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Beethovens Violinkonzert kühl und beherrscht Das Internationale Beethovenfest Bonn zu Gast im Konzerthaus Dortmund Von Silke Gömann / Fotos: pr
Quasi als Generalprobe für ihren Auftritt in der Bonner Beethovenhalle am darauffolgenden Abend präsentierten sich die Sächsische Staatskapelle Dresden unter der Leitung von Bernard Haitink sowie der Solist des Abends, Frank Peter Zimmermann, im neuen Dortmunder Konzertsaal.
Überhaupt nicht konventionell geriet dann jedoch die Interpretation von Beethovens Violinkonzert durch Frank Peter Zimmermann. Der enthusiastisch gefeierte Solist des Abends ging Beethovens Konzert mit sinfonischen Ausmaßen äußerst kontrolliert um nicht zu sagen kühl an. Hatte die Staatskappelle Dresden in der langgezogenen Orchesterexposition beginnend mit den vier Paukenschlägen das musikalische Material und die lyrisch-melancholische Grundstimmung des ersten Satzes exzellent entwickelt, entzog sich Zimmermann dieser Stimmung, indem er fast beiläufig, mit kristallklarem Ton, dem lyrische Wärme weitesgehend fremd blieb, seinen Part gestaltete.
Im weiteren Verlauf hatte man den Eindruck, dass Orchester und Solist sich gegenseitig belauerten, sich selbst beim Spielen zuhörten. Dies war sicherlich auch der überaus sensiblen Akustik des Saales geschuldet. Ein befreites Aufspielen, ein in den Saal Hineinmusizieren war so jedoch nicht möglich.
Kontrolle pur blieb auch das Motto im abschließendem Rondo. Zimmermann wählte ein sehr schnelles Tempo, phrasierte äußerst genau, doch Spielfreude, geschweige denn etwas Spielwitz, suchte man hier im 6/8-Takt fast vergeblich.
Das, was die Orchestereinleitungen beim Beethoven versprachen, wusste die Sächsische Staatskapelle Dresden unter ihrem Chefdirigenten Bernard Haitink mit der Interpretation von Johannes Brahms' 1. Sinfonie einzulösen: Differenzierte Ausgestaltung der musikalischen Feinheiten, ein voller, warmer Streicherklang, brillante Holzbläser sowie strahlende, aber nie lärmende Blechbläser, die sich zu einem homogenen immer transparenten Klangkörper vereinigten.
Haitink führte sein Orchester mit sparsamen Gesten und immensem Gestaltungswillen durch die Sinfonie und wählte eine große romantische Besetzung (16/14/12/10/8 im Streicherapparat), doch der Klang blieb auch im Fortissimo noch transparent. Er verzichtete auf jegliche Art von Überbetonung der dramatischen Steigerungen und mied die plakative Effekthascherei. Die Wucht der beiden Ecksätze, vor allem der des Schluss-Satzes mit seiner Apotheose und dem Posaunenchoral, ergab sich selbstverständlich aus dem Nachvollzug der Partitur. Dass der Abend Kraft gekostet hat, sah man Dirigent und Musikern sehr wohl an. Etwas abgekämpft nahmen sie die Bravorufe und Standing-ovations des Publikums auf. Mag mancher zwar etwas enttäuscht ohne Zugabe nachhause gegangen sein, doch hätte ein Kehraus die spannungsreiche und dichte Interpretation der 1. Brahms Sinfonie nur negieren können.
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