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Konzerthaus Dortmund
11. Februar 2003

5. Philharmonisches Konzert


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Eine gute Halbzeit reicht nicht.

Das Philharmonische Orchester Dortmund zwischen Sinfonik und Groteske

Von Martin Rohr


Der Inbegriff absoluter Musik, der Sinfoniker Johannes Brahms, trifft auf den Themenkreis der griechischen Mythologie und dessen musikalischen Niederschlag bei Claude Debussy und Albert Roussel. Was von der programmatischen Konzeption her nicht so recht passen will, lässt sich scheinbar auch interpretatorisch nur schwer in einem Konzert vereinbaren. Im seinem fünften Philharmonischen Konzert zeigte sich das Dortmunder Philharmonische Orchester unter Leitung des niederländischen Gastdirigenten Ronald Zollman dem entsprechend in höchst unterschiedlicher Form.

Die am Beginn des Abends stehende Dritte Sinfonie F-Dur von Johannes Brahms, die in dieser Spielzeit des Konzerthaus Dortmund bereits von der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen zu hören war, fordert vom Orchester trotz oder gerade wegen ihrer großen Klangdichte eine besondere Beweglichkeit und Flexibilität. Die weit gespreizten Eröffnungsakkorde des Allegro con brio stehen unmittelbar neben kammermusikalisch-leichten und tänzerischen Charakteren. Eine solche Beweglichkeit schien das Philharmonische Orchester am Beginn des Konzertes zu überfordern. Zu eindimensional in der Klanggestaltung gerieten vor allem die massiven Orchestertutti, eine Belebung der Musik von innen heraus fand kaum statt. Gerade der Streicherklang ließ im Vergleich zum vierten Philharmonischen Konzert Homogenität und Wärme vermissen. Die Schwerfälligkeit des groß besetzen Streicherapparates zeigte einmal mehr, wie schlüssig das Konzept Große Kammerorchester der Kammerphilharmonie Bremen war.

Claude Debussys "Prélude a'l après-midi d'un faune" dagegen schien dem Philharmonischen Orchester an diesem Abend eher zu liegen. In gedämpften Farben und zurückhaltender Dynamik entstand ein ätherisches Bild der Musik Debussys, das weiter entfernt von der Dichte der Brahmsschen Sinfonik kaum sein konnte. Um so ungewöhnlicher mutete der Verstoß gegen die Konzertkonvention an, nach der Sinfonie nicht nach Hausen, sondern in die Pause zu gehen.
Herausragend waren in der Interpretation die solistischen Holzbläser, die die Weite der Spannungsbögen durch einen ununterbrochenen Fluss realisierten.

In Albert Roussels Orchestersuite "Bacchus et Ariane" fand das Philharmonische Orchester zum Abschuss des Abends zu jener Beweglichkeit, die die Sinfonie hatte vermissen lassen. In einer bildhaften Musik beschwört Roussel gleichsam dionysisch-lustvolle Lebendigkeit. Durch vielfältige, gleichzeigtig überlagerte Skalen entsteht ein dichtes Treiben, das unvermittelt von einem Marsch in einen Walzer umschlagen kann. Die stampfend-erdigen Rhythmen erinnern durchaus an Strawinskis "Sacre du Printemps".
In einer solchen Musik, in der der einzelne Musiker durchaus auch mal über das Ziel hinaus schießen darf, konnte sich das Philharmonische Orchester freispielen. Dass für den brachialen und etwas unförmigen Schluss der Suite die Brechstange ausgepackt wurde und das Orchester mit der Härte und Dynamik an die Schmerzgrenze ging, tat der Musik kaum Abbruch, selbst wenn dadurch die vorher beherrschende Eindrücke von Leichtigkeit und Eleganz verschüttet wurden.


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Programm

Johannes Brahms
Sinfonie Nr. 3 F-Dur op. 90

Claude Debussy
Prélude a'l après-midi d'un faune

Albert Roussel
Bacchus et Ariane op. 43
2. Suite fü Orchester



Philharmonisches Orchester
Dortmund

Ronad Zollman, Dirigent







Da capo al Fine

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