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2. Oktober 2002
Dortmunder Konzerthaus



Wolfgang Amadeus Mozart
Konzert für Klavier und Orchester Nr. 20 d-moll, KV 466

Anton Brckner
Sinfonie Nr. 4 Es-dur, "Romantische"


Philharmonisches Orchester Dortmund
Rudolf Buchbinder, Klavier

Leitung: Arthur Fagen

Homepage: Konzerthaus Dortmund
Die Mühen des Alltags

Erstes Philharmonisches Konzert mit Rudolf Buchbinder

Von Martin Rohr

Es wurde viel gefeiert in den letzen Wochen und namhafte Gäste gaben sich anlässlich der Eröffnungsfeierlichkeiten des Konzerthauses Dortmund die Klinke in die Hand - sowohl auf dem Podium als auch im Auditorium. Doch spätestens mit dem ersten Philharmonischen Konzert der Hausherren ist man in Dortmund im künstlerischen Alltag angekommen. Und da heißt es dann auch, sich mit dessen Widrigkeiten zu befassen.
Denn vor dem Musikgenuss wurde die Gelassenheit der Besucher von der stark verbesserungswürdigen Logistik des neuen Konzertsaals auf eine beträchtliche Probe gestellt, was in den Schlangen der Garderoben für deutlichen Unmut sorgte. Noch lange ist nicht alles Gold, was glänzt.

Was bedeutet nun dieser Alltag für die musikalische Qualität des Gebotenen? Wer letztendlich seinen Platz im Auditorium gefunden hatte, konnte sich auf altbekanntes Repertoire freuen, dessen eigenwillige Interpretationen durchaus zu überraschen vermochten.

Mit seinem Klavierkonzert d-Moll KV 466 tritt im Konzertschaffen Mozarts erstmals ein schicksalsbeladener Grundcharakter zutage, der später im Don Giovanni ebenso prägend wird, wie im Requiem oder einigen Passagen der Zauberflöte. Die Gattung Klavierkonzert wird hier wie auch in dem später entstandene Klavierkonzert in c-Moll erstmals in einen dramatischen Kontext versetzt. Vor diesem Hintergrund gewinnt auch das getragene Durthema des zweiten Satzes Romanze eine schwerere Dimension.

Der Pianist Rudolf Buchbinder nahm sich dieser Schwere an. Mit ausgeprägtem Rubato und großem Klangvolumen verlieh Buchbinder den einzelnen Phrasen großes Gewicht. Daneben jedoch sprach aus seinem Spiel ein besonderes Verlangen nach intellektueller Durchdringung der Komposition. Die technisch souverän ausgeführte, ausgefeilte Artikulation der schnellen Läufe war ebenso Ausdruck dieses Bestrebens wie die gleichsam plakative dynamische Gestaltung.
Insgesamt wirkte die Interpretation bei aller Liebe zum Detail intellektuell überfrachtet, man hätte sich weniger artifizielles, dafür intuitiveres Spiel gewünscht.
Das Orchester zeigte sich in Mozarts Klavierkonzert in herausragender Form, indem es die gesamte Schwere der schicksalhaften Musik ausbreitete. Durch intensiven Kontakt verschmolzen Holzbläser und Klaviersolist im bewegten Mittelteil des zweiten Satzes zu einem kammermusikalischen Ensemble.

Ähnlich eigenwillig gestaltete sich die Interpretation der Sinfonie Nr. 4 Es-Dur von Anton Bruckner durch Arthur Fagen. Die "Romantische" lebt von großen Klangräumen, die in beschwörerischer Wiederholung blockhaft aufgetürmt werden. Das archetypische Quintenthema des Horns zu Beginn des ersten Satzes wird in seiner Schlichtheit melodische Grundgestalt, welche die gesamte Sinfonie prägt.

Im ersten Philharmonischen Konzert erschien die Sinfonie in ungewohnter Frische mit insgesamt sehr zügigen Tempi, was vor allem die tänzerischen Elemente der Komposition offenlegte. So überraschend und spannend diese Entdeckung der Lebendigkeit einerseits war, so sehr fehlte andererseits doch das Statische-blockhafte, was für die Musik Bruckners sonst so charakteristisch ist. Die "Romantische" wurde eher gespielt als zelebriert.
So wirkten dynamische Entwicklungen zeitweise deutlich weniger konsequent geführt als im vorangegangenen Klavierkonzert. In Trompeten und Posaunen fehlte dem Satz die Kontur insbesondere in den Außenstimmen. Dennoch erntete auch die "Romantische" stürmischen Applaus.


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