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Konzerthaus Dortmund
17. Oktober 2003

Hector Berlioz zum 200. Geburtstag


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Zwischen Liebe, Tod und Groteske

Das Orchestre Philharmonique de Monte Carlo mit dem Conductor in Residence Marek Janowski

Von Martin Rohr


Aus Anlass des 200. Geburtstag des Komponisten Hector Berlioz am 11. Dezember 1803 veranstaltet das Konzerthaus Dortmund eine dreiteilige Konzertreihe mit einigen der herausragenden Werken des Komponisten. Neben der erst im Jahre 1992 wiederentdeckten Messe solennelle und der dramatischen Legende "La damnation de Faust" durfte in diesem kleinen Zyklus die Symphonie fantastique nicht fehlen, die im Zentrum des ersten Konzertes stand.

Gleichzeitig fand in diesem Rahmen der erste Auftritt des Conductor in Residence der neuen Spielzeit, des früheren Dortmunder Generalmusikdirektors und heutigen Leiters des Orchestre Philharmonique de Monte Carlo, Marek Janowski, statt. Mit diesem Klangkörper lieferte Janowski ein überzeugendes Beispiel orchestraler Klangkultur ab, das der besonderen Orchesterbehandlung Berlioz´ vor allem in dessen Symphonie fantiastique gerecht wurde.

Am Beginn des Abends stand allerdings die ein Jahr später entstandene Konzertouvertüre zum Shakespeare-Drama "King Lear". In ihr zeigt sich vom ersten Takt an Berlioz´ dramatisches Musikverständnis, das weniger die geschlossene musikalische Form als vielmehr die ausdrucksstarke Geste verfolgt. Das rezitativische Unisono der tiefen Streicher der Einleitung gewinnt durch den weiten Ambitus und das ausgeprägte Rubato einen schicksalhaften Gestus, der durch die unvermittelt einsetzende virtuose Brillanz denkbar stark kontrastiert wird. Diese plötzlichen Charakterwechsel meisterte das Orchestre Philharmonique de Monte Carlo akkurat, jedoch nicht wirklich mitreißend. So wohlgestaltet die Klanggebung des Orchesters in diesem Werk war, so sehr fehlte hier doch die Vielseitigkeit und das Spiel mit den verschiedenen Farben. Dies mag allerdings durchaus der Komposition geschuldet sein, die zwar die große Instrumentationskunst ihres Komponisten verrät, jedoch auf die besondere Schärfe und Radikalität der Symphonie fantastique verzichtet.

Auch die lyrische Szene Hermine kann die radikale Ausdruckskraft der Symphonie fantastique nicht erreichen. Entstanden als Wettbewerbsbeitrag für den Prix de Rome im Jahre 1828, ist ihr deutlich das Korsett der formalen Vorgaben der Wettbewerbsausschreibung anzumerken. Der vorgegebene Stoff, in dem Hermine ihren muslimischen Glauben aus Liebe zu einem Kreuzritter verleugnet, sollte in Form einer Opernszene mit Rezitativen und Arien vertont werden. Allzu offensichtlich zeigen sich hier die einzelnen Nummern als voraussehbare Folge, deren bestimmendes Merkmal jener melodische Einfall ist, der zwei Jahre später als Idée fixe die Symphonie fantastique prägen soll. Bei aller orchestralen Rafinesse lässt sich der konventionelle Umgang mit dem konventionellen Stoff nicht verbergen.
Ein Erlebnis wurde dieses Werk dennoch dank des Auftrittes der Sopranistin Melanie Diener, schon in den Sonntags zuvor im Rahmen der Symphonischen Matineen aufgeführten Gurreliedern von Arnold Schönberg bleibenden Eindruck hinterlassen hatte. Durch ihre ungewöhnliche Bühnenpräsenz wurde die vergleichsweise hölzerne Szene zu einem dramatischen Ereignis von großer Intensität. Besonders lebendig waren die Rezitative durch die ausdrucksstarke und jederzeit textverständliche Deklamation. Mit großer Flexibilität und sehr gezielt setzte Melanie Diener ihre facettenreichen stimmlichen Möglichkeiten und ihr außergewöhnlich weiches und großes Klangvolumen ein. Man kann nur hoffen, dass diese Sängerin noch öfter im Dortmunder Konzerthaus zu hören und vor allem auf der Bühne zu erleben sein wird.

Der Höhepunkt des Abends war allerdings die Symphonie fantastique, in der das Orchester zu jener Schärfe und Vielseitigkeit fand, die es in den vorangegangenen Werken des Abends noch hatte vermissen lassen. Unter der kultivierten und dennoch unaufdringlichen Leitung Marek Janowskis wurde die Sinfonie zu jenem rauschhaften Erlebnis, das Berlioz im Programm zu seiner Sinfonie beschreibt: Die verzerrten Visionen eines Künstlers im Opiumrausch, der seine eigenen Hinrichtung und einem wilden Hexensabbat erlebt. Hier zeigten alle Orchestergruppen nicht nur höchste Virtuosität, sondern auch die Bereitschaft, ins Detail zu gehen und in mit feinen Nuancen zu spielen, so beispielsweise im Zwiegesang zwischen Englischhorn und Fernoboe zu Beginn der Scène aux Champs. Auch die Bereitschaft, die grotesken, grellen und hässlichen Seiten der Musik kompromisslos umzusetzen, war hier endlich zu spüren. Auf diese Weise legte das Orchestre Philharmonique de Monte Carlo die besonderen Errungenschaften des Komponisten offen, dessen 200. Geburtstag Anlass dieses Konzertes war.


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Programm

Hector Berlioz:

Grande Ouverture du
Roi Lear op. 4

Herminie
Scène lyrique für Sopran 
und Orchester

Symphonie fantastique
Episode de la vie
d´un artiste, op. 14



Melanie Diener, Sopran

Orchestre Philharmonique 
de Monte Carlo

Marek Janowski, Dirigent







Da capo al Fine

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