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Konzerthaus Dortmund
9. Februar 2004

5. Philharmonisches Konzert


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Wenn sich ein Konzert schon wegen der Zugabe lohnt

Das Dortmunder Philharmonische Orchester bringt eine weitere Interpretation der IV. Symphonie von Johannes Brahms ins Konzerthaus

Von Christiane Borchel


Die Checkmate-Suite von Arthur Bliss ist ein Werk, das die Phantasie beflügelt. Checkmate ist Bliss' erste Ballettmusik, entwickelt in Zusammenarbeit mit der Choreographin Ninette de Valois, die in der berühmten Diaghilew-Kompanie getanzt hatte. Bei der Uraufführung im renommierten Théâtre des Champs-Elysées, das spätestens seit der Uraufführung von Stravinskys Sacre du Printemps die erste Adresse für Ballett in der Welt war, zeigte sich Arturo Toscanini derart begeistert von Bliss' Musik, dass er ihn zu sich nach London einlud. In den folgenden Jahren ist Checkmate auf der ganzen Welt getanzt worden; heute wird die Musik leider seltener gespielt. Bliss hat mit viel Freude an dieser Musik komponiert, was man auch hört. Die Idee, die typischen Bewegungen der Schachfiguren in ein Ballet umzusetzen, ist eine Idee, die wirklich von ihm stammt und nicht von einem anderen Textautor oder Choreographen. So bilden Musik und Handlung gelungene Einheit, die auch dann erlebt werden kann, wenn das Stück wie in der Dortmunder Aufführung als Programmmusik gehört und nicht als Ballet gesehen wird. Überhaupt geht es in dem Stück nicht nur um die charakteristischen Bewegungen der Schachfiguren, die z.B. im ersten Teil: Die zwei roten Ritter springen auf das Brett und tanzen durch springende, große Intervalle blendend illustriert werden. Es geht außerdem um den Kampf zwischen Liebe (rote Spielfiguren) und Tod (schwarze Spielfiguren). Die Musik hat auch ohne das Programm Bestand, aber da das Libretto bzw. Programm zutiefst allegorisch ist, wirkt es auf die Phantasie des Publikums eher anregend als einengend, was z.B. Schumann an den Programmen von Berlioz kritisiert hatte. Das Dortmunder Philharmonische Orchester unter Arthur Fagen musizierte diese Musik mit voller Energie und auf hohem Niveau, so dass die Musiker es im folgenden nicht leicht haben sollten, an diese großartige Leistung wieder anzuknüpfen.

Ein eher ungewöhnliches Werk ist auch Paul Crestons Concertino für Marimba und Orchester. Vor allem die Bläserbesetzung ist deutlich kleiner als z.B. in der Checkmate-Suite. Besonders interessant sind insbesondere die einfallsreichen Rhythmen der Ecksätze. Durch die Wahl verschiedener Schlägel werden viele Klangfarben des aus Afrika stammenden Instrumentes vorgestellt. Entgegen der Ankündigung im Jahresprogramm hieß der Solist nicht Evelyn Glennie, sondern Peter Sadlo. Peter Sadlo meisterte das Stück souverän, dem Orchester hätte die eine oder andere Probe vielleicht noch gut getan, denn insbesondere in den hohen Streichern "klebten" die Musiker doch noch sehr an ihren Noten. Vielleicht klang die Musik nach dem Durchlauf am Montag dementsprechend in den folgenden Aufführungen am Dienstag oder Mittwoch etwas selbstverständlicher und vor allem zusammenhangsreicher. Für viele wohl der heimliche Höhepunkt des Abends war die Zugabe von Peter Sadlo. Befremdend wirkte es zunächst, als neben einer Kleinen Trommel ein klappriger Holzstuhl hereingebracht wurde. Hatte Sadlo etwa den gleichen Spleen wie Glenn Gould, der sich zu jedem Konzert seine eigene Sitzgelegenheit mitnahm? In den ersten Sätzen des nun folgenden Solo-Stücks für Kleine Trommel fand der Stuhl tatsächlich seinen Einsatz als Sitzgelegenheit. Schon hier vollbrachte Peter Sadlo das Wunder, ein ganzes großes Publikum mit neuer Musik zu faszinieren. Er zauberte Unmengen verschiedener Klänge und Rhythmen aus diesem vermeintlich so übersichtlichen Instrument, indem er die Oberseite, die Seitenteile und die Unterseite dieser Trommel an verschiedensten Stellen beschlug. Im letzten Satz offenbarte sich dann, was es mit dem Holzstuhl auf sich hatte: Er wurde nämlich wie auch Sadlos Schuhe und das Parkett selbst zum Perkussioninstrument!

Die Brahmsinterpretation von Arthur Fagen und dem Dortmunder Phillharmonischen Orchster war bis auf den ersten Satz solide. Die lyrischen Teile des zweiten Satzes gestaltete Fagen wirklich schön, während der erste Satz etwas blass und konzeptlos wirkte. Auch die tänzerischen und bewegteren Teile des dritten und vierten Satzes lagen Fagen besser. Wie so oft fiel während des ganzen Konzerts die Cello-Gruppe durch ihr intensives, bewegtes Spiel auf. Es macht Freude diesen Musikern beim spielen zuzusehen. Unzweifelhaft macht sich ihr Einsatz auch auf rein akkustischer Ebene bemerkbar. Positiv zu erwähnen ist außerdem die konzentrierte Gestaltung des Programmheftes durch Andrea Knefelkamp-West.

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Programm

Arthur Bliss
"Checkmate" - Ballettsuite (1937)


Paul Creston
Konzert für Marimba und Orchester, op.21 (1940)


Johannes Brahms
Symphonie Nr. 4 e-Moll, op.98 (1884/1885)



Peter Sadlo, Marimbaphon

Dortmunder Philharmonisches Orchester

Arthur Fagen, Dirigent







Da capo al Fine

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