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8. Juli 2002
Westfalenhalle Dortmund


Joseph Haydn
Sinfonie D-Dur, Hob. I:96
"Das Mirakel"


Richard Strauss
Ein Heldenleben op. 40 - Sinfonische Dichtung


Philharmonisches Orchester Dortmund
Hans Wallat, Dirigent
Auf Wiedersehen im Konzerthaus!

Saisonabschluss im 10. Philharmonischen Konzert in der Westfalenhalle

Von Martin Rohr

Es war eine Spielzeit des Übergangs, die im letzten Konzert des Philharmonischen Orchesters zu Ende ging. In Erwartung des neuen künstlerischen Leiters Arthur Fagen und der neuen Spielstätte, dem im September eröffnenden Konzerthaus Dortmund, war die Konzertreihe geprägt von herausragenden Gästen, die die großen musikalischen Potenziale des Orchesters herauszufordern vermochten: Die Dirigenten Nello Santi und Christoph Eberle ebenso wie der Pianist Tzimon Barto oder der Cellist Boris Pergamentschikow. Auch seine solistischen Fähigkeiten bewiesen die Mitglieder des Orchesters mehrfach, so in Wolfgang Amadeus Mozarts Sinfonia Concertante im sechsten Philharmonischen Konzert.
Gleichwohl dominierte das gewohnt konservative Repertoire mit den Größen der deutschen Klassik und Romantik, unbestritten die Domäne des kommissarischen Generalmusikdirektors Hans Wallat. Dessen Brahms-Interpretation geriet auch zu einem Höhepunkt der Konzertreihe.

Doch wie um die Notwendigkeit der Neuerungen zu unterstreichen wählte man für das letzte Konzert noch einmal einen höchst unangemessenen Raum. Die Westfalenhalle II versprühte - kaum überraschend - eher den Charme einer Messehalle als die festliche Atmosphäre eines Konzertsaals. Auch akustisch erwies sich der Raum als denkbar ungeeignet sowohl für klassische Kammerorchesterbesetzung wie für den riesenhaften Orchesterapparat eines Richard Strauss.

Die 1791 entstandene Sinfonie D-Dur, Hob. I:96 "Das Mirakel" von Joseph Haydn stand am Beginn dieses Konzertabends. Geprägt durch melodiöse Eleganz und Leichtigkeit verlangt sie nach aktiver und lebhaft-kammermusikalischer Aktivität der Musiker und eigenständigem Gestaltungswillen. Ihre kammermusikalische Anlage sollte eigentlich den Dirigent überflüssig machen.
Diese kammermusikalische Eigenständigkeit, die das Orchester in anderen Konzerten der Spielzeit schon unter Beweis gestellt hatte, musste man an diesem Abend leider vermissen. Der besondere Charme und Witz konnte bei der korrekten, aber recht belanglosen Phrasierung der Streicher kaum entstehen. Ihr übriges tat die ungünstige Akustik der Westfalenhalle, in der die Musiker zu keinem Zeitpunkt zu einem einheitlichen Klangkörper verschmelzen konnten. Anders als die Streicher vermochten lediglich Bläsersolisten des Orchesters der Aufführung eine prägende Gestalt zu verleihen, insbesondere im Trio des dritten Satzes Menuetto. Allegro.

Mit der Sinfonischen Dichtung "Ein Heldenleben" von Richard Strauss spannte das Programm nach der Pause den Bogen zurück zur Eröffnung der Spielzeit. Das Werk ist das letzte in der Reihe der großen Sinfonischen Dichtungen des Zeitgenossen Gustav Mahlers. In sechs Stationen zeichnet Strauss hier ein monumentales Bild eines schöpferischen Menschen. Bereits der hoch auffahrende Gestus des Hornthemas vermittelt den unbändigen Willen, der eine herausragende Eigenschaft dieses neuen, der Gedankenwelt Friedrich Nietzsches verwandten Menschenbildes ist.
In der musikalischen Gestaltung gelangt Strauss nicht zuletzt aufgrund der besonderen Möglichkeiten des großen Orchesters zu einer neuen Bildhaftigkeit der Musik, die zudem mit verständlichen Symbolen wie Karikatur oder Schlachtenmusik arbeitet.
Anders als in der vergleichsweise empfindlichen Musik Joseph Haydns brauchten hier die Musiker des Orchesters kaum Rücksicht auf fragile Klangbalance zu nehmen. Im großen Tutti-Klang zeigte sich das Orchester wesentlich sicherer und überzeugender. Vor diesem Rückhalt vermochten auch die kammermusikalischen Elemente der Komposition zu überzeugen. Herausragend war hier die Konzertmeisterin Shin Kyung Kim, die den anspruchsvollen Solopart ausdrucksvoll, erzählend und virtuos umsetzte.

Mit einer besonderen Ehrung ging der Abend zu Ende: Als Dank für die langjährige Zusammenarbeit ernannte das Philharmonische Orchester Dortmund Hans Wallat zu seinem Ehrendirigenten.


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