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Das Auge isst auch mit Julian Rachlin entpuppt sich als Showtalent
Von Martin Rohr
Vorweg gesagt: ich habe mich sehr auf den Auftritt Julian Rachlins in Dortmund gefreut, nicht zuletzt in Kenntnis eines Konzertmitschnittes beim Festival "The Next Generation - Künstler für das 21. Jahrhundert" im Dortmunder Harenberg City Center. Hier empfahl sich Rachlin mit César Francks Violinsonate A-Dur als ernsthafter und ausdrucksstarker Kammermusiker. Äußeres Anzeichen für diese Haltung war eine Bühnenchoreographie, auf die der Solist - so konnte man meinen - genau so viel Mühe verwendet hatte wie auf die musikalische Gestaltung. Abwechselnd zwischen ersten Geigen und Celli hin und her rennend, in den Orchesterabschnitten als Kodirigent agierend mit permanent schmerzverzerrtem Gesichtsausdruck - aus all dem sprach weniger authentisches musikalisches Empfinden als die Absicht, den Zuschauern was für's Auge zu bieten. Es gab an diesem Morgen übrigens auch noch anderes zu hören! Bright Shengs Tibetan Swing war eine schwungvolle Konzerteröffnung. Mit erdigen Rhythmen und schillernden Schlagzeugklängen beschwor der in den USA lebende chinesische Komponist "die Schönheit und Wildheit des Tanzes" seiner Heimat herauf. Gleichwohl erschien das Werk in seinem Ausdruck weit einheitlicher und weniger dramatisch als die im zweiten Philharmonischen Konzert erklungene Komposition "Nanking! Nanking!". Leoš Janáceks Orchesterrhapsodie Taras Bulba kam angesichts des folgenden erschlagenden Eindrucks des Geigers Julian Rachlin kaum zur Geltung, auch wenn die Düsseldorfer Symphoniker durchaus differenziert die klangliche Schärfe und die archaische Kraft der Musik Janáceks nachvollzogen. |
ProgrammBright ShengTibetan Swing für Orchester (2002) Leoš Janácek Taras Bulba Rhapsodie für Orchester (1915, 1918) Johannes Brahms Konzert für Violine und Orchester D-Dur op. 77 Julian Rachlin, Violine Düsseldorfer Symphoniker John Fiore, Dirigent
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