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Konzerthaus Dortmund
5. Mai 2003

8. Philharmonisches Konzert


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Eine Entdeckung

Der Geiger Kuba Jakowicz im Konzerthaus Dortmund

Von Martin Rohr


Mit dem Ungarn Béla Bartók und dem Polen Karol Szymanowski standen zwei Vorreiter nationaler Musikentwicklung Osteuropas am Beginn des 20. Jahrhunderts im Zentrum des Achten Philharmonischen Konzertes in Dortmund. Doch allein von dieser äußerlichen Übereinstimmung auf ähnliche musikalische Wurzeln im Sinne einer Volksmusiktradition zu schließen, würde der Musik nicht gerecht. Zu eigenwillig und allen Schubladen widersprechend erscheint gerade das Erste Violinkonzert von Karol Szymanowski.

Das um das Jahr 1916 entstandene einsätzige Werk entzieht sich jeder Kategorisierung, da in ihm scheinbar widersprüchliches vereint ist: Die Prägnanz der Klangsprache und der melodischen Gestik erscheint aus programmusikalischen Kontexten oder der Filmmusik entlehnt. Gleichzeitig erscheint das Werk in der formalen Anlage keineswegs angewiesen auf programmatische Stützen. Harmonik und Satzweise faszinieren durch schillernde Orchesterfarben und expressive Chromatik, aber auch Eindrücke osteuropäischer Melodik erscheinen für kurze Momente an der Oberfläche.
In dieses komplexe Gewebe ist der Solopart der Violine dicht eingebettet. Denkbar weit entfernt vom Virtuosenkonzert romantischer Prägung entfaltet er sich oft rezitativisch frei und in geradezu sprachlicher Deutlichkeit, dabei extremen Register und Farben der Geige nutzend. Besondere Spannung entsteht durch unmittelbare Charakterwechsel von motorisch-bewegten passagen in süßesten, verklärtesten Gesang.
Der Solist des Abends, der polnische Geiger Kuba Jakowicz, offenbarte in seiner Interpretation die seltene Verbindung von rückhaltloser emotionaler Beteiligung an der Musik und klarem Durchdenken der Komposition. Er gestaltete den Solopart des Konzerts mit äußerst gezielter Tongebung und großer farblicher Bandbreite. Besonders in der ausdrucksstarken und hoch virtuose Kadenz faszinierte das unmittelbare nebeneinander verschiedenster Charaktere, wobei die Virtuosität der Musik sich immer dem Ausdruck unterordnete.
Für das Dortmunder Publikum, vor dem Jakowicz zum ersten Mal aufgetreten war, war dieser Solist mit Sicherheit eine Entdeckung, die hoffentlich nicht einmalig bleiben wird.

Ähnlich vielschichtig, doch in seiner Charakteristik wesentlich massiver erscheint Béla Bartóks Konzert für Orchester aus dem Jahre 1943. Das Werk verbindet ernsthaften und schweren Ausdruck, Klangegesang und tänzerisch-extatische Viruosität mit musikalischer Groteske bzw. Parodie, wie sie nicht zuletzt im Intermezzo interrotto durch den eingeschobenen Ländler zum Ausdruck kommt. Die solistische Behandlung der einzelnen Stimmgruppen macht das Konzert für Orchester zu einer der großen Herausforderungen der Orchesterliteratur des 20. Jahrhunderts.
Das Philharmonische Orchester unter Leitung des amerikanischen Gastdirigenten David Effron nahm diese Herausforderung an und interpretierte das Konzert für Orchester mit großer Virtosität und deutlicher Gestik, so in den Soli des zweiten Satzes Giuoco delle coppie mit sehr theatralischem, ausgeprägtem Rubato - die Musiker gingen in die Vollen und zeigten Lust am Extrem. Besonders das virtuose Finale geriet zu einem Feuerwerk an Spiellaune und Klangmasse - kein Wunder bei einem derart dankbaren Werk!

Als Fremdkörper im Programm erschien die Petite Suite von Bizet, die den Abend eröffnete. Diese Folge von Kinderstücken in der Tradition Robert Schumanns ist mit ihrer im besten Sinne naiven Liedhaftigkeit und Sorglosigkeit durchaus bemerkenswert, tänzerisch elegant und farbenreich. Im Achten Philharmonischen Konzert war dies nicht zuletzt das Verdienst des Dortmunder Orchesters, das dem Werk mit kultivierter und unaufdringlicher Klangkultur gerecht wurde. Im Kontext der so ganz andersartigen Werke von Szymanowski und Bartók jedoch erscheint die Petite Suite beziehungslos, da die anderen Werke gerade über ihre vielschichtige und komplexe Tonsprache und Schärfe ihre Wirkung entfalten.


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Programm

Georges Bizet
Petite Suite
(Jeux d´enfants) op. 22

Karol Szymanowski
Konzert für Violine und
Orchester Nr. 1 op. 35

Béla Bartók
Konzert für Orchester



Kuba Jakowicz, Violine

Philharmonisches Orchester
Dortmund

David Effron, Dirigent







Da capo al Fine

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