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Saarländisches Staatstheater Saarbrücken
Filmkonzert am 28.03.04 (ebenfalls am 11.03.04 und am 12.03.04)

Charlie Chaplin: The Circus (1925-1928)


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Saarländisches Staatstheater

(Homepage)

Höchst charmant!

Von Claus Huth

Leuchtende Augen aller Generationen vor dem Saarländischen Staatstheater. Dazwischen wird Popcorn verteilt und Eis. Ja, bin ich denn im Kino? - Ja! Bereits zum wiederholten Mal zeigt das Saarländische Staatstheater im großen Haus einen Film von Charlie Chaplin, "The Circus" von 1928 ist es diesmal. Und bereits zum wiederholten Mal sitzt im Graben vor der Leinwand das Saarländische Staatsorchester und spielt live zur Projektion die Filmmusik, die Charlie Chaplin selbst komponierte - im Jahr 1969, acht Jahre vor seinem Tod ist die Partitur entstanden.

Aber der Anfang, der gehört nicht dem Orchester: Musik vom Band, der Titelsong "Swing little Girl", kommt zum Vorspann vom Band, denn ihn singt ebenfalls Charlie Chaplin, der bei seinem Filmen nur ungern irgendetwas jemand anderem überlies - als sich selbst. Aber dann, wenn die Erzählung von dem Tramp, der in eine kuriose Verfolgungsjagd wegen einem Taschendiebstahl verwickelt wird und am Ende in einem Zirkus landet, wo er die Liebe kennen lernt und den Schmerz, nicht geliebt zu werden, wo er die Hauptattraktion wird und gleichzeitig als "Mann für alles" immer der niedrigste in der Hierarchie bleibt, lässt sich das Orchester unter dem 1.Kapellmeister Michele Carulli vernehmen. Die Musiker sehen sich während der rund 70 Minuten Filmdauer einer nicht alltäglichen Situation ausgesetzt: Rascheln am Anfang noch etliche Popcorntüten deutlich vernehmbar, so sind sie während des Films, den von ihnen einzig der Dirigent sehen kann, immer wieder Lachsalven ausgesetzt, die Chaplins untrüglicher Sinn für Humor und Pointen immer wieder auslöst – selbst wenn man den Film oder einige Szenen daraus schon kennt. Aus dem Tritt bringt sie das nicht, eher im Gegenteil: im Laufe der Aufführung steigert sich die Musizierlust enorm.

Michele Carulli schafft es - anders als kürzlich bei Wagners "Der fliegende Holländer" - ausgesprochen gut, die Musik synchron zum Film zu halten - nur selten entstehen vor den Blackouts, welche die einzelnen Episoden des Filmes trennen, einige musiklose Momente. Chaplins Musik ist nicht sonderlich anspruchsvoll, aber charmant in der Erfindung. Und vor allem trifft sie den abgründigen Humor und die Atmosphäre des Filmes genau, in dem der Witz doch immer am Abgrund zu großer Traurigkeit vor den Augen des Zuschauer vorbeitanzt. Und Carulli hat erkannt, dass die Musik für den Film nicht die Hauptsache ist, sondern sich je nach Szene und Situation mal mehr, mal weniger unterordnet - und bisweilen jedenfalls bewusst von manchem Zuschauer nicht wahrgenommen wird. Entsprechend modelliert er mal sorgsam Details heraus, um im nächsten Moment den ganzen Orchesterapparat subtil zurückzunehmen und den Film einfach nur "begleiten" zu lassen. Und das Staatsorchester beherrscht die verschiedenen "Modi" diesmal hervorragend, klingt aufmüpfig trötend, wenn es mit Fanfaren die Show ankündigt, sorglos charmant, wenn es das prägnant Hauptthema des Films intoniert und liefert in den passenden Szenen den nötigen betörenden Schmelz und die bittersüße Melancholie, die doch so nahe beieinander liegen in der Musik wie im Film.

Am Ende ist das Publikum von dem Film aufgeheizt, und lange und herzlich feiert es Michele Carulli und das nun auf der Bühne versammelte Orchester. Nach ausgesprochen unterhaltsamen eineinhalb Stunden: Leuchtende Augen beim Verlassen des Saarländischen Staatstheaters. Und sie leuchten noch mehr als beim Betreten. Zu Recht.


FAZIT

Ein cineastisch-musikalisches Erlebnis der nicht alltäglichen Art. Macht sehr viel Spaß! Und leuchtende Augen – was will man mehr?


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Musik
Charles Chaplin

Musikalische Mitarbeit
Eric James

Neuarrangement/Rekonstruktion
Timothy Brock



Saarländisches Staatsorchester
Saarbrücken

Michele Carulli, Dirigent







Da capo al Fine

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