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Otto-Braun-Saal der Staatsbibliothek zu Berlin
11. Januar 2003

Italienische Reise


Musikalische Reiseerinnerungen

Fanny Hensels Italienische Reise

Von Nancy Chapple


Italien hatte eine große Bedeutung für die deutschen Romantiker: Goethe nennt es in einem seiner von Fanny Hensel vertonten Gedichte "das zweite Vaterland". Für die begabte ältere Schwester Felix Mendelssohns, Fanny Hensel, war ihre erste Italienreise 1839/40 "das wohl eindrucksvollste und prägendste Erlebnis" ihrer Biographie. Typisch für ihre Zeit genoß sie zwar eine gute musikalische Ausbildung, aber ihre Familie verbot ihr ausdrücklich das öffentliche Auftreten.

Das Reisealbum umfasst sieben Klavierstücke und elf Vokalwerke (Lieder, Duette und Quartette); Hensels Mann, Hofmaler Wilhelm Hensel, fertigte zu jedem der 18 Stücke eine illustrierende Vignette an. Geschmückt mit 7 bunten Beispielen aus dem Album gibt das aufwendig produzierte Programmbuch einen Eindruck des Originalalbums, das die Staatsbibliothek im Jahre 1999 aus dem Familienbesitz erwarb. Der Anlass des Konzerts war die Eröffnung einer Ausstellung in der Staatsbibliothek, "Die Mendelssohns in Italien".

Vom Pianisten Philipp Mayers tatkräftig unterstützt, haben einige Mitglieder des Rundfunkchors Berlin die komplette Italienische Reise aufgeführt. Ursprünglich hätte er nur die Solostücke spielen sollen, aber Mayers ist für die zweite Pianistin kurzfristig eingesprungen. Er wirkte dabei nicht wie einen spontan dazugerufener Begleiter, sondern spielte auch die Lieder mit viel eigenem Ausdruck. Sein Klavierspiel war klar artikuliert und sehr geschmackvoll, auch in den Solostücken akkurat und sanft.

Das erste Lied, "Nach Süden", fängt in einem munteren E-Dur schön an; das zweite, "Das holde Tal", nutzt sehr überzeugend die Möglichkeiten eines Duos. Die zwei a cappella-Quartette waren besonders gelungen, das erste zu Goethes "Lass fahren hin das Allflüchtige" und später "Dämmernd liegt der Sommerabend" für Sopran mit drei Begleitstimmen. Die Sängerbegabungen waren ungleich verteilt: besonders herausragend waren Judith Engel, Christina Seiffert und Hans-Christian Braun.

Die Klavierstücke dauerten 5-10 Minuten und stellten meist nur eine Stimmung dar, auch wenn in zweiteiliger Form komponiert. Manche waren beeindruckende Salonstücke, voller virtuosen Arpeggienpassagen und Sequenzen aber mit wenig musikalischer Entwicklung. "Capriccio" fiel aus der Reihe, da es brillant herkam und wirklich leidenschaftlich gespielt wurde. Nach dem "Tarantella" hallte es ‚Bravo!' aus den Reihen.

Die zweite Konzerthälfte war insgesamt ausdrucksintensiver. Sehnsucht und Trauer wegen des Abschieds von Italien prägten die Stücke. Trotz der Präsenz von etwa 250 Konzertbesucher verlief das Konzert in einer angenehm intimen Atmosphäre, quasi wie die beste Hausmusik: schöne Musik endlich angemessen gewürdigt; kompetente und zum Teil hervorragende Sänger von einem vortrefflichen Pianisten begleitet.


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Programm:

Fanny Hensel
Italienische Reise


Judith Engel, Sopran
Sabine Puhlmann, Sopran
Christina Seiffert, Alt
Ulrich Löns, Tenor
Hans-Christian Braun, Tenor
Michael Timm, Bass
Oliver Gawlik, Bass
Philipp Mayers, Klavier






Da capo al Fine

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