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27. Oktober 2002
Kölner Philharmonie



Felix Mendelssohn Bartholdy
Ouvertüre Die Hebriden op. 26

Robert Schumann
Konzert für Violine und Orchester d-moll op. posthum

Robert Schumann
Ouvertüre zu Goethes Hermann und Dorothea op. 136

Felix Mendelssohn Bartholdy
Sinfonie Nr. 1 c-moll op. 11


Concerto Köln
Daniel Hope, Violine

Leitung: David Stern

Homepage: Kölner Philharmonie
Mendelssohns Elfenscherzi zünden nach wie vor

Concerto Köln überzeugt erst nach der Pause

Von Silke Gömann / Foto: Thomas Müller

Der eindringlichen Orkanwarnungen zum Trotz war die Kölner Philharmonie zum ersten Konzert der Reihe Sonntags um Vier recht gut besetzt.
Seit einiger Zeit erweitern die MusikerInnen von Concerto Köln, einem zu den renommierten Spezialensembles für Alte Musik zählenden Klangkörper, ihr Repertoire mit Kompositionen aus dem 19. Jahrhundert. An diesem Nachmittag standen mit Schumann und Mendelssohn Bartholdy Werke der musikalischen Romantik auf dem Programm.

Concerto Köln


Das Konzert erlebte zwei unterschiedliche Hälften: Während im ersten Teil in Mendelssohns Ouvertüre Die Hebriden und Schumannns lange Zeit vernachlässigtem Violinkonzert erstaunliche Schwächen in Konzentration und Intonation zu bemerken waren, überzeugten Concerto Köln und ihr Dirigent David Stern nach der Pause mit zwei inspirierten und engagiert angegangenen Interpretationen von Robert Schumanns Ouvertüre zu Goethes Hermann und Dorothea sowie der ersten Sinfonie von Felix Mendelssohn.

Mendelssohns Hebridenouvertüre lebt von der Ausgestaltung des Hebridenmotivs, das direkt zu Beginn der Komposition eingeführt wird und sich durch den weiteren Verlauf der Ouvertüre zieht. Dabei erfährt es zahlreiche Umgestaltungen und großartige Steigerungen, ehe zum Schluß wieder 'Ruhe' einkehrt.
Das Orchester begann jedoch unkonzentriert, das Motiv klang seltsam verhuscht, die große gestalterische Linie fehlte, so dass es zu einer überzeugenden Entwicklung nicht kommen konnte.
Den Mittelteil mit den klanglichen Steigerungen und rhythmischen Akzenten stellte David Stern heraus, doch blieb die Wirkung blaß, da sie nicht organisch vorbereitet auftrat.

In Robert Schumanns Konzert für Violine und Orchester hatten der überzeugende Solist, Daniel Hope, und die MusikerInnen mit heiklen Intonationstrübungen zu kämpfen. Die Unterschiede zwischen Solist und einzelnen Orchestermitgliedern waren doch z.T. erheblich und beeinträchtigten den Hörgenuß.
Dies war umso bedauerlicher, da Solist, Orchester und Dirigent bestens miteinander kommunizierten und eine gestalterisch überzeugende Interpretation des Konzertes vorführten.
Die Tempi der drei Sätze entsprachen genau den von Schumann genannten Satzüberschriften. Insbesondere der dritte Satz Lebhaft, doch nicht zu schnell konnte so seine Schönheiten entwickeln.

Das Publikum verabschiedete Solist und Orchester mit verhaltenem Applaus in die Pause. Im zweiten Teil wandelte sich das Bild. Zupackend ging Stern an das Dirigat von Schumanns Ouvertüre mit dem Zitat der Marseillaise heran, so dass der Funke auf das Publikum übersprang.

In der abschließenden Sinfonie c-moll von Mendelssohn Bartholdy hatte das Orchester eine Überraschung parat: Statt des ursprünglichen Menuetts erklang als dritter Satz das bekannte Scherzo aus Mendelssohns Oktett op. 20. Hierbei zeigte sich, dass dieser vom Komponisten während seiner ersten Englandreise 1829 orchestrierte Satz auch heute noch den gleichen Reiz auf das Publikum ausübt wie zu Lebzeiten Mendelssohns.
Den stilistischen Bruch der Komposition, der durch den Austausch des Menuetts hervorgerufen wird, nahm man ob der elfenhaft, luftigen Wirkung des Scherzos gern in Kauf.
Das Publikum war begeistert und erreichte eine Wiederholung eben dieses Satzes als Zugabe.


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