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Eine Entdeckung Der Geiger Kuba Jakowicz im Konzerthaus Dortmund
Von Martin Rohr
Mit dem Ungarn Béla Bartók und dem Polen Karol Szymanowski standen zwei Vorreiter nationaler Musikentwicklung Osteuropas am Beginn des 20. Jahrhunderts im Zentrum des Achten Philharmonischen Konzertes in Dortmund. Doch allein von dieser äußerlichen Übereinstimmung auf ähnliche musikalische Wurzeln im Sinne einer Volksmusiktradition zu schließen, würde der Musik nicht gerecht. Zu eigenwillig und allen Schubladen widersprechend erscheint gerade das Erste Violinkonzert von Karol Szymanowski. Das um das Jahr 1916 entstandene einsätzige Werk entzieht sich jeder Kategorisierung, da in ihm scheinbar widersprüchliches vereint ist: Die Prägnanz der Klangsprache und der melodischen Gestik erscheint aus programmusikalischen Kontexten oder der Filmmusik entlehnt. Gleichzeitig erscheint das Werk in der formalen Anlage keineswegs angewiesen auf programmatische Stützen. Harmonik und Satzweise faszinieren durch schillernde Orchesterfarben und expressive Chromatik, aber auch Eindrücke osteuropäischer Melodik erscheinen für kurze Momente an der Oberfläche. Ähnlich vielschichtig, doch in seiner Charakteristik wesentlich massiver erscheint Béla Bartóks Konzert für Orchester aus dem Jahre 1943. Das Werk verbindet ernsthaften und schweren Ausdruck, Klangegesang und tänzerisch-extatische Viruosität mit musikalischer Groteske bzw. Parodie, wie sie nicht zuletzt im Intermezzo interrotto durch den eingeschobenen Ländler zum Ausdruck kommt. Die solistische Behandlung der einzelnen Stimmgruppen macht das Konzert für Orchester zu einer der großen Herausforderungen der Orchesterliteratur des 20. Jahrhunderts. Als Fremdkörper im Programm erschien die Petite Suite von Bizet, die den Abend eröffnete. Diese Folge von Kinderstücken in der Tradition Robert Schumanns ist mit ihrer im besten Sinne naiven Liedhaftigkeit und Sorglosigkeit durchaus bemerkenswert, tänzerisch elegant und farbenreich. Im Achten Philharmonischen Konzert war dies nicht zuletzt das Verdienst des Dortmunder Orchesters, das dem Werk mit kultivierter und unaufdringlicher Klangkultur gerecht wurde. Im Kontext der so ganz andersartigen Werke von Szymanowski und Bartók jedoch erscheint die Petite Suite beziehungslos, da die anderen Werke gerade über ihre vielschichtige und komplexe Tonsprache und Schärfe ihre Wirkung entfalten. |
ProgrammGeorges BizetPetite Suite (Jeux d´enfants) op. 22 Karol Szymanowski Konzert für Violine und Orchester Nr. 1 op. 35 Béla Bartók Konzert für Orchester Kuba Jakowicz, Violine Philharmonisches Orchester David Effron, Dirigent
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