoven
Ouvertüre "Coriolan"
c-Moll, op. 62

Franz Schubert
Sinfonie Nr. 8 h-Moll, D. 759
"Unvollendete"

Franz Schubert
Zwischenaktmusik Nr. 3 aus
"Rosamunde, Fürstin von
Cypern" D. 797

Ludwig van Beethoven
Sinfonie Nr. 4 B-Dur, op. 60



Weitere Informationen
erhalten Sie von der
Philharmonie Essen
(Homepage)



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