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24.01. - 28.02.2004
Aschaffenburg
Aschaffenburger Gitarrentage


Festival mit vielen Facetten
Die Aschaffenburger Gitarrentage 2004

Von Ingo Negwer

Zu Anfang des Jahres stand Aschaffenburg musikalisch wieder ganz im Zeichen der Gitarre. Eine Reihe attraktiver Konzerte mit der Bayerischen Kammerphilharmonie, mit David Russel, dem World Guitar Ensemble, mit Alexander Kaimbacher (Tenor) und Gerhard Löffler (Gitarre) sowie mit dem Schweizer Musikschulensemble La Volta standen auf dem Programm der Gitarrentage 2004.

David Russel gehört seit vielen Jahren quasi zu den festen Größen dieses Festivals. Am 5. Februar stellte er im Stadttheater ein vielseitiges Programm mit Werken vom Barock bis zur Moderne vor. Russel ist kein extrovertierter "Hexenmeister" auf seinem Instrument. Vielmehr pflegt er ein sehr kantables Spiel mit einem breiten Spektrum an Klangfarben. Mit diesen Mitteln kamen Mario Castelnuovo-Tedescos spätromantisches Charakterstück "Capriccio diabolico" sowie zwei Arrangements aus Bachs Kantaten "Wachet auf, ruft uns die Stimme" und "Jesu bleibet meine Freude" ebenso gut zur Geltung, wie die von lateinamerikanischer Folklore inspirierten Werke von Antonio Jiménez Manjón, Ariel Ramirez, Eduardo Falú und Dilermando Reis.

Dass David Russel darüberhinaus ein herausragender Virtuose mit erstaunlicher spieltechnischer Sicherheit und Präsenz ist, stellte er mit seiner Intepretation der Suite Nr. 7 Georg Friedrich Händel (original für Cembalo) unter Beweis. Insbesondere in der abschließende Passacaille entfachte der Brite ein gitarristisches Feuerwerk. Besondere Aufmerksamkeit erweckten auch William Waltons einstmals für Juliam Bream komponierte "Five Bagatelles" mit ihren der Jazzharmonik entlehnten Elementen. Am Ende des Konzerts wurde der Solist im gut besuchten Theatersaal vom Publikum begeistert gefeiert. David Russel bedankte sich mit zwei Zugaben von Agustín Barrios und Joaquín Malat.

Das Abschlusskonzert der diesjährigen Aschaffenburger Gitarrentage am 28. Februar stand ganz im Zeichen des musikalischen Nachwuchses. Zum wiederholten Male war das Ensemble La Volta der Jugenmusikschule Reinach/Basel-Land an den Main gereist, um vor den zahlreichen Zuhörern im Stadttheater Musik sowohl aus alter Zeit wie auch aus fernen Ländern erklingen zu lassen. Dabei greifen die jungen Leute im Alter von ca. 10 bis 20 Jahren und ihr Leiter, Jürgen Hübscher, auf eine enorme Zahl unterschiedlicher Instrumente zurück. Diese alle aufzuzählen, würde den Rahmen dieses Berichts sprengen. Neben Gitarre, Violine und Mandoline kamen ein Salterio, eine Erzlaute, Charango, Ukulele, Tambura u.v.m. zum Einsatz.

Im ersten Teil seines Konzerts widmete sich La Volta der sogenannten Alten Musik aus Mittelalter und Barock, die in den höchst vitalen Interpretationen des Ensembles gar nicht wie "von gestern" wirkten. Erstaunlich ist das hohe Niveau, auf dem die jungen Musiker ihre Instrumente beherrschen, etwa im Andante molto aus Vivaldis Konzert C-Dur (Barockmandoline solo) oder in Marco Uccellinis "Aria sopra la Bergamasca".

Nach der Pause wurde das Programm von zumeist südamerikanischen Klängen beherrscht: Choro und Bossa Nova aus Brasilien, Walzer aus Venzuela, Carnavalito aus Argentinien u.a. wurden mit beeindruckender rhythmischer Souveränität dargeboten. Folklore aus Irland und den USA sowie eine Klezmer-Suite rundeten das schöne Familienkonzert ab, in dem Jürgen Hübscher auch als Moderator auf unkonventionelle gleichermaßen informative und unterhaltsame Art stets den richtigen Ton fand. Ein gelungener Abend und ein großartiger Schlusspunkt unter die Aschaffenburger Gitarrentage, die erst nach mehreren Zugaben von La Volta wirklich zuende gingen.

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