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22. Oktober 2002
Kölner Philharmonie



Peter Iljitsch Tschaikowsky
Serenade für Streichorchester C-dur op. 48

Felix Mendelssohn Bartholdy
Konzert für Klavier und Orchester Nr. 2 d-moll op. 40

Antonín Dvorák
Sinfonie Nr. 7 d-moll op. 70


Chamber Orchestra of Europe
Gianluca Cascioli, Klavier

Leitung: Paavo Berglund

Homepage: Kölner Philharmonie
Inspiration, Gestaltungswille und Musizierlust

Paavo Berglund und das Chamber Orchestra of Europe begeistern ihr Publikum

Von Silke Gömann

Es gibt sie tatsächlich noch, diese rar gewordenen Momente, in denen man von der ersten bis zur letzten Note in einen Bann gezogen wird und nur noch beglückt im musikalischen Mit-Erleben im Klang der Musik schwelgt:
Im zweiten Konzert der Reihe Chamber Orchestra of Europe plus... traf eine immense Musizierlust und Interpretationsfreude des Chamber Orchester of Europe auf den Gestaltungswillen des finnischen Dirigenten Paavo Berglund.

Herbert Blomstedt


Schon der Einstieg in Tschaikowskys Serenade für Streichorchester op. 48 lies aufhorchen: Hier waren Profis am Werk, die etwas zu sagen hatten, was weit mehr sein sollte, als abendliche Unterhaltung. Eine unheimlich prägnante und dichte Interpretation mit Liebe zur Ausgestaltung der einzelnen Details, ohne den Gesamtzusammenhang aus den Augen zu verlieren. Die einzelnen Charaktere der fünf Serenaden-Sätze wurden aufs Deutlichste herausgestellt. Fast traumhaft schön wurde der Walzer musiziert. Schon nach dem 'Einspielstück' konnte man erste Bravo-Rufe aus dem Publikum vernehmen.

Begnügte sich Berglund beim Tschaikowsky mit sparsamen Gesten, wurde sein Gestaltungswillen in Dvoráks 7. Sinfonie nicht nur hör- sondern auch sichtbar. Die tragisch-pathetischen Züge dieser Sinfonie entwickelten sich unter seinem Dirigat organisch, wirkten nie aufgesetzt. Die famosen Blechbläser des Chamber Orchestras trumpften auf, ohne plaktiv zu sein und Berglund 'spielte' bewußt mit den Klangwirkungen, die das Wechselspiel der Instrumentengruppen erzeugt. Die Spannungssteigerung im Finale geriet zum intensiven körperlichen Klangerlebnis.
Das Publikum in der gut besuchten Philharmonie feierte Dirigent und Orchester zu recht für diese Interpretation.

Bernard Haitink

Im Angesicht der Intensität des reinen Orchester-Klangerlebnisses hatte es Gianluca Cascioli, der noch junge Solist in Felix Mendelssohns 2. Klavierkonzert op. 40, nicht leicht, eine ähnliche Wirkung auf das Publikum zu erzielen. Solist, Orchester und Dirigent mußten erst zueinander finden. Cascioli verzichtete auf die Betonung typischer Stilmerkmale der Kompositionsweise Mendelssohns.
Dem langsamen Satz nahm er den Charkter eines 'Liedes ohne Worte', dem Finale fehlte das scherzando. Statt dessen vernahm man manch überraschende - weil in dieser Art noch nicht gehörte - Detailausgestaltung von Motiven und Phrasen.

Jeder der Ausführenden war an diesem Abend als Solist überzeugender: Das Orchester beim Tschaikowsky sowie beim Dvorák und der Pianist in seiner Chopin-Zugabe.


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