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Konzerthaus Dortmund
2. März 2003

Düsseldorfer Symphoniker


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Das Auge isst auch mit

Julian Rachlin entpuppt sich als Showtalent

Von Martin Rohr


Vorweg gesagt: ich habe mich sehr auf den Auftritt Julian Rachlins in Dortmund gefreut, nicht zuletzt in Kenntnis eines Konzertmitschnittes beim Festival "The Next Generation - Künstler für das 21. Jahrhundert" im Dortmunder Harenberg City Center. Hier empfahl sich Rachlin mit César Francks Violinsonate A-Dur als ernsthafter und ausdrucksstarker Kammermusiker.
Um so unangenehmer war ich berührt und überrascht von seiner Interpretation des Violinkonzerts D-Dur von Johannes Brahms mit den Düsseldorfer Symphonikern im Konzerthaus Dortmund. In einer Haltung, die Pop-Events à la "Deutschland sucht den Superstar" zur Ehre gereicht hätte, offenbarte sich Julian Rachlin als Musiker, bei dem vordergründige Showeffekte das Verständnis des Werkes ersetzt.

Äußeres Anzeichen für diese Haltung war eine Bühnenchoreographie, auf die der Solist - so konnte man meinen - genau so viel Mühe verwendet hatte wie auf die musikalische Gestaltung. Abwechselnd zwischen ersten Geigen und Celli hin und her rennend, in den Orchesterabschnitten als Kodirigent agierend mit permanent schmerzverzerrtem Gesichtsausdruck - aus all dem sprach weniger authentisches musikalisches Empfinden als die Absicht, den Zuschauern was für's Auge zu bieten.
Dass diese Affektiertheit auch an der Musik nicht spurlos vorüber gehen konnte, ist nur selbstverständlich! Am deutlichsten wurde dies in der Solokadenz des ersten Satzes Allegro non troppo, die durch willkürliche und unorganische Rubati geradezu zerpflückt wurde und nur noch entfernte Verwandtschaft zum Notentext erkennen ließ. Gestaltung um jeden Preis, das bedeutete bei Julian Rachlin den Einsatz extremer Klangfarben oder abrupter Tempowechsel, denen das Orchester selbstverständlich nicht folgen konnte.
Von der Ausdrucksdichte Johannes Brahms´ blieb auch im folgenden Adagio nur wenig erhalten, zumal es zu keiner wirklichen Verbindung zwischen Orchester und Solist kam. So wirkte die Abwechslung zwischen Solooboe und Solovioline in der Reprise des zweiten Satzes dynamisch beziehungslos. Statt sich auf das von der Oboe gesagte einzulassen, reagierte Rachlin gleichsam mit dem Satz: "Ich kann viel leiser spielen als Du!". Das Orchester schien es wenig zu stören: Es erledigte seinen Part professionell und handwerklich einwandfrei, ohne jedoch durch seinen Solisten wirklich inspiriert zu erscheinen.
Bei all dieser Effekthascherei war das wirklich erschreckende an diesem Konzert die besinnungslose Begeisterung, zu der sich das Dortmunder Konzertpublikum veranlasst sah. Immerhin schien wohl die Bühnenshow des Julian Rachlin sehr zu überzeugen. Und das Auge isst ja bekanntlich auch mit. Eugène Ysaÿes Ballade für Violine Nr. 3 war da die passende Zugabe um zum Abschied noch den Höllengeiger herauszukehren - schade um das Werk!

Es gab an diesem Morgen übrigens auch noch anderes zu hören! Bright Shengs Tibetan Swing war eine schwungvolle Konzerteröffnung. Mit erdigen Rhythmen und schillernden Schlagzeugklängen beschwor der in den USA lebende chinesische Komponist "die Schönheit und Wildheit des Tanzes" seiner Heimat herauf. Gleichwohl erschien das Werk in seinem Ausdruck weit einheitlicher und weniger dramatisch als die im zweiten Philharmonischen Konzert erklungene Komposition "Nanking! Nanking!".

Leoš Janáceks Orchesterrhapsodie Taras Bulba kam angesichts des folgenden erschlagenden Eindrucks des Geigers Julian Rachlin kaum zur Geltung, auch wenn die Düsseldorfer Symphoniker durchaus differenziert die klangliche Schärfe und die archaische Kraft der Musik Janáceks nachvollzogen.


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Programm

Bright Sheng
Tibetan Swing
für Orchester (2002)

Leoš Janácek
Taras Bulba
Rhapsodie für Orchester
(1915, 1918)

Johannes Brahms
Konzert für Violine und Orchester
D-Dur op. 77



Julian Rachlin, Violine

Düsseldorfer Symphoniker

John Fiore, Dirigent







Da capo al Fine

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