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2. Sinfoniekonzert der Essener Philharmoniker

7.10.2004
Philharmonie Essen
Alfried Krupp Saal
Homepage

Philharmonie Essen (Homepage)

Von Markus Bruderreck

Am 29. September ist Heinz Wallberg verstorben, langjähriger Chefdirigent der Philharmoniker. Ein Auftritt im neuen Essener Konzertsaal war ihm nicht mehr vergönnt. In der Philharmonie wurde das zweite Sinfoniekonzert seinem Andenken gewidmet.

Die "Maurerische Trauermusik" KV 477 von Wolfgang Amadeus Mozart leitete das Konzert ein; von Beifall bat man abzusehen. Sodann nahmen zwei junge Musiker die Gestaltung des Abends in ihre Hände, beides Talente mit bereits stark ausgeprägter Persönlichkeit. Die Karriere des 1980 geborenen Pianisten Jonathan Biss ist erst zwei Jahre jung. In Großbritannien zählt er bereits zu den "Rising Stars", hier zu Lande gilt es, seine Kunst noch zu entdecken. Gemeinsam mit Ilan Volkov, dem 1976 in Israel geborenen, neuen Chefdirigenten des BBC Scottish Symphony Orchestra, widmet er sich zunächst dem unprätentiösen, recht unvirtuosen vierten Klavierkonzert von Beethoven. Der Zauber beginnt schon mit den ersten traumhaften Piano-Klängen, die Biss heraufdämmern lässt, zart, sehr moderat, dann immer blühender. Biss erweist sich als Meister der Leichtigkeit, entfaltet schillernde Läufe mit nicht wenig Pedal, formt fast impressionistische Klänge. So verhalten, poetisch und in feinsten Schattierungen hört man Beethoven selten. In ähnlicher Manier begleiten die Philharmoniker. Dass Biss ein Poet ist, beweist er auch in der Zugabe, "Der Dichter spricht" aus Schumanns "Kinderszenen".

Leoš Janáceks Ballade für Orchester "Des Spielmanns Kind" (1912) erscheint auf den ersten Blick als ein amorphes Stück. Der Komponist hat in dieser sinfonischen Dichtung - eigentlich ein kleines Violinkonzert, das der Sologeiger der Philharmoniker Tomo Keller, versiert interpretiert - einen sozialkritischen Stoff seines Lieblingsdichters Svatopluk Cech vertont. Ilan Volkov gestaltet kompromisslos die scharfen Ecken und Kanten der Musik, gibt besonders den Streichern starke Konturen. Nicht ein verzweifelter, sondern ironischheiterer Tonfall herrscht dann in Dmitri Schostakowitschs neunter Sinfonie op.70, mit der der Komponist das Publikum in Russland kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges düpierte.

Weder eine pathetische Siegesfeier, noch eine Chorsymphonie angelehnt an das Vorbild Beethoven hat Schostakowitsch hier geschrieben, sondern ein heiteres, groteskes, knappes Werk. Volkov erweist sich hier als kluger Gestalter, der die musikalischen Strukturen nicht einem überdrehten Tempo opfert - er lässt sich Zeit, um die Musik atmen zu lassen. Das einleitende Allegro hat Schmiss, das folgende Moderato gerät ein wenig eilig. Zurückgenommen fast bis zum Schluss: das abschließende Allegretto. Aber auch das war klug disponiert, denn gerade in diesem Finale übertreiben es Dirigenten gerne, in dem sie ein zu hohes Anfangstempo wählen.
Fazit: Ein runder Abend vor einer gut verkauften Philharmonie.




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Essener Philharmoniker
Ltg. Ilan Volkov
Jonathan Biss, Klavier


Leoš Janácek
Des Spielmanns Kind.
Ballade für Orchester

Ludwig van Beethoven
Konzert für Klavier und
Orchester Nr. 4 G-Dur op. 58

Dmitri Schostakowitsch
Sinfonie Nr. 9 Es-Dur op. 70





Weitere Informationen
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Philharmonie Essen
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