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12. Abonnementskonzert des Gürzenich-Orchesters (7./8./10.7.2002)
Ein Abschied mit Pauken, Trompeten und viel zarten Tönen Von Stefan Schmöe
Nach 13 Jahren nimmt James Conlon seinen Abschied als Kölner Generalmusikdirektor und Chefdirigent des Gürzenich-Orchesters. Einfach war das Verhältnis zwischen dem amerikanischen Künstler und den Kölner Kommunalpolitikern oft nicht, und als man Conlon 1996 mit Günter Krämer einen nicht eben unterwürfigen Theaterintendanten vorsetzte, beendete Conlon umgehend seine Tätigkeit in der Oper und suchte sich zum Ärger der Kölner in Paris ein zusätzliches Betätigungsfeld. Damit aber nicht genug; mit hochkarätig besetzten und musikalisch grandiosen konzertanten Wagner-Aufführungen in der Philharmonie machte Conlon dem Theater sogar in der eigenen Stadt Konkurrenz, und während die Qualität des Orchesters auf dem Konzertpodium kontinuierlich stieg (etliche CD-Einspielungen insbesondere der Werke Zemlinskys bezeugen das), befinden sich die gleichen Musiker im Operngraben seit einiger Zeit eher im musikalischen Abschwung, können zumindest derzeit nicht an die (noch gar nicht so lang vergangenen) ganz großen Abende anknüpfen. Mit Wagner, Mahler und Zemlinsky hat Conlon sich ein bevorzugtes Repertoire im Übergang zwischen Romantik und Moderne erarbeitet, und so war es konsequent, dass er sich mit Mahlers 3. Symphonie aus Köln verabschiedete. Dabei wurden die Qualitäten des Kölner Orchesters noch einmal exemplarisch deutlich: Ein äußerst farbenreicher, dabei jederzeit sehr transparenter Klang, dazu hohe Präzision. Conlon disponierte das Riesenwerk in großen Bögen, innerhalb derer er den Klang oft registerartig auffächert Parallelen, aber auch die Gegensätze zu Bruckner wurden da deutlich, und immer wieder auch die Nähe zu Wagner, etwa dem fahlen Beginn des letzten Parsifal-Aufzuges und den Abgründen des Rings. Conlon machte nicht nur die Struktur des Werkes deutlich, sondern auch die Stellung im musikgeschichtlichen Kontext, aber dennoch war die Interpretation keineswegs eine rein analytische, sondern eine durch und durch klangsinnliche und darin durchaus typisch für Conlons in seiner Amtszeit als GMD gepflegten Kölner Stil. Conlon badet nicht im Klang, und er vermeidet auch eine allzu romantische Interpretation. Das Posthorn-Solo (tadellos geblasen von Herbert Lange) etwa ließ er sehr sachlich und diszipliniert spielen, und im Schlusssatz schien die Musik mehr geordnet zu schreiten als breit dahinzufließen. Aber er versteht es, mit dem schlanken, entschlackten Orchesterklang zu zaubern (hin und wieder auch zu detailverliebt), wobei die Zwischentöne mindestens ebenso große Bedeutung haben wie die mahlerschen Pauken und Trompeten. Und er kann, und das bewies dieses Konzert eindrucksvoll, das Publikum in seinen Bann oder besser: in den Bann der Musik ziehen. An diesem durch einige Ansprachen zur Verabschiedung noch um eine Stunde verlängerten Abend folgte das Publikum dem beileibe nicht einfachen Stück hochkonzentriert, und der ziemlich lange Moment der Stille nach dem Schlusston zeugte mehr von der Kraft der Interpretation als die nachfolgenden standing ovations. Die exzellenten Chöre und das wohltuend schlicht von Birgitta Svendén gesungene Alt-Solo trugen zu einer grandiosen Verabschiedung bei. Allzu lange müssen das Kölner Publikum und das Orchester (das mit den launigen Worten ihres Orchestervorstandes zuvor auf sehr sympathische Weise das freundschaftliche Verhältnis zum scheidenden Vorgesetzten zum Ausdruck gebracht hatte) dem scheidenden Dirigenten nicht nachtrauern, denn bereits im Herbst wird Conlon zurückkehren als gern gesehener Gast. Nach 13 Jahren als Freunde auseinander gehen, dass ist für die zerfahrene oft zerstrittene Kölner Konzert- und Theaterszene eine wohltuend neue Erfahrung. Ihre Meinung ? Schreiben Sie uns einen Leserbrief |
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