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Rudolf Oetker Halle Bielefeld
2. Kammerkonzert der Bielefelder Philharmoniker
20. Oktober 2003

Leben, Liebe und Tod


Überragendes Artemis-Quartett bringt das Publikum zum Toben

Von Kilian Vollmer


Lange hat man im kleinen Saal der Rudolf Oetker Halle in Bielefeld nicht mehr so ein begeisterndes Konzert erleben können. Im zweiten Kammerkonzert der Bielefelder Philharmoniker war mit dem in Berlin ansässigen Artemis-Quartett eines der führenden Streichquartette der Welt zu Gast.

Inhaltlich zur Jahreszeit passend stand das Programm unter dem imaginären Titel Leben, Liebe und Tod.

Gleich mit dem ersten Werk des Abends demonstrierte das Ensemble auf eindrucksvolle Art und Weise, auf welch hohem Niveau es sich spieltechnisch und interpretatorisch bewegt. Ist das zweite Quartett Janaceks auch durch eine etwas unglückliche Liebe geprägt, so war es eine reine Freude, diesen noch am Anfang ihrer internationalen Karriere stehenden jungen Musikern zuzuhören und zu sehen. Mit Bravour bewältigten sie nicht nur ein äußerst anspruchsvolles Oeuvre der Literatur, sondern begeisterten schon hier durch Hingabe im Spiel. Der Konzertbesucher war gefangen, die ersten Bravos (jawohl, wir befinden uns in Bielefeld!) schon dieser einem Paukenschlag ähnelnden Ouvertüre.

Vor der Pause ging die Reise weiter nach Südamerika. Cellist Eckart Runge, auch solistisch sehr aktiv im Bereich Tango und insbesondere Piazzolla, hatte dessen "Suite del Angel" für Streichquartett bearbeitet und wahrlich überzeugende Arbeit geleistet.

Für diejenigen unter den Besuchern, die schon einmal die Enstehungsorte des Tangos, die Barrios von Buenos Aires gesehen haben, war es wohl ein "Déjà-vu" ersten Ranges. So echt war die Musik empfunden. Musik, die bei aller Heiterkeit des argentinischen Lebens immer melancholisch bleibt und eine gewisse Trauer mit sich trägt. War die Liebe bezeichnend für Janaceks Werk, so war man bei Piazzolla nun beim wahren Leben mit all seinen Höhen und Tiefen angelangt, der Tod kündigte sich schon an. Bei geschlossenen Augen hatte man Argentinien vor sich und konnte richtig genießen.

Der Höhepunkt des Abends, auf den sicherlich viele mit Spannung gewartet hatten, kam aber noch: Schuberts wohl bekanntestes Quartett "Der Tod und das Mädchen".

Nach böhmischer und argentinischer nun also einer der Prüfsteine der Streichquartett- Literatur überhaupt. Im gesamten Werk ist der Tod präsent, von den jungen Musikern in jeder Schattierung plastisch und eindrucksvoll herausgearbeitet. Waren zu Beginn teilweise noch leichte Unebenheiten in der Intonation zu vernehmen, so wuchs die Intensität des Spiels imemr mehr an und der Zuhörer konnte nur noch staunen ob dieser Perfektion, dieser Spielfreude und diesem Engagement.

Ist der kleine Saal der Oetkerhalle auch ein perfekter Rahmen für Kammermusik, so bleibt aber zu hoffen, daß es bald für noch mehr Besucher die Möglichkeit gibt, Streichquartette in dieser Güte zu erleben. Eingefleischte Fans des Ensembles werden sicherlich bemerkt haben, daß die Künstler sich selbst auf so hohem Niveau im Verlauf der letzten Monate noch weiter entwickelt haben.

Der Raum platzte aus allen Nähten, Standing Ovations und andauernde Bravorufe für das Quartett, das sich beim normalerweise ja relativ konservativen und zurückhaltenden ostwestfälischen Publikum mit einem unvollendeten Andante Schuberts bedankte.


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Programm:

Leos Janacek (1854 - 1928)
Streichquartett Nr.2
"Intime Briefe"


1. Andante, Con moto, Allegro
2. Adagio, Vivace
3. Moderato, Adagio, Allegro
4. Allegro, Andante, Adagio

Astor Piazzolla (1921 - 1992)
Suite del Angel
(arr. für Streichquartett von
Eckart Runge)

1. Introducciòn del Angel
(Tango moderato)
2. Tango de lAngel
(Tempo di Tango)
3. Milonga del Angel
(melancólico)
4. La Muerte del Angel
(Fuga, movido)

Franz Schubert (1797 - 1828)
Streichquartett d-moll D 810
"Der Tod und das Mädchen"

1. Allegro
2. Andante con moto
3. Scherzo: Allegro molto
4. Presto


Artemis Quartett:
Natalia Prischepenko
Heime Müller
Volker Jacobsen
Eckart Runge





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