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Congresshalle Saarbrücken
19./20. Januar 2004

5. Sinfonie-Konzert


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Schostakowitschs Leningrader Sinfonie in bedrückender Intensität

Von Sebastian Hanusa

Kann man die Grauen des Krieges in Musik darstellen, wo doch alle Komposition zugleich Verklärung bedeutet? Vielleicht nur im unmittelbaren Reflex auf erlebte Ereignisse, wie in Schostakowitschs 7. Sinfonie. Der Komponist hatte in seiner Heimatstadt Leningrad die ersten Monate der fürchterlichen Belagerung durch die deutsche Wehrmacht aus nächster Nähe erlebt, buchstäblich im Bombenhagel die Komposition der ersten drei Sätze vollendet. Bereits Ende Oktober 1941 wurde er evakuiert, so dass ihm der Großteil der 900 Tage Belagerung erspart blieben.

Seine Sinfonie wurde noch vor ihrer Uraufführung im März 1942 zum Symbol für den Kampf gegen Nazi-Deutschland – durchaus auch mit propagandistischen Untertönen, die man dem Komponist heute nur mehr vor dem Hintergrund der Entstehungsgeschichte nachsieht. Recht plakativ scheint gerade der erste Satz mit der Darstellung der heranwalzenden deutschen Invasion, mit der nicht enden wollenden Brachial-Steigerung des zum Marsch verzerrten Schlagers "Dann geh‘ ich ins Maxim". Zu langatmig wirken die eher introvertierten drei weiteren Sätze, deren nachdenklicher Gestus den Komponisten zwar von programmatischer Platitüde freispricht, aber kompositorisch wohl eher zu den schwächeren Produkten des Komponisten gezählt werden muss.

Erstaunlich umso mehr die Leistung Leonid Grins und seines Saarbrücker Staatsorchesters. In allen vier Sätzen und den breiten Tempi zum Trotz hält Grin, der selber noch mit Schostakowitsch gearbeitet hat, eine immense Spannung. Er vermag Bögen zu zeichnen und schlüssig die einzelnen Teile in die gewaltige formale Anlage der Sinfonie einzufügen. Die Musiker des Orchesters überzeugen mit einer sorgfältigen Wiedergabe der technisch anspruchsvollen Partitur, mit einer erstaunlichen Bandbreite von intimen, lyrischen Passagen bis hin zu gewaltigsten Orchesterausbrüchen.

Anforderungen ganz anderer Art stellte Mozarts Klavierkonzert in c-Moll. Wie in keinem anderen Solokonzert bestimmt ein melancholischer Tonfall den Charakter der Komposition, durchziehen dunkle Anklänge Mozarts geistreich-galanten Stil. Sorgfalt und Präzision zeichneten auch hier die Interpretation Leonid Grins aus. Besonders fiel das ausgewogene Zusammenspiel mit Solist Matthias Kirschnereit auf. Harmonisch fügten sich Soloinstrument und Orchester ineinander, abgerundet erschienen zudem die gerade im ersten Satz außergewöhnlich ausgedehnten Orchester-Episoden. Auch wenn man sich von Matthias Kirschnereit vielleicht ein wenig mehr Profil gewünscht hätte – mitunter drohte Routine der Inspiration den Rang abzulaufen: Die Konsequenz, mit der er die nachdenklichen Aspekte den virtuosen voranstellte, nahm für ihn ein.

Wieder einmal ein wenig rätselhaft blieb die Betitelung des Konzerts, diesmal mit "Helden". Die sinnlosen Opfer des zweiten Weltkriegs zu solchen zu stilisieren fällt schwer. Abseits nationalen Pathos und einseitiger Propaganda kann man in den Kriegen des 20. Jahrhunderts kaum noch von einem klassischen Heldentum sprechen. Auch lässt gerade Schostakowitsch innerhalb des von ihm dargestellten Gegensatzes von Gewaltausübung und deren Opfern wenig Raum für Heldentum. Die Apotheose des Schlußsatzes anders denn als individuelle, reichlich unheroische Utopie zu lesen, ist schon allein wegen der stalinistischen Indienstnahme des Stückes mehr als fragwürdig. Mozarts Klavierkonzert ist das Heroische mehr als fremd…


FAZIT

Ein rundum gelungenes Konzert mit merkwürdigem Titel.


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Programm


Wolfgang Amadeus Mozart
Klavierkonzert c-Moll KV 491

Dmitrij Schostakowitsch
7. Sinfonie C-Dur op. 60
(Leningrader Sinfonie)


Saarländisches Staatsorchester
Saarbrücken

Leonid Grin, Dirigent

Matthias Kirschnereit, Klavier







Da capo al Fine

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