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Ein langer Abend Pintscher, Schubert und die Effizienz
Von Bileam Kümper
Um es gleich vorweg zu sagen: der lange Abend war keineswegs ein langweiliger Abend. Mit dem Scharoun-Ensemble, das sich aus Mitgliedern der Berliner Philharmoniker zusammensetzt, sowie Tabea Zimmermann waren Musiker zu Gast, die technisch und von ihren Ausdrucksmöglichkeiten her über jeden Zweifel erhaben schienen. Begeisterung wollte trotzdem nicht so recht aufkommen. Ich jedenfalls hatte von dem großen Einsatz an Material, Personal und vor allem Spielzeit etwas mehr erwartet. Dabei fing es ganz vielversprechend an: leise, gut abgestimmte Klänge bestimmten dan Anfang von Monumentum V, der Komposition mit der größten Besetzung des Konzerts. Drei auf Höhe der Orgel verteilte Celli verlängerten ab und zu den Klang in den Raum hinein. Leider ging der Effekt oft in neuen Bühnenaktionen unter. Spannend waren vor allem die Übergänge zwischen instrumentalen und vokalen Stimmen, die sich immer wieder ergaben. Die acht Sängerinnen des Rundfunkchors Berlin bewiesen, ebenso wie die Instrumentalisten, eine große Flexibilität der klanglichen Gestaltung. So mischten sich die verschiedenen Ebenen des Stückes zu einem differenzierten Gesamtklang. Anders stellte sich die Situation bei tenebrae dar. Hier trat die Bratsche als Solointrument deutlicher in den Vordergrund. Die Aktionen sind jedoch auch hier soweit reduziert, dass ein permanenter Schwebezustand zwischen Solokonzert und Ensemblestück, zwischen Individuum und Kollektiv erreicht wurde. Die Live-Elektronik, die im Wesentlichen aus einer leichten Verstärkung der Solistin zu bestehen schien, stellte diese wiederum etwas neben das Ensemble. Die Stammbesetzung des Ensembles war schließlich mit Schuberts Oktett, das seit der Gründung zum Repertoire gehört, zu hören. Dementsprechend souverän war auch die Leistung der acht Musiker. Falls es aber noch einen weiteren Grund gab, dieses Werk mit denen Pintschers zu kombinieren, dann war es wohl die ausufernde Länge, das Nicht-auf-den-Punkt-Kommen, dem Schubert hier erlegen war. Schöne Melodien hin oder her - ob je zwei "zweite" und "dritte" Sätze wirklich nötig sind, wage ich, ebenso wie die Frage, wie lange vier Leute brauchen, einen mittleren Haufen Schlagzeug weg zu räumen, nicht endgültig zu beantworten. Man könnte sich sonst auch fragen, wie lange es denn dauert, eine Kritik darüber zu schreiben. Manchmal ist es eben so. |
ProgrammMatthias PinscherMonumento V für 8 Vokalstimmen, 3 Violoncelli und Ensemble tenebrae für skordierte Viola und kleines Ensemble mit Live-Elektronik Franz Schubert Oktett F-dur D 803 Tabea Zimmermann, Viola Sängerinnen des Rundfunkchors Berlin Leitung: Matthias Pinscher
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