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Konzerthaus Dortmund
25. September 2003

Royal Philharmonic Orchestra


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Neues Spiel, neues Glück!

Strawinsky und Beethoven in höchster Klangkultur

Von Martin Rohr


Welches Werk könnte würdig sein, die neue Spielzeit eines großen Konzerthauses zu eröffnen? Die "Auferstehungssinfonie" von Gustav Mahler, eine sinfonische Dichtung von Richard Strauss oder Beethovens Neunte? Nichts von alledem: Zum Beginn der zweiten Saison hat man sich am Konzerthaus Dortmund für die Zweite Sinfonie D-Dur op. 36 von Beethoven entschieden. Dieses schlanke, vitale und sehr zu unrecht im Schatten der späteren Sinfonien Beethovens stehende Werk war hervorragend geeignet, die herausragenden Qualitäten des Royal Philharmonic Orchestra unter Leitung seines Musikdirektors Daniele Gatti zur Geltung zu bringen. Gleiches gilt für Beethovens Drittes Klavierkonzert c-Moll op. 37, das in der Interpretation des finnischen Pianisten Olli Mustonen zu hören war.

Zuvor jedoch entführe das Orchester sein Publikum in die Welt des Spiels. Den szenischen Rahmen für Igor Strawinskys 1936 entstandene Ballettsuite Jeu de cartes ("Das Kartenspiel") bildet eine Pokerpartie, in der als Charaktere die Spielkarten auftreten und alle Höhen und Tiefen des Spielerglücks durchlebt werden. Die im Vergleich zu den etwa 20 Jahre früher entstandenen Balletten "Der Feuervogel", "Petruschka" oder "Le sacre du printemps" verhältnismäßig schlank orchestrierte Komposition erscheint als rasant rhythmische Collage, die sich Motiven und Zitaten von Beethoven bis zu Strawinsky selbst bedient. Ebenso wechselhaft wie das Spielerglück zeigt sich auch die Musik, die unvermittelt von Begeisterung in nervöse Hektik umschlagen kann. Durch raffinierte Instrumentation gelangt Strawinsky trotz des Verzichts auf außergewöhnlichere Instrumente zu einer ungeheuren Klangvielfalt, die dieser Wechselhaftigkeit in Motivik und Rhythmik Rechnung trägt.
Das Royal Philharmonic Orchestra meisterte diese äußerst virtuose Musik mit großer Leichtigkeit. Die vertrackten Rhythmen erscheinen trotz aller Stolpersteine nie ausgezählt, sondern mit dem selbstverständlichen Groove einer Swingband. Bei aller klanglichen Prägnanz bewahrten die Musiker unter der zurückhaltenden, aber klaren Leitung von Daniele Gatti zu jeder Zeit die Ballance zwischen den Orchestergruppen und den solistisch hervortretenden Instrumentalsolisten.

Ähnlich überraschend wie Strawinskys Pokerpartie war Olli Mustonens Interpretation von Ludwig van Beethovens Klavierkonzert Nr. 3 c-Moll op. 37. Der finnische Pianist begegnete dem vermeintlich so schicksalsbeladenen Werk mit einer akzentuierten und offensiven Spielweise, die bewusst jede mystische Überfrachtung verhinderte und heroisches Pathos radikal in Frage stellte. Dabei bewegte er sich in den Extremen des Ausdrucks: Mit trockene, fast spröden Akzentuierungen stellte Mustonen die Kontur des Satzes messerscharf heraus, war durchaus auf Kosten einer breiten Klangentfaltung ging. Unmittelbar schlug die Interpretation von klanglich brillanter Virtuosität um in größte, gleichsam ängstliche Zurückhaltung und Geschmeidigkeit, die jedoch in Reinform für sich stand.
Diese fast misstrauische Haltung Mustonens gegenüber dem Notentext traf auf ein Orchester, das sich bei aller Transparenz und Klarheit auch auf die Schönheit des Beethovenschen Orchestersatzes einließ. Vor allem die solistischen Bläserpassagen im Mittelteil des zweiten Satzes Largo gerieten zu einer beeindruckenden Demonstration höchster Orchesterkultur, die sich sowohl durch die Klarheit des Klangkörpers als auch durch die musikalische Intuition der Musiker niederschlug. In der Verbindung von Solist und Orchester kam es so immer wieder zu spannenden Begegnungen, Kontrasten und überraschenden Verschmelzungen.

Zu einem wahren Feuerwerk an Spielfreude geriet Beethovens Zweite Sinfonie. Mit straffen Tempi und großer klanglicher Klarheit kam die vitale Kraft der Musik zur Geltung. Herausragend präsentierten sich innerhalb des Orchesters die Holzbläser, die sowohl einen geschlossenen und dennoch transparenten Satz bildeten, als auch klanglich brillant solistisch hervortraten. Der besondere Gestaltungswille der Musiker zeigte sich jedoch nicht nur in solistischen Passagen, sondern war auch im dichten Tutti klar zu spüren.

Für den stürmischen Beifall bedanke sich das Orchester mit dem Finale aus Beethovens Sinfonie Nr. 7 A-Dur, das in atemberaubender Virtuosität und Klangkultur erklang. Nach einem solchen herausragenden Auftakt ist die Messlatte für die neue Spielzeit hoch gelegt!


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Programm

Igor Strawinsky
"Jeu de cartes"
Ballettsuite (1936)

Ludwig van Beethoven
Konzert für Klavier und
Orchester Nr. 3 c-Moll op. 37


Sinfonie Nr. 2 D-Dur op. 36



Olli Mustonen, Klavier

Royal Philharmonic
Orchestra

Daniele Gatti, Dirigent







Da capo al Fine

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